# taz.de -- Neuer Coup der Wirtschaftsministerin: Reiche ist der Redispatch der Regierung
       
       > Wirtschaftsministerin Reiche tut alles dafür, die Wirtschaft zu bremsen.
       > Ihr neuester Coup: keine Entschädigung für nicht eingespeiste
       > Windenergie.
       
 (IMG) Bild: Reiche sieht schwarz für Solarenergie
       
       Eine Lehre aus dem Fachbuch für politische Kommunikation lautet: Denk dir
       einen möglichst komplizierten Fachbegriff aus, wenn du willst, dass die
       Leute nicht verstehen, worum es geht. Schließlich wird im politischen Raum
       nur über das gesprochen, was dem Wahlvolk diskussionswürdig erscheint.
       Darin ist Katherina Reiche (CDU) Meisterin: Sie erfand den Begriff
       „Redispatch-Vorbehalt“. Den hat die Bundeswirtschaftsministerin in ihren
       ersten [1][Entwurf zum neuen Netzgesetz] geschrieben.
       
       Das ist schlau, denn bevor man diese Politik kommentieren kann, muss man
       sie erst erklären: Weil die Bundesrepublik in vier Jahren 80 Prozent ihres
       Stromes aus Erneuerbaren produzieren will, haben Windräder, Solaranlagen,
       Biomassekraftwerke einen Vorrang beim Einspeisen. Ihr Strom darf immer
       zuerst ins Netz, die Netzwirtschaft nennt diese Abfertigung „Dispatch“.
       Weil es aber immer häufiger passiert, dass Sonne, Wind und Co mehr Strom
       produzieren, als das Netz aufnehmen kann, müssen mancherorts Kraftwerke
       abgeschaltet werden – die Netzbetreiber ordnen Redispatch an.
       
       Betreiber von Solarparks und Windrädern können nichts für diesen
       Stillstand. Denn nicht sie, sondern die Besitzer der Netze tragen Schuld
       daran, dass sie nicht liefern können. Deshalb erhalten die Betreiber eine
       Entschädigung für jenen Strom, den sie nicht liefern konnten. Unter dem
       Stichwort [2][„Redispatch“ sieht Katherina Reiches Gesetzentwurf vor, diese
       Entschädigung ganz oder teilweise zu streichen]. Grundlage jeder
       Investition ist die Kalkulation der Refinanzierung. Wer nicht weiß, wie oft
       sein Windrad entschädigungslos abgeschaltet wird, der investiert nicht
       mehr.
       
       Die Union von Friedrich Merz war angetreten, das Wirtschaftswachstum in
       Deutschland anzuschieben, dafür muss investiert werden. Doch statt sich ins
       Zeug zu legen und ein Investitionsfeuerwerk bei den Erneuerbaren zu
       kreieren, bremst die „Fachfrau für den Aufschwung“. Bemerkenswert ist
       dabei, dass der Begriff Redispatch nicht einmal Reiches Erfindung ist: Er
       stammt von Eon, jenem Konzern, bei dem Reiche bis zu ihrem Amtsantritt
       Managerin war. Kein anderer Energiekonzern findet die Pläne gut,
       Energiekonzerne wie EnBW, Leag und RWE haben [3][in einem gemeinsamen
       Aufruf] Änderungen angemahnt.
       
       Reiche ist in den Umfragen Deutschlands unbeliebteste Ministerin, selbst
       unter den Unionsanhängern sind 75 Prozent mit ihr „nicht zufrieden“.
       Bislang gibt es kein einziges Gesetz aus Reiches Haus, das geeignet wäre,
       Wachstum zu kreieren. Die Wirtschaftsministerin schafft es nicht,
       Aufbruchstimmung in der Wirtschaft zu erzeugen. Sie liefert nicht, sie ist
       der Redispatch im Kabinett.
       
       29 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://dserver.bundestag.de/btd/21/078/2107866.pdf
 (DIR) [2] /Katherina-Reiches-umstrittene-Reform/!6215598
 (DIR) [3] https://www.rwe.com/-/media/RWE/documents/07-presse/statements-und-positionen/vom-engpass-zu-ermoeglichern.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nick Reimer
       
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