# taz.de -- Debatte um Ferat Koçak: Das reicht nicht
> Nach der Erklärung von Ferat Koçak bleiben viele Fragen offen. Doch die
> Linken-Spitze gibt sich zufrieden – und zeigt damit Schwäche.
(IMG) Bild: Welches Verhältnis er zu dem Aktivisten Ibrahim Ibrahim hat, mit dem er auf Demonstrationen auftrat, hat Koçak nicht überzeugend aufgeklärt
Soll es das gewesen sein? Wenn es nach [1][Heidi Reichinnek] und Sören
Pellmann, den Fraktionsvorsitzenden der Linken, geht, offenbar schon.
Nachdem der Bundestagsabgeordnete [2][Ferat Koçak] [3][in der Zeit] und auf
seinen eigenen Kanälen eine abenteuerliche Geschichte über seine Affäre mit
der Familie Remmo erzählt hat, will die Fraktionsspitze die Sache auf sich
beruhen lassen. Dass er seinen Platz im Innenausschuss räumt, findet die
Fraktionsspitze ausreichend und kündigt an, er werde seine „engagierte
Arbeit“ künftig anderweitig fortsetzen. Schließlich habe Koçak „wie
angekündigt für Transparenz gesorgt“. Wie bitte?
Auch nach den neuen Äußerungen von Koçak bleiben viele Fragen offen: Koçak
behauptet, er habe erst spät erkannt, dass er es mit Vertretern der
organisierten Kriminalität zu tun habe. Danach brach er aber nicht den
Kontakt zu Firas Remmo ab, sondern nutzte ihn, um seine Rede verbreiten zu
lassen. Eine harte Distanzierung habe er nicht „hingekriegt“. Koçak war
also entweder naiv und schwach, oder er ist unehrlich. Beides wäre ein
Problem. Die Remmos haben bewiesen, dass sie Koçak unter Druck setzen
können.
Noch intransparenter ist Koçaks Umgang mit dem Vorwurf, er stehe Menschen
und Organisationen nahe, die Terror gegen Israel glorifizieren. Welches
Verhältnis er zu dem Aktivisten Ibrahim Ibrahim hat, mit dem er auf
Demonstrationen auftrat, hat Koçak nicht überzeugend aufgeklärt.
Dabei trägt Koçak als prominentestes Mitglied der Linken in Berlin-Neukölln
eine Verantwortung. Wie beurteilt er, dass sein Bezirksverband eine
Veranstaltung mit der hamas-nahen Organisation von Ibrahim organisierte?
Wie bewertet Koçak, dass ein Aktivist, der wegen Terrorverharmlosung aus
der Partei ausgeschlossen wurde, in seinem Bezirksverband weiterhin
„herzlich willkommen“ ist, wie die Sprecherin des Bezirksverbands sagt?
## Das ist keine Transparenz
Diese Fragen sind nicht beantwortet, Koçak hat nicht für Transparenz
gesorgt. Trotzdem darf er Sprecher für Antirassismus und Antifaschismus
seiner Fraktion bleiben – obwohl er nicht mehr im Innenausschuss sitzt.
Koçaks Vorgängerinnen in der Rolle waren als akribische Rechercheurinnen
bekannt, sie versorgten die Öffentlichkeit mit Informationen über
Nazi-Gruppen und kontrollierten Innenminister. Koçak dagegen ist
politischer Influencer, im Bundestag hat er jede zweite namentliche
Abstimmung verpasst. Wie er die Arbeit als Sprecher fortsetzen will, wenn
er nicht mehr Teil des Innenausschusses ist, ist unklar.
Dass die Parteispitze sich mit Koçaks dürftiger Erklärung zufriedengibt,
zeigt beispielhaft, wie schwach und zögerlich sie in dieser Krise agiert.
Man distanziert sich nach jedem neuen Vorfall und hofft, sich
durchwurschteln zu können.
Tatsächlich ist die Linke in einem Dilemma. Ferat Koçak hat das erste
Direktmandat im Westen geholt. Es ist auch Menschen wie ihm und dem
Aktivismus für Palästina zu verdanken, dass die Partei so erfolgreich ist.
Die Angst, dass ein Teil der Parteibasis und der Wähler rebellieren würde,
wenn die Linke entschiedener gegen Koçak, aber auch gegen den
Bezirksverband Neukölln oder die LAG Palästinasolidarität vorgehen würde,
ist berechtigt.
Gleichzeitig hat diese Zurückhaltung der Parteiführung dazu geführt, dass
einige Mitglieder offenbar glauben, dass die ausgewogenen Parteibeschlüsse
zum Nahostkonflikt für sie wenig bedeuten.
Für kommende Woche ruft die LAG Palästinasolidarität der Berliner Linken zu
einer Demonstration in Solidarität mit allen „Betroffenen der Hetze auf“.
Darunter fällt für sie auch der Terrorverherrlicher Ibrahim Ibrahim. Wenn
die Linke aus Angst vor ihrer Basis nichts gegen Mitglieder tut, die ihr
schaden wollen, wird sie das Problem nicht in den Griff bekommen. Und
gefährdet damit letztlich eine mögliche [4][linke Regierung in Berlin].
2 Oct 2026
## LINKS
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(DIR) [2] /Ferat-Kocak/!t5491024
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(DIR) [4] /Vorgespraech-ueber-Linksbuendns/!6218450
## AUTOREN
(DIR) Kersten Augustin
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