# taz.de -- Papiere aus dem Geheimdienst angekauft: Ex-BND-Chef Hanning unter Spionageverdacht festgenommen
> Ex-BND-Chef August Hanning soll jahrelang interne Geheimdienstpapiere
> gekauft haben. Zudem soll er Kontakt zu einem ausländischen
> Nachrichtendienst gehabt haben.
(IMG) Bild: Unter Spionageverdacht festgenommen: der Ex-BND-Präsident August Hanning. Hier noch als Zeuge bei einer Befragung im Bundestag
Der Vorgang dürfte den [1][Bundesnachrichtendienst (BND)] erschüttern. Am
frühen Dienstagmorgen nahm die Polizei den früheren BND-Präsidenten August
Hanning in seinem Haus bei Münster in Nordrhein-Westfalen fest. Der
Vorwurf: versuchter Landesverrat, Ausspähen von Staatsgeheimnissen und
geheimdienstliche Agententätigkeit. Der 80-Jährige soll über viele Jahre
lang gegen Bezahlung interne BND-Informationen gekauft und für seine
private Beraterfirma genutzt haben. Zudem soll er auch mit einem
ausländischen Geheimdienst in Kontakt gestanden haben.
Die Bundesanwaltschaft bestätigte die Festnahme. Hanning soll spätestens
seit 2010 interne Informationen aus dem BND erhalten haben. Dabei war er
Ende 2005 nach sieben Jahren als Präsident aus dem Dienst ausgeschieden.
Anschließend arbeitete er vier Jahre als Staatssekretär im
Bundesinnenministerium, bevor er als Berater für Sicherheitsthemen tätig
wurde.
In letzterer Funktion soll Hanning die Informationen aus dem BND angekauft
haben – von seinem früheren Büroleiter im Geheimdienst, Manfred D. Auch der
Bayer wurde am Dienstag festgenommen, in seinem Haus im Landkreis Bad
Tölz-Wolfratshausen. Er hatte Hanning als Assistent begleitet, als dieser
von 2005 bis 2009 als Staatssekretär im Bundesinnenministerium arbeitete.
Ab 2012 ging Manfred D. zurück zum BND und arbeitete dort unter anderem für
verschiedene Präsidenten als Büroleiter – und hatte so Zugriff auf diverse
interne Informationen.
Fast 2.000 interne BND-Dokumente, vorgesehen für die Hausleitung oder die
nachrichtendienstliche Lagebesprechung im Bundeskanzleramt, soll Manfred D.
dann Hanning jahrelang weitergeleitet haben. Die Weitergabe endete nach
bisherigen Erkenntnissen offenbar erst Mitte 2022. Hanning soll die
Informationen laut Bundesanwaltschaft „gewinnbringend“ weiterverwertet
haben.
## Kontakte zu ausländischen Nachrichtendiensten
In einem Fall soll Hanning zudem eine Analyse für einen Mitarbeiter eines
fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparat erstellt haben. Zudem
habe er laut Bundesanwaltschaft „in einem intensiven Austausch“ mit einem
Angehörigen eines anderen staatlichen Nachrichtendiensts gestanden. Dieser
sei „über mehrere Jahre hinweg“ mit politischen Informationen versorgt
worden, teils auch mit dem Material von Manfred D. Welcher Dienst das ist,
ließ die Bundesanwaltschaft auch auf Nachfrage offen. Nach
taz-Informationen handelt es sich um einen Dienst, der als
deutschlandfeindlich bewertet wird, nicht aber um einen aus Russland.
Der Verdacht gegen Hanning entstand nach einer Hausdurchsuchung im
September 2025 im Rahmen der Ermittlungen [2][gegen die Steak-House-Erbin
Christina Block]. Ihr wird vorgeworfen, ihre zwei jüngsten Kinder wegen
eines Sorgerechtsstreits entführt haben zu lassen. Hanning und ein
pensionierter LKA-Beamter aus Hamburg sollen als Verantwortliche einer
Sicherheitsfirma einen entsprechenden Auftrag von Block angenommen haben.
Bei den Razzien im Herbst 2025 wurden Büros mehrerer Personen aus dem
Sicherheitsbereich durchsucht, darunter auch das Privathaus von Hanning.
Dabei sollen die Ermittler auf die BND-Dokumente gestoßen sein.
Vertraulich wurden darauf Ermittlungen gegen Hanning eingeleitet. Im Mai
2026 übernahm die Bundesanwaltschaft den Fall.
Der Anwalt von Hanning ließ eine Anfrage zu der Festnahme vorerst offen.
BND-Präsident Martin Jäger sagte, sein Haus habe „frühzeitig und
unverzüglich umfangreiche interne Ermittlungen einleiten lassen, die den
Verdacht erhärteten“. Jäger versprach: „Für den BND und mich gibt es bei
der internen Sicherheit keine Kompromisse. Keines meiner Ziele, keine
meiner Prioritäten werden durch diesen Vorgang in Frage gestellt.“
Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzende des Kontrollgremiums der
Nachrichtendienste im Bundestag, sagte der taz, mit der Festnahme zeige der
Rechtsstaat seine Handlungsfähigkeit. „Der Staat sendet ein wichtiges
Signal nach außen sowie nach innen: Die Arbeit mit geheimen Informationen
ist eine Frage der nationalen Sicherheit und kein Bagatelldelikt.“ Ein
ehemaliger Behördenpräsident, der mutmaßlich Geheiminformationen über seine
persönlichen Beziehungen preisgebe, „tritt nicht nur seine dienstlichen
Pflichten mit Füßen, sondern verrät auch alle Werte der deutschen
Sicherheitsbehörden“. Wer sich mit den Feinden der freiheitlichen
Demokratie verbünde, bleibe nicht unentdeckt, so Heinrichmann. „Wir werden
Geheimnisverrat nicht dulden.“
Auch der Grüne Konstantin von Notz, ebenso Teil des Kontrollgremiums,
forderte „zügige und vollständige“ Aufklärung.
[3][Bereits Ende 2022 hatte ein anderer Spionagefall den BND erschüttert.]
Der frühere Referatsleiter Carsten L. wurde festgenommen, weil er interne
Dokumente an den russischen Geheimdienst FSB weitergegeben haben soll –
mitten im Ukrainekrieg. Gegen ihn und einen Mitangeklagten läuft derzeit
ein Prozess vor dem Berliner Kammergericht.
6 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Konrad Litschko
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