# taz.de -- Ab in die Pilze: Suchtfaktor für fade Brühen
> Der Steinpilz ist ein Superpilz und gerade wächst er in unseren Wäldern.
> Ob frisch oder getrocknet: Kaum ein Pilz hat einen so delikaten
> Geschmack.
(IMG) Bild: Wächst auch bei uns: der Steinpilz
Jetzt aber schnell hinaus in die Wälder! Einer der besten Speisepilze
überhaupt hat noch Saison, bevor ihm der Frost und die Kälte den Garaus
machen: der Steinpilz. Ich mag ihn nicht nur [1][wegen seines delikaten
Geschmacks], sondern besonders wegen der wunderbar festen Konsistenz, die
ihm seinen Namen verliehen hat. Die meisten Menschen schätzen ihn
vermutlich auch, weil man ihn leicht erkennen und so Vergiftungen aus dem
Weg gehen kann.
Die Klassiker unter den Steinpilzgerichten sind natürlich [2][Risotto],
Erdäpfelsuppe und Pasta. Aber am liebsten esse ich Steinpilze leicht
angebraten in Scheiben auf einem weichen Rührei mit einem Stück
Sauerteigbrot. Hauchdünn aufgeschnitten ergeben sie mit etwas Öl, Salz und
Pfeffer außerdem ein schmackhaftes Carpaccio.
Ich will das [3][Modewort „umami“] nicht zu sehr strapazieren, aber Pilze
haben reichlich natürliches Glutamat und verleihen einer faden Brühe den
Suchtfaktor, der einen nicht aufhören lässt, sie zu löffeln. Nur Shiitake
toppen Steinpilze noch. Man kann auch eine reine Steinpilzsuppe kochen, mit
etwas Zwiebeln, Knoblauch und Safran. Mit Gemüsebrühe aufgießen und mit
Crème fraîche und Kräutern abschmecken.
Für alle, die nun vor Langeweile gähnen, habe ich eine Steinpilzmarmelade
im Repertoire, die besonders gut zu Wild passt. Dazu nehme ich
feingewürfelte Pilze, schwitze sie mit Zwiebeln und Knoblauch an, lösche
alles mit etwas Rotwein ab, füge braunen Zucker, ein Lorbeerblatt, etwas
Apfelessig, Salz, Senfkörner, Thymian, Rosmarin und etwas Salz hinzu,
köchel alles ein und lasse es abkühlen.
Wem selbst das zu öde ist, dem empfehle ich eine Quiche mit Ziegenkäse und
Steinpilzen – aus Blätterteig oder klassischem Mürbteig. In die Teigform
kommen die angeschmorten Pilze, vermischt mit etwas Ziegenkäse. Dazu gern
noch ein Zweiglein Thymian oder Rosmarin, eine Prise Paprika, Salz und
Pfeffer, und dann bei mittlerer Hitze kurz überbacken, bis die Quiche
goldbraun ist.
Wer sich erst mal alle Optionen offen halten will, der säubert die Pilze
(ohne Wasser), schneidet sie in Scheiben, fädelt sie auf einen Faden und
lässt sie trocknen. Zu Pulver püriert ergibt das die oben erwähnte
Geheimzutat für jede erdenkliche Soße.
Man kann die Scheiben aber auch in etwas Wasser reaktivieren und daraus zum
Beispiel ein Pilzgulasch machen, mit viel Zwiebeln, etwas Knoblauch, Kümmel
und gemahlener Paprika, Zitronensaft und Thymian, Pfeffer und Salz. Ich
gebe am Ende noch einen Becher saure Sahne dazu, verziere alles mit glatter
Petersilie und mache Semmelknödel als Beilage. Köstlich! Guten Appetit.
3 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sarah Wiener
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