# taz.de -- Ministerpräsidentenwahl in Magdeburg: Abweichler müssen Farbe bekennen
> Die CDU will den Saal verlassen, wenn in Sachsen-Anhalt der neue
> Ministerpräsident gewählt wird. Die Partei baut damit einem neuen Skandal
> vor.
(IMG) Bild: Bleiben die CDU-Abgeordneten im Plenarsaal oder stimmen die Abweichler doch für Sigmund?
Verlässt die CDU vor der Ministerpräsidentenwahl in Magdeburg im Dezember
geschlossen den Saal? Das hat die 15-köpfige Fraktion in Sachsen-Anhalt
jetzt mit einer Enthaltung beschlossen: Ihre Abgeordneten sollen vereint
aus dem Parlamentssaal treten, bevor sich Sachsen-Anhalts AfD-Chef Ulrich
Siegmund dort in geheimer Abstimmung zur Wahl stellt. So will die CDU den
Verdacht aus der Welt räumen, aus ihren Reihen könnte es Stimmen für den
ersten AfD-Ministerpräsidenten eines deutschen Bundeslands geben.
Und so will sie möglicherweise auch einzelne ihrer Abgeordneten davon
abhalten, in geheimer Wahl für Siegmund zu stimmen. Für das Misstrauen und
die ungewöhnliche Maßnahme gibt es einen guten Grund. In der vergangenen
Woche war der [1][AfD-Kandidat Tobias Rausch] mit 48 Jastimmen zum
Landtagspräsidenten gewählt worden. AfD und BSW verfügen im Magdeburger
Parlament zusammen aber nur über 44 Abgeordnete. Seitdem wird darüber
spekuliert, woher die weiteren vier Stimmen gekommen sein könnten.
Die CDU weist den Verdacht, es könnten ihre Abgeordneten gewesen sein,
entrüstet zurück. Doch einige CDU-Abgeordnete haben gegenüber der taz über
ihr Abstimmungsverhalten gelogen. Acht von ihnen sagten auf Nachfrage, sie
hätten sich enthalten, tatsächlich gab es aber nur fünf Enthaltungen. Damit
fällt die Verschwörungserzählung von Bundeskanzler Friedrich Merz, es
könnte eine „False Flag“-Aktion von Linken und Grünen gewesen sein, um der
Union zu schaden, in sich zusammen.
So gesehen ist die Vorwärtsverteidigungsstrategie der CDU wohl der beste
Weg, um jeden Zweifel auszuräumen und potenzielle Abweichler auf
Brandmauerkurs zu halten. Das Manöver zwingt auch das BSW dazu, Farbe zu
bekennen. Ein gemeinsames [2][Dinner von AfD- und BSW-Abgeordneten] in
Sachsen-Anhalt bei der Eröffnung eines TV-Studios des rechtsextremen
Magazins Compact in Magdeburg hat in der Partei gerade erst für erheblichen
Ärger gesorgt. Und eigentlich will sich Sahra Wagenknechts Splitterpartei
bei der Ministerpräsidentenwahl enthalten.
Siegmund wiederum hat angekündigt, sich nur einmal zur Wahl zu stellen.
Klappt es beim ersten Mal nicht, muss die Wahl innerhalb von sieben Tagen
wiederholt werden. Erst in einem dritten Wahlgang ist gewählt, wer die
einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält, und zuvor kann der
Landtag auch über seine Auflösung und mögliche Neuwahlen entscheiden.
In der AfD gibt man sich noch gelassen. Doch einer muss sein Wort brechen,
wenn Siegmund Ministerpräsident werden soll: entweder er selbst oder das
BSW. Oder mögliche CDU-Abgeordnete outen sich und laufen offen über.
13 Oct 2026
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