# taz.de -- Reiches Energiereformen: „Ein wertloses Trostpflaster“
> Verbände üben massive Kritik an den Entwürfen für eine EEG-Reform und ein
> neues Netzpaket. Sie fordern die Bundestagsabgeordneten zu Korrekturen
> auf.
(IMG) Bild: Die Reform wird den Ausbau der Windkraft ausbremsen: Windpark bei Gifhorn
Die Erneuerbaren-Branche fordert im jetzt beginnenden parlamentarischen
Verfahren deutliche Korrekturen an den von Bundeswirtschaftsministerin
Katherina Reiche (CDU) vorgelegten Energiegesetz-Novellen. „Die
Gesetzentwürfe müssen jetzt im Parlament weiter bearbeitet werden, damit
Deutschland nicht in eine fossile Welt zurückfällt“, sagte Ursula
Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) am
Donnerstag vor Journalist:innen. Würden die vorliegenden Gesetzentwürfe
umgesetzt, werde „die Energiewende tatsächlich ausgebremst“.
Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch zwei wichtige energiepolitische
Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht: [1][die Reform des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das sogenannte Netzpaket].
Wirtschaftsministerin Reiche will nach eigener Aussage die Energiewende
kosteneffektiver und marktwirtschaftlicher machen. Diesem Anspruch werden
die Gesetzentwürfe in der jetzigen Form aber nicht gerecht, davon sind die
Verbände der Solar-, Windkraft- und Bioenergie-Wirtschaft überzeugt.
Ein Ziel der Reformen ist Reiche zufolge, dass der Ausbau der Stromnetze
und der Erneuerbaren-Anlagen synchronisiert wird. Heute müssen Anlagen
abgeschaltet werden, weil Netze den produzierten Strom nicht aufnehmen
können. Die beabsichtigte Synchronisierung erfolge aber einseitig zulasten
der Anlagenbetreiber, kritisierte Heinen-Esser, die von 2018 bis 2022
CDU-Umweltministerin in Nordrhein-Westfalen war.
Auch die Netzbetreiber müssten in die Pflicht genommen werden. Zwar würden
sie zu einem bestimmten Ausbau verpflichtet, es fehlten aber Sanktionen,
wenn sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, kritisierte Heinen-Esser.
Neben einer Reihe von Details kritisieren die Verbände vor allem die
geplanten Streichungen für Betreiber:innen von Solar- und
Windkraftanlagen. So soll die bislang für eine Laufzeit von 20 Jahren
festgelegte [2][feste Einspeisevergütung für neue Dachsolaranlagen] ab 2027
wegfallen. Übergangsweise sollen Betreiber eine feste Förderung für drei
Jahre bekommen, 2029 soll damit Schluss sein. „Das ist kein tragfähiger
Investitionsrahmen, sondern ein wertloses Trostpflaster“, sagte Carsten
Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft.
## Direktvermarktung technisch noch nicht möglich
Überschüssigen Strom sollen Betreiber künftig selbst direkt vermarkten.
Noch gebe es die technischen Voraussetzungen dafür aber nicht, kritisierte
Körnig. Er appelliert an die Bundestagsabgeordneten, die Förderung für
Solaranlagen zumindest so lange aufrechtzuerhalten, bis die technischen
Möglichkeiten für die Direktvermarktung vorhanden sind. Körnig geht davon
aus, dass die Nachfrage nach Dachsolaranlagen um zwei Drittel einbricht,
wenn die jetzt vorgesehenen Regelungen umgesetzt werden.
Auch für Windkraftanlagen will Reiche erhebliche Restriktionen durchsetzen.
Müssen die Anlagen wegen fehlender Netzkapazitäten abgeschaltet werden,
soll zum Beispiel in bestimmten Gebieten ein Teil der bisherigen
finanziellen Entschädigung wegfallen. „Wir haben Gebiete in Deutschland,
die nicht mehr bebaubar sind“, sagte Bärbel Heidebroek vom Bundesverband
Windenergie. Zwar wolle die Bundesregierung die Ausschreibemengen für
Windkraft erhöhen. Aber gleichzeitig blockiere sie den Ausbau.
Die Bioenergie-Branche warnt davor, dass mehr als die Hälfte der
bestehenden Biogas-Anlagen gefährdet ist, wenn die Gesetzentwürfe den
Bundestag unverändert passieren. Sie fordert unter anderem, das
Ausschreibevolumen und den sogenannten Flexibilitätszuschlag zu erhöhen.
Dieser Zuschlag soll Anlagenbetreiber motivieren, Strom bedarfsgerechter
ins Netz einzuspeisen.
## Kritik aus der SPD
Kritik kommt auch aus der SPD-Bundestagsfraktion. Deren energiepolitische
Sprecherin Nina Scheer fordert ebenfalls Nachbesserungen im
parlamentarischen Verfahren. „Statt den angestrebten Ausbau zu ermöglichen,
setzen die Kabinettsbeschlüsse weiterhin auf Beschränkungen, gefährden
Investitionen und damit Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland“,
sagt sie. „Damit wirken sie den Zielen des Koalitionsvertrags entgegen.“
[3][Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag] das Ziel festgehalten,
die Energiewende „transparent, planbar und pragmatisch“ zum Erfolg und die
Verbraucher:innen stärker zu Mitgestalter:innen zu machen.
Scheer teilt die Einschätzung der Erneuerbaren-Branche, dass die
Einschränkung von Entschädigungen für abgestellte Anlagen zu einer
erheblichen Planungs- und Investitionsunsicherheit für Betreiber führt.
30 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wie-Reiche-die-Energiewende-bremst/!6197349
(DIR) [2] /Erneuerbare-Energien-Gesetz/!6199738
(DIR) [3] https://www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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