# taz.de -- Ohne Kreuz und Kopftuch: Säkulare Frauen wollen an die Macht
> In Hamburg hat sich eine neue Partei für Säkularismus und Frauenrechte
> vorgestellt. Zu den treibenden Kräften gehören Exil-Iranerinnen.
(IMG) Bild: Parteivorsitzende Hourvash Pourkian
Für Frauenrechte, gegen fundamentalistisch-religiöse Unterwanderung – das
ist die Stoßrichtung einer neuen Partei, die sich kürzlich in Hamburg
vorgestellt hat. Eine treibende Kraft hinter „Frau in Führung – Frau Leben
Freiheit (FIF)“ sind Exil-Iranerinnen, die sich sorgen, dass religiöse
Kräfte auch in den westlichen Ländern die Freiheit von Frauen und deren
Anspruch auf Gleichberechtigung beschränken könnten.
„Es ist an der Zeit, die Welt den Frauen zu überlassen“, sagt die
Parteivorsitzende Hourvash Pourkian. Die Unternehmerin ist Vorsitzende des
Vereins [1][Kulturbrücke Hamburg], der unter anderem geflüchteten Kindern
und Jugendlichen hilft, in Deutschland Fuß zu fassen, und hat die Bewegung
International Women in Power mit initiiert.
Für ihr Engagement wurde Pourkian 2023 mit dem Bundesverdienstorden
ausgezeichnet. Ihre starke Betonung des Säkularismus, insbesondere ihre
Kritik am Kopftuch, hat [2][innerhalb der Frauenbewegung jedoch zu
Konflikten] geführt.
Die Idee Pourkians und ihrer Mitstreiterinnen besteht darin, als liberale
Demokratinnen feministische Politik zu betreiben und damit eine Lücke zu
füllen. „Unser Parteienspektrum greift nicht ausreichend differenziert die
Probleme der Einwanderungsgesellschaft auf“, sagt die stellvertretende
Bundesvorsitzende Ute Lefelmann. Vorantreiben will die neue Partei eine
„Gemeinschaft von Frauen und Männern, die auf der Basis europäischer
Freiheitswerte, Menschenwürde und gegenseitiger Verantwortung solidarisch
zusammenlebt“.
## Kaderschmiede für Exilparteien
„Es ist wichtig, als Partei das Einwanderungsland abzubilden“, sagt
Lefelmann. Dazu gehöre es, zur Kenntnis zu nehmen, dass die Sozialisation
von Einwanderern mit den Frauenrechten in Konflikt geraten könne. Eine
interkulturell aufgestellte Partei habe dabei Vorteile. „Wir haben
Erfahrung, was passiert, wenn eine Gesellschaft in Religion getränkt wird“,
sagt eine Teilnehmerin der Pressekonferenz im Dezember. Zugleich könne die
Partei erfolgreiche Migrantinnen zu Vorbildern machen.
Die neue Partei will sich international aufstellen und bei der kommenden
Europawahl zum ersten Mal antreten. Auch Männer sollen sich von ihr
angesprochen fühlen. Organisatorisch nutzt FIF die Infrastruktur der
Kulturbrücke Hamburg. Finanziert wird die Partei von ihren 25
Gründungsmitgliedern.
Zur Vorstellung in Hamburg waren im europäischen Exil lebende Frauen aus
dem Iran und Afghanistan angereist, Vertreterinnen des jeweiligen
nationalen Ablegers. FIF in Europa soll sie auf die Zeit vorbereiten, wenn
dort wieder demokratische Verhältnisse herrschen.
„Es gibt Kulturen, da haben Frauen keinen Subjektstatus“, sagt Lefelmann.
Es sei nicht hinnehmbar, dass Männer nach Deutschland flöhen, um dort
Freiheitsrechte zu genießen, die sie den Frauen verwehrten. „Wir wollen
gewaltfreie Beziehungen und auf Augenhöhe respektiert werden“, sagt die
ehemalige Grüne.
FIF kritisiert den aus ihrer Sicht fahrlässigen Umgang sowohl mit
christlichem Fundamentalismus als auch und vor allem mit dem politischen
Islam. Während hier Moscheen gebaut würden, würden sie im Iran immer
schwächer besucht. Junge Geflüchtete würden in Moscheen indoktriniert, die
deutschen Parteien unterwandert.
Pourkian versucht [3][mit ihrem Verein Kulturbrücke dagegenzuhalten], etwa
indem sie selbst jungen Migranten die Regeln und Werte einer demokratischen
Gesellschaft zu vermitteln sucht. Jahrelang hat sie vor dem Islamischen
Zentrum Hamburg (IZH) – der Blauen Moschee – demonstriert. Darüber, dass
das IZH endlich geschlossen und auch [4][die Gruppe Muslim interaktiv
verboten] wurde, zeigt sie sich „sehr glücklich, weil sie sehr
frauenfeindlich sind“.
Zum Reizthema Kopftuch hat die neue Partei eine scharf konturierte
Position: nicht vor dem Alter von 14 Jahren, am liebsten nicht vor der
Volljährigkeit; Frauen, die den Staat repräsentierten wie Richterinnen und
Lehrerinnen, müssten auf das Kopftuch im Dienst verzichten.
Auch in Genderfragen setzt die Partei auf einen enggeführten Feminismus.
„Die Parteien, die sich dem Kulturrelativismus verschrieben haben und den
Transgenderismus promoten, machen sich nicht klar, welche Folgen das für
Frauen hat“, sagt Lefelmann.
„Es gibt zwei [5][biologische Geschlechter]“, sagt Schriftführerin Astrid
Warburg-Manthey. „Wir sagen nicht, dass es keine Transmenschen gibt.“ Es
drohe aber die Lebensleistung von Frauen zu entwerten, wenn etwa
Trans-Boxer bei Frauenwettkämpfen zugelassen würden. Der Einsatz für die
Rechte von transgender Personen dürfe nicht zu Lasten von Frauen und
Mädchen gehen. Dazu sei es notwendig, dass das biologische Geschlecht
rechtsrelevant bleibe.
Den Partei-Initiatorinnen ist klar, dass sie mit solchen Positionen leicht
unerwünschte Freunde finden kann. „Wir möchten das bitte ansprechen dürfen,
ohne dass jemand mit den Etikett rechts um die Ecke kommt“, sagt
Warburg-Manthey.
2 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.kulturbrueckehamburg.de/
(DIR) [2] /Kopftuchstreit-in-der-feministischen-Szene/!5406453
(DIR) [3] https://www.kulturbrueckehamburg.de/
(DIR) [4] /Neue-Forderung-von-Muslim-Interaktiv/!6007368
(DIR) [5] /Geschlechtsaenderung-im-Vogelreich/!6123575
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
## TAGS
(DIR) Parteien
(DIR) Feminismus
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Einwanderungsland
(DIR) Kopftuch
(DIR) Frauenrechtlerin
(DIR) Frauenrechte
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Prozess
(DIR) Nein heißt Nein
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Islam
(DIR) Kopftuch
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Prozess wegen Koran-Verbrennung: Grenzen des Protests
In Hamburg stehen zwei Protestierende vor Gericht, die bei einer Demo einen
Koran verbrannt haben sollen. Der Richter stellt das Verfahren ein.
(DIR) Juristin über Kölner Silvesternacht: „Gewalt gegen Frauen ist kein importiertes Problem“
Vor zehn Jahren schockierte die Kölner Silvesternacht das Land.
Frauenrechte wurden danach rassistisch instrumentalisiert, sagt Juristin
Dilken Çelebi.
(DIR) Fotografien über queere Fluchterfahrung: Brutale Zärtlichkeit
Ashkan Shabani ist ein queerer Fotograf aus dem Iran. In seiner Arbeit
clasht Verletzlichkeit mit Gewalt, politischen Bildern, einer wütenden
Dynamik.
(DIR) Iran-Verbindungen von Moschee: Das Blaue vom Himmel
Das Islamische Zentrum Hamburg steht wegen seiner Nähe zur iranischen
Regierung in der Kritik. Exil-Iraner:innen werden bedroht.
(DIR) Kopftuchstreit in der feministischen Szene: „Es geht um unsere Frauen“
In Hamburg haben sich die islamische Schura und die feministische
Sisterhood vom Frauenmarsch der Kulturbrücke distanziert. Özlem Nas
erklärt, warum.