# taz.de -- Merz’ Aussage zu Antisemitismus: Und er hat wieder danebengegriffen
> Friedrich Merz nennt Antisemitismus die „perfideste Form der
> Ausländerfeindlichkeit“. Man möchte einfach nur den Kopf schütteln.
(IMG) Bild: Beim Wahlkampfabschluss in Berlin mit Stefan Evers redet Merz mal wieder gefährlichen Unsinn
Friedrich Merz ist bekannt dafür, die [1][absolut falschen Worte zu
wählen]. Und er hat es wieder getan: Antisemitismus sei die „perfideste
Form der Ausländerfeindlichkeit“, sagte der Kanzler bei einer
[2][Wahlkampfveranstaltung der Berliner CDU am Donnerstagabend im
Konrad-Adenauer-Haus]. Man möchte einfach nur den Kopf schütteln. Denn in
diesem einen Satz steckt gleich so viel Problematisches.
Wer Antisemitismus als „Ausländerfeindlichkeit“ bezeichnet, sagt damit, ob
nun absichtlich oder nicht: Jüdinnen und Juden in Deutschland sind anders.
Die sind hier „fremd“. Das muss nicht mal abwertend gemeint sein – es zieht
aber eine Grenze zwischen dem kollektiven „wir“ und den „anderen“, den
Jüdinnen und Juden. Ein Fremdmachen, das lange bekannt ist; die
Wissenschaft nennt es Othering.
Natürlich zeigt Merz schon mit dem Begriff „Ausländerfeindlichkeit“ selbst,
wie fern er dem ist, was für viele Menschen in diesem Land bittere Realität
ist: Antisemitismus und Rassismus sind real, passieren jeden Tag, quer
durch alle Lebensbereiche. Aber der Antisemit, der eine Frau mit
Davidstern-Kette in Berlin mit einer abgebrochenen Flasche angreift, fragt
sie weder, ob sie denn wirklich Jüdin sei, noch nach ihrer
Staatsangehörigkeit – ebenso wenig wie der Rassist, der in Weißenfels mit
seinem Auto auf eine Gruppe Minderjähriger zufährt, erst kurz vor ihnen
bremst und dann erklärt, dass „dies nicht ihr Land“ sei. Und zu guter Letzt
ist niemandem geholfen, wenn Merz eine Hierarchie der Menschenfeindlichkeit
aufmacht: Antisemitismus ist schlimmer als Rassismus ist schlimmer als …
Es ist Wahlkampf – und quer durch die Parteienlandschaft profilieren
Parteien sich damit, das letzte Bollwerk gegen den Antisemitismus zu sein.
„Antisemiten hassen diesen Trick: CDU wählen“, wirbt Stefan Evers in
Berlin. Während seine CDU sich [3][mitten in einer Affäre um rechtswidrig
und ohne ausreichende Prüfung vergebene Fördermittel] für die
Antisemitismusbekämpfung befindet. Die Berliner Linken-Spitze derweil
[4][erklärte nach dem jüngsten antisemitischen Angriff]: „Das werden wir
als Linke nicht hinnehmen.“ Während ihre eigenen Parteigenoss*innen
einen Rapper beklatschen, der auf einer Wahlkampfveranstaltung den
[5][Terror der PFLP verherrlicht].
Was wäre das für eine Welt, in der der Kampf gegen Antisemitismus und jede
Form der Menschenfeindlichkeit tatsächlich geführt würde, weil Minderheiten
ein Recht auf Leben in Sicherheit und Würde haben. Stattdessen schreiben
alle ihn sich groß auf die Fahne – den Betroffenen geholfen ist damit aber
nicht.
18 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dinah Riese
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