# taz.de -- Um- und Abbau im ÖRR: Schall und Rauch
       
       > Der WDR will sein Angebot verkleinern. ARD und ZDF setzen auf neue
       > Dialogformate – doch echte Beteiligung des Publikums bleibt bislang
       > begrenzt.
       
 (IMG) Bild: Katrin Vernau, das Gesicht der Kürzung im WDR
       
       Große Aufregung in Köln am Rhein. Nein, Oliver Pocher hat nicht zur
       Privatisierung des WDR aufgerufen. Der an Aufmerksamkeitsmauser leidende
       TV-Papagei hatte lediglich [1][Medienstaatsminister Wolfram Weimer
       nachgeplappert] und [2][das ZDF] gemeint. Aber dass bei den
       Öffentlich-Rechtlichen zu viel Programm im Programm sei, findet der
       bekannte Medienpolitiker Pocher auch.
       
       Dabei hat doch eben dieser [3][WDR gerade angekündigt, zu schrumpfen]. Von
       aktuell 600 Angeboten sollen nur noch 300 übrig bleiben, und davon
       garantiert keins von oder mit Pocher. Immerhin ist mit der Schrumpfkur auch
       ein Umstieg ins Digitale mit 100 neuen Angeboten verbunden.
       
       Denn nicht nur beim WDR wird’s mit dem digitalen Ernstmachen Zeit. Einfach
       Zeugs in die Mediatheken kippen reicht nicht, zeigt die neueste Forschung
       von ARD und ZDF. Und dann ist da ja auch noch die Sache mit dem Dialog.
       Klar, „Publikumsdialog“ steht mittlerweile fast überall drauf. Aber
       wirklich ankommen tut davon beim breiten Publikum noch nicht sehr viel.
       
       Immerhin, die Lage ist besser als vor zehn Jahren, wo Dialogideen innerhalb
       der ARD und auch von der damaligen WDR-Spitze die kalte Schulter gezeigt
       wurden. Als der MDR als ARD-Vorsitz anno 2016 die Plattform ARDialog
       vorschlug, die nach dem Motto „Fragt uns einfach“ funktionieren sollte, war
       das nicht mehrheitsfähig. Was noch sehr höflich formuliert ist.
       
       Jetzt ist die Botschaft endlich angekommen. Aber ARD wie ZDF rücken dem
       Dämon Dialog immer noch arg formal zuleibe. Sie haben gerade zum Beispiel
       eine „gemeinsame Formatidee für gesellschaftlichen Dialog“ ausgeschrieben.
       
       ## Ob das funktioniert?
       
       Gesucht wird ein „nonfiktionales Kulturformat“ mit einer „starken
       erzählerischen Idee, das viele Menschen erreicht und im Gedächtnis bleibt“.
       Es soll „Überzeugungen und Lebenswelten zusammenbringen, die sich sonst
       selten wirklich begegnen“, was eine Herausforderung ist und leicht auch
       verkrampft werden könnte.
       
       Die Kreativität soll sich daher auf engen Bahnen bewegen, denn die
       Zielgruppe ist exakt vermessen. „Zur internen Einordnung dienen die
       ZDF-Zielgruppen CC2 und CC3 sowie die ARD-DMT-Gruppen Ambitionierte und
       Neokulturelle.“ Was das ist, müssen Bewerber*innen selbst nachschlagen.
       
       Zusätzlich soll das Format auch „ein PSI-Element integrieren, das seine
       gesellschaftliche Dimension konkret erfahrbar macht“. PSI steht für „Public
       Spaces Incubator“, ein Forschungsprojekt, bei dem ARD und ZDF gemeinsam mit
       anderen ÖRR-Anstalten gerade neue Dialogformen wie den „Audience Input“
       entwickeln.
       
       Bei dem können „User Fragen an eine Sendung, eine Redaktion oder einzelne
       Personen“ stellen oder „Feedback hinterlassen“. Verrückt, das erinnert
       fatal an den ARDialog auf Englisch. Und ob es funktioniert, wird ganz
       entscheidend vom „Output“ der Sender, Redaktionen oder einzelner Personen
       bei ARD und ZDF abhängen.
       
       Solange da kein echter Dialog stattfindet, ist auch die bestvermessene
       Formel nur Schall und Rauch. „Trotz großer Aktionen bleiben bislang nur
       kleine Spuren zurück, die noch nicht ausreichen, um Deutschland zu
       verbinden“, sagt die Mitbewohnerin.
       
       1 Oct 2026
       
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