# taz.de -- Klimaberichterstattung in der ARD: Wenn niemand die Klimasau sieht
> Die ARD lehnt einen Imagefilm ab. Etwa weil sie darin schlecht wegkommt?
> Der Anteil ihrer Berichterstattung über das Klimaproblem sank zuletzt.
(IMG) Bild: Zu heiß für die ARD: der satirische Spot „Wir schauen hin“ von „Klima vor acht“
Filmpremiere im Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Berlin-Pankow: [1][„Wir schauen
hin“] heißt der Streifen, in dem der Schauspieler Matthias Matschke die
personifizierte Klimasau spielt. Ein bisschen Überschwemmung hier, ein
bisschen Feuer da – und die Bienen gibt es auch nicht mehr, denn jetzt gibt
es Artensterben. Vielleicht 250 Schüler sind an diesem Donnerstagvormittag
zur Premiere gekommen, und die erleben, wie die Klimasau Matschke wütet.
Weil sie ja kann, wie Matschke sagt: „Im Alltag oder in den Medien, da komm
ich ja kaum vor.“
Interessanter als der 35-Sekunden-Spot ist seine Geschichte: Seit dem Jahr
2020 kämpft der Verein „Klima vor acht“ für eine bessere Berichterstattung
über die Klimakrise im Fernsehen. Der Name entstand durch einen Sendeplatz:
„An einem ganz normalen Tag kann man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
bis zu sieben Schalten zur Börse sehen“, sagt Friederike Mayer, die
Vorsitzende des Vereins. Das gipfelt schließlich in der Sendung „Börse vor
acht“. Meyer: „Der Sendeplatz vor der ‚Tagesschau‘ hat eine große
Reichweite.“ Allerdings hätten die wenigsten Deutschen ein Aktiendepot,
während die Klimakrise alle betreffe. Deshalb forderte die Initiative eine
adäquate Sendung: „Klima vor acht“ und sammelte dafür 30.000
Unterschriften.
Die ARD lehnte eine solche damals ab mit der Begründung, sich nicht in den
Dienst von Aktivisten stellen zu wollen. Stattdessen führte die ARD
„Sprüche vor acht“ ein, offensichtlich eine Provokation. Tatsächlich aber
haben die Aktivisten recht: Die Berichterstattung über die Erderhitzung und
das Artensterben ist im Fernsehen deutlich unterrepräsentiert. „Klimathemen
spielen in 1,8 Prozent der Sendezeit der vier großen Sender eine Rolle, bei
der Biodiversität sind es sogar nur 0,2 Prozent“, sagt die Schauspielerin
Maria Furtwängler – zu sehen etwa als „Tatort“-Kommissarin Charlotte
Lindholm in der ARD. Mit ihrer MaLisa-Stiftung [2][hatte sie 2023] ARD,
ZDF, RTL und ProSiebenSat1 untersucht, Furtwängler engagiert sich stark für
den Artenschutz.
Die Zahlen decken sich mit jenen, die der Verein „Klima vor acht“ für die
Öffentlich-Rechtlichen erhebt: Seit 2021 bilanziert er jede Sendeminute, in
der das Wort „Klima“ vorkommt, zieht allerdings irrelevante Begriffe wie
„Investitionsklima“ oder „Klimaanlage“ wieder ab. „Unsere Daten zeigen: Die
Berichterstattung ist geringer geworden“, erklärt Mayer. Tatsächlich ergab
[3][die Auswertung des ersten Halbjahres 2026:] Der Anteil einer
Berichterstattung über das Klimaproblem lag in der ARD und beim ZDF bei
unter 1 Prozent.
## Verein produziert selbst Sendungen
Um das zu ändern, hatte der Verein selbst angefangen, geeignete Filme für
einen Sendeplatz „Klima vor acht“ herzustellen. Die drei- bis fünfminütigen
Folgen der Pilotstaffel beschäftigten sich beispielsweise mit der Rolle der
Moore, mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, dem Grönlandeis oder der
Attributionsforschung – also jener Wissenschaft, die betrachtet, wie der
Klimawandel bereits auf unser Wetter wirkt. 2021 kooperierte der Verein mit
dem Privatsender RTL und entwickelte das Format „Klima Update“, das zweimal
pro Woche nach den Hauptnachrichten von „RTL aktuell“ ausgestrahlt wurde.
2022 wurde die Sendung für den Adolf-Grimme-Preis 2022 nominiert.
„Im Alltag oder in den Medien, da komm ich ja kaum vor“, sagt die Klimasau
Matthias Matsche im Premierenfilm. Der sollte eigentlich vor der
„Tagesschau“ in der ARD laufen – als bezahlter Werbespot. Der Verein hatte
dafür [4][anderthalb Jahre lang Spenden gesammelt,] die notwendigen 135.000
Euro waren in diesem Jahr zusammengekommen. Allerdings lehnte die ARD Media
GmbH nun eine Ausstrahlung ab: Begründung: Es handele sich bei dem Spot
nicht um zulässige Werbung. Gemäß dem Medienstaatsvertrag müsse Werbung den
Zweck erfüllen, entweder den Absatz von Produkten zu fördern oder aber das
Image eines Unternehmens zu verbessern. Beides sah die ARD Media im Fall
des „Wir schauen hin“-Spots nicht erfüllt. Auch [5][die neue
EmpCo-Richtlinie] führte die ARD als Ablehnungsgrund an: Mit ihr will die
EU-Kommission falsche Umweltaussagen in der Werbung verhindern.
Friederike Mayer sieht beides anders und verweist auf einen Imagefilm der
Deutschen Telekom: „Die Kampagne lautete [6][‚Augen auf gegen Hass‘] und
lief genau an der Stelle, an der wir den Sendeplatz buchen wollten“. Bei
ihren Arbeiten an dem „Wir schauen hin“-Film habe sich der Verein an
ebenjenem Imagefilm der Telekom orientiert. Zudem würden keine
produktbezogenen Umweltaussagen gemacht, „die EmpCo ist also irrelevant“.
Die Vereinsvorsitzende: „Wir haben jetzt einen Medienanwalt beauftragt,
gerichtlich gegen die Ablehnung durch die ARD Media vorzugehen.“
5 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=OULGAB-Dhm8
(DIR) [2] https://www.malisastiftung.org/studien/klimawandel-und-biodiversitt-was-zeigt-das-fernsehen-was-wollen-die-zuschauerinnen
(DIR) [3] https://klimavoracht.de/wp-content/uploads/2026/08/KlimaMedienBericht_1_Halbjahr_2026.pdf
(DIR) [4] https://klimavoracht.de/kampagnenende-werbplatz-vor-tagesschau/
(DIR) [5] /Neue-EU-Richtlinie-in-Kraft/!6216435
(DIR) [6] https://www.youtube.com/watch?v=bIpffS75vPU
## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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