# taz.de -- Illegale Wahlkampffinanzierung: Muss die Wahl in Sachsen-Anhalt wiederholt werden?
       
       > Parteienrechtlerin Sophie Schönberger hält die Landtagswahl für
       > anfechtbar: Die AfD-Landtagsfraktion bezahlte zentrale
       > Wahlkampfveranstaltungen.
       
 (IMG) Bild: Wird das Wahlrad in Sachsen-Anhalt neu gedreht?
       
       „Der Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt wurde großteils aus
       Fraktionsmitteln finanziert“, sagte Rechtsprofessorin Sophie Schönberger
       dem Spiegel. „Das war offensichtlich rechtswidrig und könnte in der
       Konsequenz dazu führen, dass die Landtagswahl erfolgreich angefochten
       werden kann.“ Was ist dran an dieser Aussage? Muss in Sachsen-Anhalt bald
       neu gewählt werden?
       
       Bereits im April hatte das ARD-Magazin „Kontraste“ recherchiert, dass die
       sehr gut besuchten „Bürgerdialoge“ der AfD wesentlich aus Mitteln der
       [1][AfD-Landtagsfraktion finanziert wurden]. Die Landtagsfraktionen dürfen
       mit den Mitteln, die sie vom Landtag erhalten, zwar auch
       Öffentlichkeitsarbeit machen, das heißt, über die Arbeit der Abgeordneten
       informieren. Was aber nicht geht, sagt das Fraktionsgesetz von
       Sachsen-Anhalt ganz deutlich in Paragraf 2: „Diese Leistungen dürfen nicht
       für Zwecke der Parteien verwendet werden.“
       
       Tatsächlich wurde bei den „Bürgerdialogen“ aber in starkem Maße
       [2][Wahlkampf für die AfD] gemacht, also die Partei unterstützt. Dabei
       wurde Ulrich Siegmund als AfD-Spitzenkandidat vorgestellt, das
       Wahlprogramme der AfD beworben und zur Wahl der AfD bei der Landtagswahl
       aufgerufen. Rechtsprofessorin Sophie Schönberger sagte schon im
       „Kontraste“-Bericht, dass das problematisch sei.
       
       Allerdings deutete „Kontraste“ etwas resignativ an, dass man gegen den
       Missbrauch der Fraktionsgelder zunächst wenig machen könne. Der
       Landesrechnungshof prüfe zwar die Fraktionsfinanzen, allerdings erst nach
       Ende der Wahlperiode, also auch erst nach der Landtagswahl.
       Rechtsprofessorin Schönberger sagte damals: „Das Schlimmste, was dann
       passieren kann, ist, dass die Fraktion die Gelder an den Landeshaushalt
       zurückzahlen muss.“
       
       Inzwischen hat Schönberger aber einen anderen Hebel gefunden: Eine
       verdeckte Parteienfinanzierung im Wahlkampf könne zur Ungültigkeit der Wahl
       führen, so die führende deutsche Wahl- und Parteienrechtlerin, die an der
       Freien Universität Berlin lehrt.
       
       ## Jeder Wahlberechtigte kann Einspruch erheben
       
       Gegen das Ergebnis der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt kann laut dem
       Wahlprüfungsgesetz des Landes jeder Wahlberechtigte Einspruch erheben. Die
       einmonatige Frist beginnt aber erst mit Veröffentlichung des amtlichen
       Wahlergebnisses im Ministerialblatt, die noch nicht erfolgt ist.
       
       Nach allgemeiner Rechtsprechung müsste die Wahl wiederholt werden, wenn es
       eine „konkrete und nicht ganz fernliegende“ Möglichkeit gibt, dass die
       Verletzung der Chancengleichheit Einfluss auf die Sitzverteilung im Landtag
       hatte. Zu berücksichtigen ist neben dieser „Mandatsrelevanz“ allerdings
       auch das „Bestandsinteresse“ der gewählten Volksvertretung. Wie die
       Abwägung letztlich ausgeht, kann heute niemand sagen.
       
       ## Neuwahl käme mit Risiken
       
       Geprüft wird der Einspruch zunächst vom Wahlprüfungsausschuss des Landtags.
       Es ist anzunehmen, dass die meisten Abgeordneten kein großes Interesse an
       einer Wahlwiederholung haben, weil die AfD bei einer Neuwahl ja vielleicht
       noch stärker werden und andere Parteien wie Grüne, SPD und BSW an der
       Fünfprozenthürde scheitern könnten.
       
       Deshalb wird es letztlich auf das Landesverfassungsgericht in Dessau-Roßlau
       ankommen, das angerufen werden kann, sobald der Landtag den Einspruch
       abgelehnt hat. Bis das Gericht entscheidet, dürfte es ab heute aber ein bis
       zwei Jahre dauern. Selbst wenn ein Wahleinspruch letztlich erfolgreich ist,
       wird es also keine schnelle Wahlwiederholung geben. Oder anders gesagt:
       [3][Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt] an die Regierung kommen, kann sie
       erst mal starten, aber nicht sicher mit einer vierjährigen Regierungszeit
       rechnen.
       
       1 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/20260430_2145/sachsen-anhalt-wahlkampf-auf-kosten-der-fraktion.html%5D
 (DIR) [2] /Landtagswahl-in-Sachsen-Anhalt/!6209082
 (DIR) [3] /Nach-der-Landtagswahl-in-Sachsen-Anhalt/!6213999
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Rath
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
 (DIR) Wahlkampf
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) GNS
 (DIR) Wahlen in Ostdeutschland
 (DIR) Sachsen-Anhalt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) AfD-Landtagspräsident: Testlabor für ultrarechte Programmatik
       
       In Sachsen-Anhalt ist der erste Landtagspräsident einer rechtsextremen
       Partei seit 1945 gewählt worden. Doch kampflos aufzugeben, darf keine
       Option sein.
       
 (DIR) Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt: Ins Blaue hinein
       
       NS-Gedenkstätten sorgen sich vor einer AfD-Regierung. Sie fürchten, dass
       ihnen die Mittel gekürzt werden. Ein Besuch in der ehemaligen
       Tötungsanstalt Bernburg.
       
 (DIR) Erste Landtagssitzung in Sachsen-Anhalt: Ein Präsident, sie zu knechten
       
       Bei der konstituierenden Sitzung könnte ein AfD-Politiker das höchste Amt
       des Bundeslands bekommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.
       
 (DIR) Anhörung zum AfD-Verbotsverfahren: Tagesordnungspunkt: AfD-Verbot
       
       In Thüringen geht es erstmals in einem deutschen Parlamentsausschuss
       öffentlich um ein mögliches AfD-Verbot. Auch Hape Kerkeling sollte dazu
       sprechen.
       
 (DIR) Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt: Siegmund rechnet mit Unbekannten
       
       Die AfD in Sachsen-Anhalt hat ihre Meinung geändert. Auch ohne eigene
       Mehrheit will sich ihr Spitzenkandidat zur Wahl stellen.
       
 (DIR) Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt: Ulrich Siegmund streckt die Hand aus
       
       Was würde passieren, wenn die AfD die Brandmauer einreißt, fragt sich
       Christian Specht. Er findet, der Zivilgesellschaft muss jetzt geholfen
       werden.