# taz.de -- SPD-Papier zu wehrhafter Demokratie: „Rundumschlag“ gegen rechts
> Die SPD-Bundestagsfraktion hat ein Grundsatzpapier zum Schutz der
> Demokratie gegen autoritäre Angriffe erarbeitet. Es ist auch ein Schritt
> in Richtung AfD-Verbot.
(IMG) Bild: Laut Sonja Eichwede (SPD) soll zunächst „bis Ende des Jahres“ eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingerichtet werden
Eigentlich will die SPD die AfD verbieten. Aber solange es nicht einmal ein
Verbotsverfahren gibt, haben die Sozialdemokraten viele Ideen, wie
Demokratie und Rechtsstaat vor autoritärer Destruktion geschützt werden
können. Viele davon haben sie in einem Grundsatzpapier zu wehrhafter
Demokratie zusammengefasst, das die Fraktion am Mittwoch im Bundestag
vorstellte.
Aber auch beim [1][AfD-Verbot] lässt die SPD nicht locker. Die CDU/CSU hat
zwar wiederholt erklärt, dass sie ein Verbot für den falschen Weg hält,
doch die SPD hofft jetzt eher auf den Bundesrat, der neben Bundestag und
Bundesregierung auch ein Verbot beantragen kann. Die
CDU-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (NRW) und Daniel Günther
(Schleswig-Holstein) seien jedenfalls gesprächsbereit. So fehlt zu einer
[2][Mehrheit in der Länderkammer] nicht mehr viel.
Zunächst aber soll „bis Ende des Jahres“ eine
[3][Bund-Länder-Arbeitsgruppe] eingerichtet werden, die das Material
sichtet, so SPD-Fraktionsvize Sonja Eichwede. Wenn das Material ausreiche,
müsse beim Bundesverfassungsgericht ein Antrag auf Feststellung der
Verfassungswidrigkeit der AfD gestellt werden, folgert Eichwede, „das ist
dann eine politische Pflicht“.
Das 19-seitige Papier „Wehrhafte Demokratie – Unseren Rechtsstaat gegen
autoritäre Angriff wappnen“ wurde von der Fraktion monatelang erarbeitet
und mit rund 40 Organisationen und Expert:innen diskutiert. Am kommenden
Dienstag soll es in der Fraktion beschlossen werden, die Mehrheit gilt als
sicher. „Das ist ein großer Rundumschlag“, sagte Carmen Wegge, die
rechtspolitische Sprecherin der SPD, mit gewissem Stolz.
## Schutz vor Obstruktion
So soll das Bundesverfassungsgericht weiter [4][vor Obstruktion geschützt
werden]. Änderungen am Gesetz über das Verfassungsgericht sollen vom
Bundestag künftig nur noch mit Zustimmung des Bundesrats beschlossen werden
können. So könnte zum Beispiel verhindert werden, dass eine künftige
autoritäre Bundestagsmehrheit einfach die Altersgrenze der
Verfassungsrichter absenkt, sodass auf einen Schlag viele Richterposten neu
gewählt werden müssten.
[5][Ende 2024 war bereits das Grundgesetz geändert worden], damit die AfD
mit einer Sperrminorität nicht Verfassungsrichterwahlen blockieren kann.
Kommt im Bundestag keine Wahl mit Zweidrittelmehrheit zustande, kann jetzt
der Bundesrat wählen, und umgekehrt. Zum Schutz der
Landesverfassungsgerichte planen viele Landtage ähnliche
Ersatzwahlmechanismen. Doch dort, wo die AfD bereits mehr als ein Drittel
der Landtagssitze innehat, sind auch Verfassungsänderungen ohne die AfD
nicht mehr möglich.
Für solche Fälle schlägt die SPD-Fraktion nun eine Änderung von Artikel 99
Grundgesetz vor. Bei nachgewiesener Funktionsunfähigkeit eines
Landesverfassungsgerichts soll dessen Arbeit zeitweise vom
Bundesverfassungsgericht mitübernommen werden.
Nach EU-Vorbild sollen finanzielle Sanktionen für Bundesländer eingeführt
werden, die sich nicht an rechtsstaatliche Standards halten, fordert die
SPD. So sollen zum Beispiel Fördergelder des Bundes zurückgehalten werden
können. Mit dem Vorschlag von CDU/CSU-Politikern, Berlin beim
Landesfinanzausgleich zu sanktionieren, wenn eine Linksregierung dort
Antisemitismus propagiere, habe der SPD-Vorschlag aber nichts zu tun,
betonte Wegge, beim SPD-Vorschlag gehe es schließlich nicht um den
Finanzausgleich. Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler ergänzte: „Es ist
ein massiver Unterschied, ob man gegen eine mögliche AfD-Alleinregierung in
Sachsen-Anhalt vorgeht oder gegen eine Regierung in Berlin, bei der die
Linke nur ein Player von mehreren ist.“
Wie bei allen anderen Vorschlägen – vom Schutz der Bundesbank bis zum
Ausbildungsverbot für extremistische Rechtsreferendare – kann die SPD
nichts allein umsetzen. Sie ist immer darauf angewiesen, sich mit dem
Koalitionspartner CDU/CSU zu einigen. Bei Vorschlägen, die die Länder
betreffen, kann der Bund teilweise gar nichts regeln, sondern nur
Anregungen geben.
30 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /AfD-Verbot/!t6043524
(DIR) [2] https://www.bundesrat.de/DE/bundesrat/verteilung/verteilung-node.html
(DIR) [3] /Konstantin-von-Notz-ueber-das-AfD-Verbot/!6086822
(DIR) [4] /Staerkung-des-Bundesverfassungsgerichts/!6054477
(DIR) [5] /Grundgesetzaenderung-im-Bundestag/!6054521
## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
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