# taz.de -- Mietendeckel der Linken: „Es gibt kein Recht auf Rendite“
> Caren Lay und andere von der Linken wollen den Eingriff in Berlin von
> 2020 nun bundesweit legalisieren: erst Mieten einfrieren und dann
> deckeln.
(IMG) Bild: Die drei vom Mietendeckel: Lay, Pellmann und Kingreen
Im Wahlkampf vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und
Sachsen-Anhalt und der Abgeordnetenwahl in Berlin hat die Linkspartei die
Kampagne [1][„Mietendeckel jetzt!“] gestartet. Bei einer
Bundespressekonferenz stellten die Sprecherin für Mieten- und
Wohnungspolitik, Caren Lay und Sören Pellmann, Co-Vorsitzender der Linken
im Bundestag, das zweistufige Modell vor. Dabei belegte ein Rechtsprofessor
der Universität Regensburg mit einem Gutachten die rechtliche Möglichkeit
des Mietendeckels. In den folgenden Tagen wird in verschiedenen deutschen
Städten gegen zu hohe Mieten demonstriert.
„Überhöhte Mieten sind kein Naturgesetz, sondern die Folge von Profitgier
und Politikversagen“, begründete Caren Lay die Forderungen. Seit 2016 sind
die Erst- und Wiedervermietungsmieten in den 14 größten deutschen Städten
um 43 Prozent gestiegen, in den besonders begehrten Städten Berlin und
Leipzig um 69 und 67 Prozent. Doch nicht nur in den [2][Großstädten gäbe es
eine Mietkrise], so Sören Pellmann. Auch auf dem Land seien die Mieten bei
stagnierenden Löhnen gestiegen. Menschen mit niedrigem Einkommen geben 44
Prozent ihres Einkommens für ihre Wohnkosten aus.
Die aktuellen Zustände sind für Pellmann ein Ergebnis von bisherigem
Regierungsversagen. Die seit 2015 geltende Mietpreisbremse ist für ihn ein
zu „sanftes Instrument“ und würde nicht ausreichen. Diese beschränkt in
„angespannten Wohnungsmärkten“ bei Neuvermietung Mieten auf höchstens 10
Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Allerdings gibt es
zahlreiche Ausnahmen, und Vermieter umgehen oder ignorieren teilweise die
Regelungen. Der Mietendeckel will nicht nur die Geschwindigkeit des
Mietanstiegs begrenzen, sondern die Mieten insgesamt auf einer bestimmten
Maximalhöhe einfrieren.
## Kategorie Wohnungsnotlage
Nach diesem Mietenstopp soll es regionale Regelungen geben. Neu soll bei
der Vergleichsmiete zwischen drei statt zwei Gebietstypen unterschieden
werden. Erhalten bleiben die beiden Kategorien ‚nicht angespannte‘ und
‚angespannte Wohnlagen‘. Neu ist der Typ ‚Wohnungsnotlagen‘ – [3][nachdem
in Berlin eine solche festgestellt] wurde. Auch sollen Absenkungen von
überhöhten Mieten möglich sein.
Gleichzeitig sollen laut den Linken die Behörden gestärkt werden und mehr
Geld bekommen, um Mietpreise besser zu kontrollieren und Strafen bei
Verstößen verhängen zu können. Die Modernisierungsumlage soll abgeschafft
werden. In der Vergangenheit war die Umlage ein Mittel für Vermieter, nach
Umbauten unverhältnismäßige Mieterhöhungen zu verlangen. Dazu sollen für
die Durchschnittsmiete alle Mieten außer Wuchermieten mit einbezogen
werden. Im bisherigen Mietspiegel wurden Sozial- und Bestandsmieten
ignoriert. Neben einer Mietpreisbremse fordert die Linke den weiteren
Ausbau von dauerhaft bezahlbarem Wohnraum.
Mit dabei bei der Bundespressekonferenz war Thorsten Kingreen, Professor
für Öffentliches Recht, Sozialrecht und Gesundheitsrecht. Er untersuchte
mit einem Gutachten die Vereinbarkeit eines bundesweiten Mietendeckels mit
dem Grundgesetz. „Eigentum verpflichtet, sein Gebrauch soll zugleich dem
Wohle der Allgemeinheit dienen“, zitiert Kingreen, „das ist kein linkes
Parteiprogramm, das ist Artikel 14 des Grundgesetzes.“
## Es ist eine politische Frage – keine juristische
Der Professor sei sogar, als er für das Gutachten recherchierte, überrascht
gewesen, wie viel Raum dem Gesetzgeber gelassen wird. Das ist gerade mit
Hintergrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 2021
relevant. Damals wurde der Mietendeckel für Berlin als Verstoß gegen das
Grundgesetz entschieden. Dabei ging es nicht primär um das Werkzeug
Mietendeckel oder um Eigentumsrechte. Das Land Berlin durfte dieses Gesetz
nicht erlassen, da die Mietrechte bereits bundesweit geregelt waren.
„Beim Mietendeckel geht es um die grundsätzliche Frage, warum wir Wohnen
als reine Privatangelegenheit ansehen – das ist ein existenzielles Gut wie
auch Wasser“, sagt Thorsten Kingreen. Dass ein Mietendeckel juristisch
möglich wäre, steht laut den bisherigen Erkenntnissen also außer Frage. „Es
gibt kein Recht auf Rendite“, formulierte es Caren Lay. Schwierig wird es
bei den politischen Mehrheiten. Denn obwohl laut einer Umfrage des
Forschungsinstituts Verian 73 Prozent der Bevölkerung für einen
Mietendeckel sind, sind von den Parteien nur die Linke und das BSW für eine
solche Regelung.
27 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://mietendeckel-jetzt.org/ueber-uns/
(DIR) [2] /Konzept-der-Linken/!6166420
(DIR) [3] https://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm0126/holm-studie.htm
## AUTOREN
(DIR) Gustav Cattapan
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