# taz.de -- Geheimnisverrat beim Geheimdienst: Ist die BND-Reform in guten Händen?
       
       > Dass Ex-BND-Chef August Hanning spioniert haben soll, ist eine
       > Katastrophe. Schließlich soll der Geheimdienst gerade erst neue
       > Befugnisse erhalten.
       
 (IMG) Bild: Peinlicher Datenabfluss beim hochabgesicherten BND
       
       Es ist eine Vollkatastrophe für den BND: Da sind also über Jahre zentrale
       Interna aus dem Geheimdienst nach außen abgeflossen, Lagebilder, Briefings
       fürs Kanzleramt, knapp 2.000 Dokumente. Nicht von einem frustrierten
       Hinterbänkler, sondern offenbar von einem führenden Angestellten, dem
       Büroleiter mehrerer Präsidenten. Das Ganze ging an den früheren
       BND-Präsidenten August Hanning – der die Informationen teils an einen
       Mitarbeiter eines gegnerischen Geheimdiensts (welcher, ist offen)
       weitergereicht haben soll.
       
       Und als wäre all das nicht verrückt genug, kam das nur durch Zufall heraus,
       durch Ermittlungen im [1][Entführungsfall der Kinder von Steak-House-Erbin
       Christina Block] – in den auch Hannings Sicherheitsfirma verwickelt ist.
       
       Nun wurde der frühere [2][Geheimdienstpräsident festgenommen]. Wann hat man
       so was schon erlebt? Hierzulande jedenfalls nicht.
       
       Für den BND kommt dieser Geheimnisverrat zum denkbar ungünstigsten
       Zeitpunkt. Mühsam hatte er zuletzt sein Image aufpoliert, nach Vorwürfen,
       entscheidende Wendungen der Weltpolitik zu spät mitbekommen zu haben: etwa
       den Vormarsch der Taliban in Afghanistan oder die russische Invasion in der
       Ukraine.
       
       Und auch der letzte Geheimnisverrat ist noch nicht lange her: Ein
       ehemaliger Referatsleiter, der mitten im Ukrainekrieg BND-Interna an
       Russland geliefert haben soll, steht derzeit vor Gericht. Dazu kommt, dass
       Hanning nicht der einzige hochrangige Ex-Geheimdienstler ist, der mit
       ominösen Beratertätigkeiten auffällt – eine Praxis, die längst eingedämmt
       gehört.
       
       Vor allem aber fällt die Hanning-Affäre in eine Zeit, in der der BND
       angesichts des hybriden Kriegs Russlands oder des Rechtsdrifts der USA
       gefordert ist wie lange nicht. Erst einen Tag ist es her, dass
       BND-Präsident Martin Jäger drastisch [3][vor einem Schattenkrieg Putins
       gegen Deutschland warnte]. Und die Affäre fällt in eine Zeit, in der die
       Bundesregierung gerade erst eine Großreform für den BND auf den Weg
       brachte, die ihm deutlich mehr operative Befugnisse gewähren, ihn zu einem
       „echten Geheimdienst“ machen will.
       
       Wenn nun aber bekannt wird, wie leicht und dauerhaft dort Interna nach
       außen gelangen, zerstört das brachial Vertrauen. Nicht nur darin, ob all
       die neuen Daten, die der BND künftig erfassen darf, dort sicher sind –
       sondern auch, [4][ob diese Reform an sich in guten Händen ist].
       
       Nicht nur Partnerdienste des BND dürften daher über die Hanning-Affäre
       alarmiert sein – auch die deutsche Bevölkerung sollte es sein.
       
       6 Oct 2026
       
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