# taz.de -- 123 Stichwahlen in Niedersachsen: Grüne triumphieren, AfD verliert
> Grüne gewinnen nicht nur in ihren Hochburgen, die AfD bringt keine
> Kandidaten durch. Für SPD und CDU sehen die Stichwahl-Ergebnisse
> durchwachsen aus.
(IMG) Bild: Herausforderer von der CDU abgehängt: Im Landkreis Osnabrück geht Anna Kebschull in eine zweite Amtszeit als Landrätin
123 Stichwahlen gab es in Niedersachsen am Sonntag. Zwei Wochen nach der
Kommunalwahl waren die Wahlberechtigten aufgerufen, noch einmal für
Klarheit zu sorgen – nämlich dort, wo keiner der Landrats-,
Oberbürgermeister- und Bürgermeisterkandidaten im ersten Wahlgang auf
Anhieb eine absolute Mehrheit erzielte.
Als Sieger des Abends durften sich die Grünen fühlen: Sie [1][gewannen
nicht nur das Rathaus in Hannover wieder für sich], sondern stellen jetzt
auch in Göttingen die Oberbürgermeisterin. [2][Die 33-jährige Onyeka
Oshionwu] siegte mit 62,95 Prozent über Ehsan Kangarani von der CDU.
In Lüneburg [3][verteidigte Claudia Kalisch ihr Oberbürgermeisteramt] ein
wenig knapper, mit 52,92 Prozent lag sie vor Heiko Meyer (Die
Unabhängigen). Im Landkreis Osnabrück geht [4][Anna Kebschull in eine
zweite Amtszeit als Landrätin]. Sie ließ mit 64,7 Prozent ihren
Herausforderer Thomas Spieker von der CDU deutlich hinter sich. Beide waren
formal als Einzelbewerberinnen angetreten und hatten damit die
Wahlempfehlungen weiterer Parteien auf sich vereint.
Und Anna Kebschull ist nicht länger die erste und einzige grüne Landrätin
in Niedersachsen: In Osterholz siegte mit Kim Fürwentsches ebenfalls ein
Grüner. Der bisherige Bürgermeister der Gemeinde Lilienthal bekam 58,13
Prozent der Stimmen, sein Konkurrent Michael Harjes (SPD) 41,87 Prozent.
## Grüne siegen auch außerhalb ihrer Hochburgen
Für die Grünen ist das auch deshalb ein großer Triumph, weil die Partei
damit beweisen kann, dass sie auch außerhalb der traditionellen Hochburgen,
also der Universitätsstädte, als kommunale Kraft an Bedeutung gewinnt. Auch
in mehreren kleineren Gemeinden setzten sich grüne Kandidaten in der
Stichwahl zum Bürgermeister oder Samtgemeindebürgermeister durch. Die
Grünen waren zwar nur in 13 Stichwahlen im Rennen – von denen gewannen sie
aber 11.
Mit Spannung erwartet worden war das Ergebnis der AfD. Um die Aufstellung
ihrer Kandidaten hatte es ja vorab einigen Wirbel gegeben, weil sechs ihrer
[5][Kandidaten aufgrund von Zweifeln an der Verfassungstreue] gar nicht
erst zugelassen wurden. Von den 33 Kandidaten, die zugelassen wurden,
schafften es drei in die Stichwahl. Alle drei mussten sich in dieser Runde
dann aber geschlagen geben – und zwar mit deutlichem Abstand.
Im vom Strukturwandel [6][gebeutelten Salzgitter siegte letztlich] doch der
langjährige Amtsinhaber Frank Klingebiel von der CDU mit 74,7 Prozent. Die
AfD-Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt Patricia Mair landete nur bei
25,3 Prozent – obwohl ihre Partei bei den Ratswahlen am 13. September mit
27,39 Prozent zur stärksten Fraktion geworden war.
Bei den Bürgermeisterwahlen in den Gemeinden Bockenem (Kreis Hildesheim)
und Munster landeten die AfD-Kandidaten bei 30,4 und 19,5 Prozent. Die
Gegenkandidaten waren in beiden Fällen parteilose Einzelbewerber.
## Gewählt wird das Bekannte
Was SPD und CDU angeht, ist das Bild durchwachsener. Die beiden ehemaligen
Volksparteien stellten in Niedersachsen immer noch die meisten Bewerber um
kommunale Spitzenämter. Ein allgemeiner Trend lässt sich aus den Duellen
aber nicht ablesen. Die SPD fuhr in der Region Hannover, in Braunschweig,
Delmenhorst, Gifhorn und verschiedenen Landkreisen Erfolge ein. Die CDU in
Osnabrück, Salzgitter, Lingen und vielen kleineren Kommunen oder auch in
Landkreisen.
Häufig spielt der Amtsbonus eine große Rolle, gewählt wird das Bekannte.
Dort wo langjährige Amtsinhaber nicht mehr antreten, werden die Karten oft
neu gemischt. Auch Einzelbewerber spielen zunehmend in vielen Gemeinden
eine Rolle – also Personen, die entweder parteilos sind oder von mehreren
Parteien oder Wählerbündnissen empfohlen werden.
Das prominenteste Beispiel dafür lieferte die Oberbürgermeisterwahl in
Oldenburg: Der parteilose Jascha Rohr wurde von den Grünen und der CDU
unterstützt. Er siegte knapp mit 51,55 Prozent der Stimmen gegen Ulf Prange
von der SPD, der eigentlich [7][das Erbe des langjährigen
SPD-Oberbürgermeisters Jürgen Krogmann] antreten wollte.
28 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Nadine Conti
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