# taz.de -- Geheimdienst-Spitzen im Bundestag: BND-Chef Jäger warnt vor „gewaltsamem Konflikt“ mit Russland
> Im parlamentarischen Kontrollgremium warnen die Spitzen der deutschen
> Geheimdienste vor russischen Aktionen im Baltikum. Ein Großangriff sei
> aber unwahrscheinlich.
(IMG) Bild: Die Drei beim Parlamentarischen Kontrollgremium: Sinan Selen, Martina Rosenberg und Martin Jäger
Die Spitzen der deutschen Geheimdienste haben in drastischen Worten vor der
Gefahr durch den russischen Imperialismus gewarnt. BND-Chef Jäger sagte bei
einer öffentlichen Sitzung des parlamentarischen Kontrollgremiums in
Berlin: „Deutschland ist in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit
Russland zu geraten.“ Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz,
Sinan Selen, warnte das Gremium: „Neben den bekannten Spionagetätigkeiten
sehen wir die Bereitschaft zu Sabotage und zu Tötungsoperationen.“
Im Kontrollgremium sitzen Bundestagsabgeordnete, die [1][das Agieren der
Geheimdienste] überwachen sollen. Normalerweise tagen die Mitglieder
geheim, um sensible Informationen zu schützen, öffentlich ist nur eine
einzige Sitzung im Jahr, die dieses Mal auf Montag fiel. Neben Jäger und
Selen sprach dabei auch die Chefin des militärischen Abschirmdienstes,
Martina Rosenberg.
Die drei beschrieben Russland als aktuell größte Gefahr für Deutschland,
die EU und den Westen insgesamt. So versuche die russische Armee derzeit
mit Drohnen-Flügen in NATO-Luftraum gezielt das Verteidigungsbündnis zu
testen. Er erwarte, dass Russland begrenzte Aktionen etwa in den baltischen
Staaten durchführen könnte, um die Reaktion der Nato und der EU zu
provozieren. „Aktuell sehe man aber keine Hinweise auf einen groß
angelegten Angriff Russlands auf Nato-Gebiet.“
Was Geheimdienstaktivitäten angehe, sei Deutschland mittlerweile „russische
Hauptzielfläche, weil Deutschland das Zentrum der europäischen
Unterstützung für die Ukraine ist“, so Jäger. Der [2][Anschlagsversuch auf
dem Flughafen Leipzig] sei dafür nur ein Beispiel. Von keinem anderen Land
gehe aktuell eine so direkte, umfassende und konkrete Bedrohung gegen
Deutschland aus.
Der BND-Chef warnte zugleich, dass der Krieg in der Ukraine mit immer
brutaleren russischen Angriffen in eine neue, sehr gefährliche Phase
eintrete. Russland „verzehre“ seine Substanz, und Präsident Putin sei über
den Punkt hinaus, an dem er den Angriff auf die Ukraine einfach einstellen
könne. „Er muss einen Erfolg in der Ukraine vorweisen, der die bisher
erbrachten immensen Opfer aus russischer Sicht rechtfertigt.“ Das setze ihn
unter Zugzwang.
Clara Bünger von der Linken kritisierte mit Blick auf mögliche
AfD-Regierung(en) noch einmal die geplanten Kompetenzerweiterungen für
Verfassungsschutz und BND. BfV-Präsident Selen habe „keine überzeugende
Antwort auf die Frage geben, wie verhindert werden soll, dass die AfD
Zugriff auf sensible Daten erhält und diese zur Verfolgung politischer
Gegner:innen nutzt.“ Das zeige ein erschreckendes Maß an
Verantwortungslosigkeit.
Mit Blick auf eine mögliche AfD-Regierung und dann an die extreme Rechte
fallende staatliche Machtmittel wie den Verfassungsschutz sagte Bünger:
„Ausgerechnet jetzt die Befugnisse der Geheimdienste beispiellos
auszuweiten und zugleich ihre parlamentarische Kontrolle zu schwächen, ist
brandgefährlich“, so Bünger. Die Bundesregierung schaffe eine Architektur
für willkürliche Überwachung und politische Verfolgung. Das sei schon unter
einer schwarzroten Regierung hochproblematisch, aber „in den Händen einer
AfD-Regierung potenziert sich diese Gefahr.“ (mit reuters)
5 Oct 2026
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