# taz.de -- Sparpläne bei Öffentlich-Rechtlichen: WDR will sich halbieren
> Der WDR will die Hälfte seiner Programmangebote bis zum Jahr 2030
> streichen. 76 davon schon bis Ende 2027. Durch den Umbau sollen 133
> Stellen wegfallen.
(IMG) Bild: Es gibt auch neue Angebote im WDR: die Reihe „Deutschland, ich küss dein Herz“ – mit Tahsim Durgun (links) und Tante Zeynep (rechts)
epd | Der [1][Westdeutsche Rundfunk] will 76 Programmangebote bis Ende 2027
einstellen. Es handele sich um Angebote, „die ihre Zielgruppe nicht gut
genug erreichen oder die nicht zu den strategischen Schwerpunkten des WDR
gehören“, teilte der Sender am Freitag in Köln mit. Neben
Social-Media-Kanälen, Newslettern und Websites seien auch sechs Angebote im
linearen Hörfunk wie die „Satire am Sonntag“ bei WDR4 und „Ex & Pop“ bei
WDR3 betroffen. Im linearen Fernsehen sollen neben „Frau TV“ auch „Menschen
hautnah“, die „WDR Story“ und vier weitere Formate eingestellt werden.
Bereits im April hatte Intendantin [2][Katrin Vernau] angekündigt, dass der
WDR sein Programm-Portfolio bis zum Jahr 2030 von 600 auf 300 Angebote
verringern wolle. Nach Angaben des Senders sollen im selben Zeitraum 80 bis
100 neue Formate entstehen, daher müssen rund 400 Programmangebote aus dem
Bestand gestrichen werden. Der Abbau der 76 Angebote ist der erste Schritt
zu einem umfassenden Programmumbau. Programmangebote sind nicht einzelne
Sendungen oder Beiträge, sondern Programmreihen und Formate sowie
Web-Auftritte von Redaktionen in sozialen Netzwerken oder auf
Onlineplattformen.
## Mehr Mittel für digitale Angebote
Vernau sagte: „Die Mediennutzung verändert sich rasant, unsere Finanzierung
ist ungewiss, unsere Kosten steigen. Gleichzeitig benötigen wir mehr Mittel
für digitale Angebote – während derzeit noch gut drei Viertel unserer
Ressourcen im klassischen linearen Programm gebunden sind. Deshalb müssen
wir jetzt handeln und Tempo machen.“
Ab 2027 will der WDR jede dritte Stelle nach einer Verrentung nicht
wiederbesetzen. Insgesamt sollen bis zum Jahr 2030 133 Stellen wegfallen.
In den beiden Programmdirektionen werden 150 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, sodass dort in den kommenden Jahren 50
Stellen abgebaut werden. Geplant sind auch Kürzungen beim Honorarumfang für
freie Mitarbeiter. Beim WDR arbeiten rund 4.000 fest angestellte und 2.500
arbeitnehmerähnlich frei Beschäftigte.
## Kritik an Rundfunkpolitik
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte die geplanten Kürzungen.
Es sei nicht nachvollziehbar, dass der WDR bisher nicht offen im
Rundfunkrat mit den Plänen umgegangen sei, sagte Christoph
Schmitz-Dethlefsen, der im Verdi-Bundesvorstand für Medien zuständig ist.
Der Abbau bedeute einen Verlust an Programmvielfalt. Die Länder würden mit
ihrer Rundfunkpolitik die Sender kaputtsparen.
In seinem Fernsehprogramm will sich der WDR mit den eigenen Ressourcen auf
eine „Kernsendezeit“ von 17 Uhr bis 22.15 Uhr konzentrieren. Deshalb wird
das Magazin „Hier und Heute“ im WDR Fernsehen um eine Stunde verkürzt und
erst um 17 Uhr starten.
## „Heimatflimmern“ bleibt
Die linearen Sendeplätze für „Menschen hautnah“ und „WDR Story“ werde es in
dieser Form nicht mehr geben, teilte der Sender mit. Die Reihe
„Heimatflimmern“ bleibe als lineares Angebot bestehen, der begleitende
Facebook-Kanal werde jedoch eingestellt. „Erlebnis Erde“ werde komplett ins
Digitale verlagert, der Instagram-Kanal dazu werde aber beendet.
Dokumentationen werden in Zukunft vorrangig für die Mediathek produziert,
können dann aber im WDR Fernsehen wiederholt werden. Auch will der WDR
weiterhin seinen Anteil von etwa 21 Prozent für dokumentarische Formate im
Ersten erfüllen. Bei Dokumentationen und Unterhaltungssendungen will der
WDR künftig mehr mit externen Produktionsfirmen und Dienstleistern
zusammenarbeiten. Insgesamt soll es mehr Programmaustausch mit anderen
ARD-Anstalten geben.
## Neue Formate sind geplant
Im ersten Schritt fallen nach Angaben des WDR vor allem Web-Auftritte den
Kürzungen zum Opfer, darunter digitale Angebote wie „Studio M“, „Lisas
Paarschnitt“ und „Doc Esser“. Auch die Instagram-Kanäle von „WDR Jeck“
sowie der „Fußball-Podcast mit Sven Pistor“ würden beendet. Alle
WDR-Redaktionen zögen sich von der Plattform X zurück, darunter auch „Hart
aber fair“, „Maischberger“ und „Quarks“.
Gleichzeitig sollen neue Angebote geschaffen werden, teilte der WDR mit.
Gestartet sind bereits die Reihe [3][„Deutschland, ich küss dein Herz – mit
Tahsim Durgun“] und das Talk-Format „Draußenpolitik“ mit Louis Klamroth.
Weitere Formate seien in Planung. Der Sender will Anfang 2027 über weitere
Maßnahmen informieren.
25 Sep 2026
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