# taz.de -- Experte über Dürre: „Das Ausmaß der Schäden wird sich im Frühjahr zeigen“
       
       > Süddeutschland ist von extremer Dürre betroffen, die zunehmend den
       > Wäldern zusetzt. Fortwissenschaftler Ulrich Schraml warnt vor häufigeren
       > Waldbränden.
       
 (IMG) Bild: Trockene Wälder? Man sieht es schon an den Blättern
       
       taz: Herr Schraml, wie dramatisch ist die Situation der Wälder? 
       
       Ulrich Schraml: Für uns galt schon der trockene Sommer 2018 als Ausreißer,
       doch der Sommer 2026 ist noch extremer. Dieses Jahr sind wir [1][im Juni
       schon mit Hitzerekorden] und einer Dürre gestartet, die sich immer weiter
       zuspitzt. Jetzt werfen einige Laubbäume bereits ihre Blätter ab – die
       Wälder leiden erheblich.
       
       taz: Sind die Bäume damit dauerhaft geschädigt, oder werden sie sich
       regenerieren können?
       
       Schraml: Das werden wir erst im kommenden Frühjahr wissen. Die Laubbäume
       versuchen sich zu schützen, indem sie ihre Blätter abwerfen, weil sie auf
       diese Weise ihre Verdunstung reduzieren. Deswegen sind auch nicht alle
       Bäume, deren Blätter jetzt braun werden, verloren. Ob ein Baum überlebt,
       hängt vor allem auch von anderen Organismen ab. Zumeist sterben die Bäume
       ja nicht unmittelbar aufgrund des Wassermangels, sondern weil der
       Trockenstress ihre Abwehr schwächt. Dann haben [2][Borkenkäfer], die
       durchaus auch die Buche angreifen können, oder Pilze – wie die Weißfäule –
       leichtes Spiel. Es ist immer eine Kette von Ereignissen, die einem Baum zum
       Verhängnis wird. Von daher ist derzeit schwer zu prognostizieren, welche
       Schäden in den Wäldern mittelfristig entstehen.
       
       taz: Hat dieser Sommer der Forstwirtschaft neue Erkenntnisse gebracht, oder
       allein die Bestätigung geliefert, dass der Wald trocken- und
       hitzeresistenter werden muss?
       
       Schraml: Grundsätzlich wissen wir, in welche Richtung der Wald sich
       verändern muss, entsprechend läuft der Umbau seit Jahrzehnten. Wir kennen
       die Eignung verschiedener Baumarten bei Hitze und Trockenheit heute recht
       gut. [3][Die Fichte leidet oft zuerst], aber auch hochgewachsene Tannen
       schaffen es bei Dürre nicht mehr, genug Wasser bis an ihre Spitze zu
       bringen. Unter den Nadelbäumen hat die Schwarzkiefer als Art mit
       südeuropäischer Herkunft eine gute Prognose.
       
       Bei der Buche haben wir gelernt, dass sie mit der Trockenheit doch mehr
       Probleme hat als lange angenommen. Sie ist an regenreiche Sommer angepasst
       und verliert viel Wasser über ihre Blätter. Die Eiche ist da effizienter.
       Bei Buchen kann es dann passieren, dass bei Trockenheit der Wasserfaden in
       einem Trieb abreißt. Wenn dann Luft in die Leitbahnen kommt, ist das wie
       eine Embolie. Der Krone stirbt dann von oben nach unten ab.
       
       taz: Aber irgendwelche Schlüsse werden Sie aus diesem Sommer ziehen? 
       
       Schraml: Die wichtigsten Antworten auf diesen Sommer liegen zunächst
       abseits der Forstwirtschaft. Wir müssen an erster Stelle den Klimaschutz
       verbessern. Auch andere Fragen, die sich stellen, betreffen die
       Gesellschaft in ihrer Breite; zum Beispiel, wie gut wir aufgestellt sind,
       um Waldbrände zu vermeiden. Dieser Sommer zeigt uns, dass die Bedrohung
       durch Waldbrände auch bei uns zunimmt.
       
       taz: Die Zusammensetzung der Baumarten in den Wäldern muss man nach diesem
       Extremsommer also nicht neu bewerten? 
       
       Schraml: Die Suche nach dem vermeintlichen „Superbaum“ sollten wir nicht in
       den Mittelpunkt stellen – zumal neun von zehn jungen Bäumen in den Wäldern
       aus Naturverjüngung kommen, also gar nicht gepflanzt werden. Idealerweise
       unterstützt der Forstbetrieb dann den Aufwuchs der Mischbaumarten, die
       vielleicht in der Jugend wenig konkurrenzkräftig sind, aber eine gute
       Prognose haben.
       
       taz: Die öffentliche Debatte dreht sich oft um die richtige Baumart. 
       
       Schraml: Genau, zugleich geht unter, dass es noch ganz andere Aspekte gibt,
       die die Resilienz der Wälder unterstützen. Die Art des Wegebaus im
       Forstbetrieb ist zum Beispiel ein wichtiger Faktor. Die Anlage der
       Infrastruktur entscheidet nämlich darüber, ob Wasser schnell in die Bäche
       abfließt, oder aber dem Waldboden zugeführt wird. Da der Waldboden nur zu
       wenigen Zeiten mit Wasser gesättigt ist, sollten wir alles tun, um
       möglichst viel Regenwasser im Wald zu halten. Da können Versickerungsgruben
       oder kleine Tümpel helfen. Ähnliches gilt für Stadtbäume: Wir brauchen mehr
       Flächen, auf denen Regenwasser versickern kann. Die gute Durchfeuchtung der
       Böden ist das Beste, was wir den Bäumen bieten können.
       
       17 Aug 2026
       
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