# taz.de -- Studie zu Netzwerken: Irans linksextreme Bündnispartner in Deutschland
       
       > Das Islamische Zentrum Hamburg ist verboten, doch iranische Netzwerke
       > bestehen fort, zeigt eine neue Studie. Sie finden auch Anschluss an Teile
       > der politischen Linken.
       
 (IMG) Bild: Betende Iraner in Berlin protestieren 2026 gegen das Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg
       
       Für Mina Ahadi dauert die Bedrohung an. Erst in der vergangenen Woche seien
       Eier gegen die Scheiben ihrer Wohnung geworfen worden, berichtet sie der
       taz. Nicht das erste Mal dieses Jahr. Beleidigungen, Todesdrohungen,
       Polizeischutz, all das kennt sie seit Langem. Die 70-Jährige ist
       Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime und eine laute Kritikerin des
       Teheraner Regimes.
       
       Exiliranische Oppositionelle wie Ahadi spüren, wie weit der Arm des Regimes
       reicht. [1][Geheimdienstagent*innen und deren Handlanger*innen
       haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Attentate und Anschläge in
       Deutschland und Europa] versucht und verübt. [2][Zuletzt richteten sie sich
       vor allem gegen Jüdinnen und Juden, gegen Synagogen und
       Unterstützer*innen Israels. Antisemitismus, die Vernichtung Israels]
       und der weltweite „Export der Revolution“ sind zentrale Bestandteile der
       Ideologie des Regimes.
       
       Jahrelang [3][forderten Regimekritiker*innen daher insbesondere die
       Schließung des Islamischen Zentrums Hamburg (IZH)], das als zentraler
       Brückenkopf des schiitischen Staatsislamismus in Europa fungierte. [4][Im
       Juli 2024 wurden das Zentrum in Hamburg sowie dessen Ableger in München,
       Frankfurt und Berlin dann vom Bundesinnenministerium verboten], da es „eine
       islamistische, totalitäre Ideologie“ propagiere, die „Terroristen der
       ‚Hisbollah‘ unterstützen und einen aggressiven Antisemitismus verbreiten“
       würde. Das Zentrum klagt dagegen vor dem Bundesverwaltungsgericht, eine
       Entscheidung steht noch aus.
       
       Doch war das Verbot wirksam? „Es war in jedem Fall ein wichtiges Signal an
       das islamische Regime in Iran“, sagt Ahadi. Gleichzeitig gingen die
       Aktivitäten des Regimes weiter und seien damit keineswegs verschwunden.
       
       ## Neue Studie sieht dezentrale Nachfolgenetzwerke
       
       Zu demselben Ergebnis kommt [5][eine neue Analyse der NGO Democ und des
       American Jewish Committees in Berlin]. Die Studie befasst sich ausführlich
       mit den Folgen des IZH-Verbots und wurde am Dienstag veröffentlicht.
       Demnach hat das Verbot zentrale Strukturen des schiitischen Islamismus
       geschwächt. Dezentrale und transnationale Strukturen bestehen jedoch fort.
       
       Vor allem das azeri-türkische Netzwerk habe an Bedeutung gewonnen. Es
       rekrutiere sich überwiegend aus aserbaidschanischstämmigen Schiiten und
       organisiere sich um das [6][Islamische Zentrum Imam Riza in Berlin]. Hinzu
       komme das informelle Netzwerk von Anhänger*innen des aus der Türkei
       stammenden und 2019 verstorbenen Geistlichen Muhammed Avcı. Frankfurt am
       Main habe sich zu einem bedeutenden Knotenpunkt entwickelt.
       
       Zugleich reichten die schiitisch-islamistischen Netzwerke zunehmend in
       antiimperialistische Teile der politischen Linken hinein. Antiisraelische
       und antiwestliche Deutungsmuster sowie die Sicht auf Iran und die
       sogenannte Achse des Widerstands als „antiimperialistische Kräfte“ dienten
       dabei als Anschlussstellen. Wichtige Akteur*innen und
       Influencer*innen vermittelten diese Ideologie in politische Milieus,
       zu denen islamistische Organisationen bisher nur begrenzten Zugang gehabt
       hätten.
       
       ## Kommunisten mit Verständnis für den Terror
       
       Als Beispiel nennt die Studie die Kommunistische Organisation (KO). Sie ist
       eine relativ junge Abspaltung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP)
       und ihrer Jugendorganisation, der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend
       (SDAJ). Sie hat bundesweit neun Ortsgruppen. In Eigendarstellungen bekundet
       die Gruppe Solidarität mit Russland, China und Iran. Über die Hamas
       schreibt sie, deren „Widerstand“ werde als Terror „diffamiert“.
       
       In mehreren Statements habe sich die KO seit Mitte 2025 demnach an die
       politische Linke gewandt und für ein Bündnis mit schiitisch-islamistischen
       Kräften geworben. Eine Veröffentlichung von Januar 2026 beschimpfte etwa
       die Regimekritiker*innen, die zu jener Zeit in Iran auf die Straße gingen,
       als „Terroristen“ und spielte die brutale Gewalt bei der Niederschlagung
       der Proteste herunter, bei der Regimeschergen Tausende Menschen ermordeten.
       
       Kader der Gruppe haben laut der Analyse in lokalen
       Palästina-Solidaritätsgruppen Funktionen übernommen und nutzten diese
       Zusammenhänge, um die Reichweite der Positionen ihrer Organisation zu
       erhöhen. Die KO-Aktivist*innen dienten so als „operationelle
       Träger*innen der iranischen Einflussoperationen“. Narrative der
       Islamischen Republik Iran würden in die antiimperialistische Linke
       getragen, die wiederum als gesellschaftlicher Resonanzkörper wirke.
       
       ## Dogmatische Linke erleben Zulauf
       
       Für Tobias Prüwer ist diese Entwicklung nicht überraschend. Der Leipziger
       Journalist recherchiert derzeit für ein Buch über die sogenannten roten
       Gruppen, also dogmatisch marxistisch-leninistisch oder trotzkistisch
       ausgerichtete Organisationen. Ein niedrigschwelliger Zugang,
       Aktionsorientierung und schnelle Einbindung in die Gruppe würden ihnen seit
       einigen Jahren Zulauf bescheren. In deren Antiimperialismus hätte das
       „Volk“ und dessen vermeintliche nationale Befreiung den Bezug auf die
       soziale Klasse abgelöst. Schnittmengen zum Islamismus entstünden durch die
       simple Einteilung der Welt in Unterdrücker und Unterdrückte, mit der auch
       die Konflikte im Nahen Osten schablonenartig vereinfacht würden. Prüwer
       warnt vor dieser Entwicklung, die bundesweit zu beobachten sei.
       
       [7][Omid Nouripour, Bundestagsvizepräsident und Bundestagsabgeordneter der
       Grünen], erklärte, das Verbot des IZH sei richtig und wichtig gewesen, aber
       die „vorliegende Analyse zeigt alarmierend, wie sich die Netzwerke des
       iranischen Regimes über dezentrale Nachfolgestrukturen verlagern und dabei
       insbesondere Frankfurt am Main zu einem neuen Schwerpunkt entwickeln“. Das
       Betätigungsverbot müsse deshalb konsequent durchgesetzt und
       Nachfolgestrukturen ebenso in den Blick genommen werden wie die Brücken in
       andere politische Milieus.
       
       6 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bedrohung-durch-Iran-in-Deutschland/!6159355
 (DIR) [2] /Prozessauftakt-wegen-Mordplaenen/!6190518
 (DIR) [3] /Proteste-gegen-iranisches-Regime/!5882209
 (DIR) [4] /Islamisches-Zentrum-in-Hamburg/!6025832
 (DIR) [5] https://democ.de/documents/61/MAAP_Report_IZH.pdf
 (DIR) [6] /Schiitische-Moschee-in-Neukoelln/!6159026
 (DIR) [7] /Omid-Nouripour-ueber-den-Krieg-in-Iran/!6159788
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jean-Philipp Baeck
       
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