# taz.de -- Linken-Abgeordnete über Mietendeckel: „Der Markt richtet es nur im Interesse der Profiteure“
> Caren Lay von der Linken fordert einen bundesweiten Mietendeckel und eine
> gemeinnützige Wohnungswirtschaft. Die Mieten, sagt sie, würden deutlich
> sinken.
(IMG) Bild: Elif Eralp, Linken-Spitzenkandidatin, bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, trug es im Wahlkampf um ihren Hals: Mietendeckel
taz: Frau Lay, was zahlen Sie an Miete?
Caren Lay: Ich zahle im Moment ungefähr 14 Euro pro Quadratmeter.
taz: Spüren Sie den Druck auf dem Wohnungsmarkt selber?
Lay: Ja, ich kann mich so gut daran erinnern, als ich Studentin war, wo
jede Mieterhöhung eine Bedrohung war. Ich habe am eigenen Leib erfahren,
wie ein Haus entmietet wurde durch aggressive Praktiken eines neuen
Investors.
taz: Wie kann man steigenden Mieten entgegenwirken?
Lay: Aus meiner Sicht durch einen [1][bundesweiten Mietendeckel], den wir
dringend brauchen. Die [2][Mietpreisbremse kann im Einzelfall wirken], aber
sie ist kein geeignetes Instrument, um die Mietexplosion zu stoppen.
Deswegen brauchen wir einen bundesweiten Mietendeckel. Aber auch ein
Investitionsprogramm in sozialen und gemeinnützigen [3][Wohnungsbau nach
Wiener Vorbild]. Das heißt, auch die öffentliche Hand, die Städte, die
Genossenschaften müssen wieder mehr bauen.
taz: Das [4][Berliner Modell des Mietendeckels hat das
Bundesverfassungsgericht ja abgelehnt.] Wie wollen Sie den Mietendeckel
durchsetzen, ohne dass der wieder vor Gericht scheitert?
Lay: Das Bundesverfassungsgericht hat lediglich festgestellt, dass ein
Bundesland alleine keinen Mietendeckel einführen kann, weil Mietrecht ein
Bundesrecht ist. Der Bund ist in der Verantwortung. Ein [5][Rechtsgutachten
hat vor wenigen Wochen bestätigt], dass unser Mietendeckel auch mit dem
Grundgesetz vereinbar ist.
taz: Interessenverbände wie „Haus und Grund“ werfen Ihnen vor, dass der
Mietendeckel an die DDR erinnert.
Lay: Wir orientieren uns nicht an der DDR, sondern an der Mietenregulierung
in der Bundesrepublik. Die Älteren kennen das noch unter den
[6][Formulierungen „schwarzer Kreis“ und „weißer Kreis“].
taz: Der weiße Kreis stand für die Aufhebung und der schwarze Kreis für die
Beibehaltung der Mietpreisbindung.
Lay: Ja, die hat es beispielsweise für Hamburg bis Mitte der 70er Jahre
gegeben, in Berlin bis Ende der 80er Jahre. Unser Land war ein gerechteres
Land. Zu glauben, dass der Markt es richtet, das halte ich für ein Märchen.
Der Markt richtet es im Interesse der Profiteure, statt im Interesse der
Menschen.
taz: Die Wohnungswirtschaft warnt, der Mietendeckel würde klimafreundliche
Sanierungen verhindern.
Lay: Wir kommen selbst ohne den Mietendeckel überhaupt nicht voran bei
klimagerechter Sanierung. Wir müssen dafür sorgen, dass es gesetzliche
Vorgaben gibt und dass die Finanzierung dieser Modernisierungsmaßnahmen
öffentlich unterstützt wird. In Wien mit starker gemeinnütziger
Wohnungswirtschaft sind deutlich mehr Wohnungen saniert als auf dem freien
Markt. Gerade die freie Marktwirtschaft sorgt eben nicht für klimagerechten
Umbau. In einer gemeinnützigen Wohnungswirtschaft gehen die Überschüsse
nicht mehr an die Aktionäre, sondern können eingesetzt werden, um Wohnungen
unter anderem zum Beispiel klimagerecht zu sanieren, ohne dass die
Mieterinnen und Mieter die ganzen Kosten dafür alleine tragen.
taz: Wer würde dabei verlieren?
Lay: Die großen privaten Wohnungskonzerne, die ja die Profiteure dieses
Mietenwahnsinns sind, würden dann weniger Geld verdienen. Das finde ich
jetzt nicht so schlimm. Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass pro Wohnung
über 166 Euro im Monat an die Aktionäre ausgezahlt wurden. Geld, das man
einsetzen könnte, um zu sanieren.
taz: Angenommen, Ihr Mietendeckel kommt – was ändert sich dann genau für
Mieter ?
Lay: Da habe ich ganz gute Nachrichten. Die Mieten würden deutlich sinken.
Für Hamburg zum Beispiel gehen erste Berechnungen davon aus, dass 380.000
Miethaushalte davon profitieren würden und insgesamt über 92 Millionen Euro
weniger Miete gezahlt werden müsste. Das wäre immerhin eine Ersparnis von
ungefähr 250 Euro pro Monat im Schnitt. Wir haben in Hamburg im Moment
Angebotsmieten von 14,65 Euro, und mit dem Mietendeckel würden wir bei 9,51
Euro landen. Das wäre eine Reduzierung um 35 Prozent.
12 Oct 2026
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## AUTOREN
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