# taz.de -- Recycling von Gerichtsshows mit KI: Frau Richterin, das war KI!
> Was früher Wiederholung hieß, ist heute digitales Recycling. Privatsender
> wie RTL bauen nun alte Gerichtsshows mit KI neu zusammen – ist eben
> billiger.
(IMG) Bild: Der Richter Ulrich Wetzel ist beim Kölner Sender RTL wieder am Start, nun mit KI als Co-Star
Es gab eine Zeit, da war Privatfernsehen noch innovativ. Nee, wirklich
jetzt. Sat.1 erfand als kreatives Powerhouse mit dem „FilmFilm“ hochwertige
TV-Events, ohne die Erfolge von heute wie „Babylon Berlin“ undenkbar wären.
Nur [1][RTL hatte schon damals seinen Ruf weg] und produzierte eher
telegene Massenware. „Sparkassenfernsehen“ sei das, hieß es Ende der 90er
Jahre.
Stimmte ja auch. Fiktional war das zwar alles nicht besonders prall, aber
die Kassen klingelten. Zum Fernsehen von der Stange gehörten bald auch die
Gerichtsshows, die beide Privatsender bei den Öffentlich-Rechtlichen
abkupferten und aufmotzten. Plötzlich wurde da täglich verhandelt. Und das
auch noch von echten Richter*innen, die sich wie [2][Barbara Salesch
(Sat.1, ab 1999)] und Alexander Hold (Sat.1, ab 2001) oder Ruth Herz (RTL,
ab 2001) mit Laiendarsteller*innen in immer polemischere Wortgetümmel
stürzten.
Es gibt eben Fernsehideen, die sind so alt, dass sie eigentlich längst
Anspruch auf Rente hätten. Und dann gibt es RTL, das offenbar beschlossen
hat, ihnen jetzt mit KI auch noch die Revision zu ermöglichen. Seit 2022
richtert Ulrich Wetzel wieder beim Kölner Sender, schon von 2002 bis 2008
war er hier am Start. Jetzt werden seine alten Gerichtsshows mithilfe der
KI zu neuen Sendungen zusammengebaut.
Digitales Recycling muss helfen, weil es auch bei der besten aller
TV-Sparkassen nicht mehr so gut läuft. Schließlich sitzen auf den
Archiv-Festplatten doch die alten Streithähne und Zeugen der Anklage und
warten taufrisch auf ihren nächsten Auftritt. Was früher Wiederholung hieß,
darf sich heute Innovation nennen. Nur Wetzel muss noch mal „in echt“ neu
ran, schließlich braucht die KI-generierte Justizshow den humanen
Richter-in-the-Loop.
## Es gilt die Wiederholungsvermutung
Das ist äußerst effizient, [3][schließlich verlangt KI keine Gage und
braucht nicht mal 'ne Drehpause]. Sie kennt auch keine kreativen Blockaden,
wobei das mit der Kreativität bei solcher Programmware ja eh so eine Sache
ist. Schon früher galt in den Pseudo-Prozessen der Gerichtsshows selten die
Unschuldsvermutung. Jetzt gilt also die Wiederholungsvermutung.
RTL sollte das Verfahren nun konsequent zu Ende denken. Aus alten Quizshows
lassen sich neue bauen. Günther Jauch dürfte ein bisschen KI-gestütztes
Upcycling ganz guttun. Und die alten „Big Brother“-Containerinsassen waren
gegen das heutige Personal doch fast A-Promis.
Wenn dann ein generativer Peter Kloeppel noch den News-Anchor gibt, geht es
auch mit der Glaubwürdigkeit wieder aufwärts. Und das Schönste an dieser
digitalen Altkleiderverwertung mit Werbeunterbrechung ist doch, dass es das
alles zum Spartarif gibt. Wer will dagegen schon richten?
„Ich! Die psychologische Gehirnwäsche mit Scripted Reality verzerrt auch
mit KI jede Wahrheitsfindung und Rechtsbelehrung“, sagt die Mitbewohnerin.
„Und das muss aufhören!“
15 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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