# taz.de -- Lobbykritik an Wirtschaftsministerin: Katherina Reiche und ihre Lex Eon
> Das Netzpaket von Wirtschaftsministerin Reiche hat der Energiekonzern
> erfunden. Er profitiert auch am meisten davon, zeigt eine neue Analyse.
(IMG) Bild: CDU-Wirtschaftsministerin Reiche hat viele Freunde, auch bei Eon
Hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, die einstige Managerin
des Eon-Tochterkonzerns Westenergie, eine „Lex Eon“ geschrieben? In den
kommenden Tagen wird ihr bereits vom [1][Kabinett verabschiedetes
Netzpaket] in den Ausschüssen des Bundestags beraten.
Erneuerbaren-Expert*innen und -Verbände zerpflücken den Entwurf seit
Monaten, weil er den Bau von Wind- und Solaranlagen in Deutschland abwürge.
Am Dienstag hat der Bundesverband Neue Energien (BNE) nachgelegt: Eine
BNE-Analyse zeigt, dass vor allem Töchter des Eon-Konzerns von den neuen
Regelungen des Netzpakets profitieren dürften. Beim Eon-Unternehmen
Westenergie war die CDU-Politikerin Reiche zwischen 2020 und 2025 Chefin.
Die Bundesregierung dürfe „sich nicht vor den Karren einzelner Konzerne
spannen lassen“, sagte BNE-Geschäftsführer Robert Busch. Und forderte, den
aus seiner Sicht größten Knackpunkt im Netzpaket komplett zu streichen: den
sogenannten Redispatch-Vorbehalt. Er setze „genau den falschen Anreiz“, so
Busch. Netzbetreiber würden „auf dem Papier effizienter“, aber die Engpässe
in Deutschlands Stromnetzen blieben.
Der Hintergrund: Wegen des großen Erfolgs der Energiewende speisen immer
mehr Wind- und Solaranlagen immer mehr Strom in zunehmend überlastete
Stromnetze ein. Wenn zum Beispiel zu viel Windstrom aus dem Norden nicht
komplett in den Süden transportiert werden kann, drosseln die Netzbetreiber
die Erzeugung vor dem Engpass und erhöhen sie gleichzeitig hinter dem
Engpass durch andere Kraftwerke: der Eingriff heißt Redispatch.
## Netzkosten senken – zulasten der Energiewende?
Die Kosten dieses „Engpassmanagements“ haben sich seit 2015 auf gut 3
Milliarden Euro im Jahr 2025 mehr als verdoppelt. Davon flossen 430
Millionen Euro in Entschädigungen für die Drosselung von Wind- und
Solaranlagen an deren Betreiber, der große Rest an fossile Reserve- oder
Ersatzkraftwerke.
Reiche will diese Kosten senken – offenbar zulasten der Erneuerbaren. Der
Redispatch-Vorbehalt schränkt die Entschädigungen für die
Erneuerbaren-Betreiber massiv ein: Wenn neue Wind- und Solarparks in
überlasteten Netzgebieten („hot spots“) gebaut werden, soll es weniger
Ausgleich für einen Teil des abgeregelten Stroms geben. Laut Netzpaket
müssen die Betreiber bis zu sechs Jahre lang auf bis zu etwa ein Fünftel
ihrer Erträge verzichten. Das soll verhindern, dass Anlagen „sehenden
Auges“ in Engpassgebieten errichtet und auf Kosten der Allgemeinheit
entschädigt werden, meint Reiche. Das mache die Ertragssituation unsicher,
die Finanzierung der Erneuerbaren durch Banken werde nahezu unmöglich, die
[2][Energiewende ausgebremst], entgegnen die Kritiker*innen.
Reiches Gesetz nutze vor allem ihrem einstigen Brötchengeber, erklärt nun
der BNE. Vor allem die Netztöchter von Eon profitierten vom
Redispatch-Vorbehalt. Zwischen Januar 2023 und April 2026 seien rund 73
Prozent der abgeregelten Redispatch-Mengen im Verteilnetz auf Eon-Firmen
wie Westnetz, Bayernwerk, Edis, Hansewerk oder Avacon entfallen.
Der Vorwurf, die Ministerin agiere als Büttel der Energiekonzerne, ist
nicht neu. Mal geht es um zu viele neue Gaskraftwerke, mal trifft sie sich
nie mit Umweltverbänden. Aber nun scheint Eon mit Reiches Hilfe direkt den
Redispatch-Vorbehalt ins Gesetz zu bekommen, den der Energiekonzern selbst
vor fünf Jahren in die politische Debatte einbrachte – das hatten erstmals
[3][Recherchen von fragdenstaat.de] gezeigt. 2024 lobbyierte Reiche sogar
persönlich bei [4][Linkedin] für den Redispatch-Vorbehalt. Der Eon-Konzern
werde voraussichtlich dessen „wirtschaftlicher Hauptprofiteur“, meint BNE.
Bislang werden die Kosten für den Redispatch über die Netzentgelte
umgelegt. Sie wirken sich so auf die Rechnungen der Stromkund*innen, aber
nicht auf die Profite der Energiekonzerne aus. Das soll sich ändern. Da die
die Branche regulierende Bundesnetzagentur Anreize für die Netzbetreiber
setzen will, Leitungen oder Umspannwerke zu bauen, sollen Redispatch-Kosten
künftig in den sogenannten Effizienzvergleich einfließen.
Dieser würde Netzbetreiber mit weniger Redispatch wirtschaftlich
besserstellen: Effiziente Netzbetreiber dürften dann nach den Vorgaben der
Regulierer höhere Renditen einfahren. Das soll für die Monopolisten Anreize
schaffen, die völlig überlasteten deutschen Stromnetze zu renovieren. Der
Redispatch-Vorhalt wirke kontraproduktiv, meint dazu der BNE. Denn er
ermögliche es, „einen Teil des regulatorisch relevanten Kostenblocks zu
reduzieren, ohne den Netzengpass zu beseitigen“.
Der Redispatch-Vorbehalt sei als „Instrument zur räumlichen Steuerung des
weiteren Ausbaus der Erneuerbaren notwendig“, sagt ein Sprecher des
Bundeswirtschaftsministeriums auf Anfrage der taz. Er treffe zudem nicht
große Gebiete, sondern solle nur „punktuell in besonders belasteten
Netzregionen wirken und zusätzliche Kosten dämpfen“. Zu den
Lobbyismus-Vorwürfen gegen Reiche äußere sich das Ministerium grundsätzlich
nicht.
„Die Behauptung, Eon sei der wesentliche Profiteur des
Redispatch-Vorbehalts, stellt Ursache und Wirkung auf den Kopf“, schreibt
ein Konzernsprecher in einer Stellungnahme für die taz. Die
Eon-Netzbetreiber hätten bislang „mehr Erneuerbaren-Leistung in ihre Netze
integriert als alle anderen deutschen Netzbetreiber zusammen“. Der Vorwurf,
dafür lobbyiert zu haben, wird nicht dementiert: „Dass wir deshalb die
Folgen eines regional nicht ausreichend mit dem Netz synchronisierten
Erneuerbaren-Zubaus besonders früh und deutlich sehen, ist die logische
Folge dieser enormen Leistung und besonderen Verantwortung für die
Energiewende.“
29 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Katherina-Reiches-Gesetze/!6211171
(DIR) [2] /Erneuerbare-Energie/!6198400
(DIR) [3] https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/07/die-eon-ministerin/
(DIR) [4] https://web.archive.org/web/20250502192540/https:/www.linkedin.com/pulse/energiewende-auf-kurs-bringen-die-systemkosten-sind-der-reiche-tbz6e
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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