# taz.de -- CDU-Fördergeldaffäre: Hartes Urteil von Linken und Grünen
> Die Opposition fügt dem Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses ein
> Sondervotum hinzu. Darin werden die verantwortlichen CDU-Politiker nicht
> geschont.
(IMG) Bild: Aufklärer der Fördergeldaffäre: Daniel Wesener (Grüne)
Ex-Kultursenator Joe Chialo (CDU) ist mit seiner Strategie also
durchgekommen. Vor dem Untersuchungsausschuss zur [1][CDU-Fördergeldaffäre]
hatte er im Juni [2][die Aussage verweigert und dabei die
Parlamentarier:innen über Stunden brüskiert]. Eine Entscheidung über
die Rechtswidrigkeit dieser Missachtung des parlamentarischen Gremiums wird
das Landgericht Anfang September treffen – und Chialo womöglich zu einem
Ordnungsgeld verurteilen.
Die Entscheidung kommt aber zu spät, um Chialo ein zweites Mal vor den
Ausschuss zu zitieren. Denn wenn am kommenden Donnerstag das
Abgeordnetenhaus den Abschlussbericht des Ausschusses zur Kenntnis nimmt,
ist die Aufarbeitung der rechtswidrigen Vergabe von 2,6 Millionen Euro an
13 von den CDU-Abgeordneten Christian Goiny und Dirk Stettner ausgesuchte
Antisemitismusprojekte formal abgeschlossen.
Zu einem gemeinsamen Verständnis des Skandals konnten sich Regierungs- und
Oppositionsfraktionen dabei nicht durchringen. Am Dienstag präsentierten
Grüne und Linke daher ihr 35 Seiten starkes Sondervotum für den
Abschlussbericht, der zuvor [3][von der Mehrheit aus CDU und SPD
beschlossen worden war].
Dabei gehe es „nicht nur um eine Ergänzung, sondern um eine Korrektur“, so
Daniel Wesener, Haushaltspolitiker der Grünen, bei der Vorstellung des
Teilberichts am Mittwoch. Wesener hatte die Aufdeckung der Affäre mit einer
Akteneinsicht ins Rollen gebracht und äußerte nun harte Kritik am Vorgehen
der Regierungsparteien, die den vom Ausschussbüro erarbeiteten Entwurf
eines Abschlussberichtes an zahlreichen Stellen verändert hatten; laut
Wesener mit dem Ziel, „die eigenen politischen Fehler der Verwaltung in die
Schuhe“ zu schieben.
## An der Verwaltung lag es nicht
Fehler sehen Wesener und die Opposition dabei in erster Linie bei Chialo
und seiner Nachfolgerin Sarah Wedl-Wilson. Beide hätten demnach „wissen
können bzw. müssen, dass die von ihnen forcierte Projektmittelvergabe gegen
Haushalts- und Förderrecht verstößt“, wie es im Sondervotum heißt. CDU und
SPD hatten dagegen argumentiert, die Warnungen aus der Verwaltung seien
nicht ausreichend gewesen, auch sei nicht zum formalen Mittel der
Remonstration gegriffen worden.
Offenkundig ist dagegen laut Wesener – und tatsächlich in den Akten
vielfach belegt – „der anhaltende, ausdrückliche und einvernehmliche
Widerspruch der Fachverwaltung“, Gelder an die Projekte auszugeben, ohne
diese ordentlich zu prüfen und ohne den Nachweis über Eigenmittel zu
verlangen.
Verwaltungsmitarbeiter bis hinauf zum später [4][entlassenen Staatssekretär
Oliver Friederici] hatten dabei auch deutlich gemacht, Zuwendungsbescheide
nicht selbst zu zeichnen. Laut Wesener seien damit alle Bedingungen einer
Remonstration, eines begründeten Widerspruchs, erfüllt. Dagegen stand aber
der „feste Vorsatz der Senator:innen a. D., die Förderung trotzdem
durchzusetzen“. [5][Gegen Wedl-Wilson ermittelt diesbezüglich die
Staatsanwaltschaft].
Anders als im Hauptteil des Abschlussberichtes werden im Sondervotum auch
die Abgeordneten Goiny und Stettner nicht geschont. Die von ihnen
vorgenommene Erstellung einer geschlossenen Projektliste, Druck auf die
Senator:innen und zum Teil auf die Verwaltung sowie eigenmächtig
gegebene Förderzusagen an die Projekte seien eine „unzulässige politische
Einflussnahme“, die zur letztlich erfolgten rechtswidrigen Mittelvergabe
beigetragen habe, wie Wesener sagte. Im Sondervotum heißt es: „Damit haben
sie der parlamentarischen Demokratie insgesamt einen Bärendienst erwiesen.“
Grüne und Linke fordern in ihrem Votum, die Arbeitsbedingungen und
Befugnisse der Antikorruptionsbeauftragten zu stärken. Diese hatte schon im
Oktober 2025 einen Bericht zur Fördergeldaffäre vorgelegt, der allerdings
insbesondere vonseiten der CDU in Zweifel gezogen worden war. Vorgeschlagen
wird zudem, die Expertise des Antisemitismusbeauftragten des Landes Berlin
bei der Bewertung von Förderanträgen hinzuziehen und Fachjurys vor
politischer Einflussnahme zu schützen.
Wofür das Geld durch die überwiegend unerfahrenen Antisemitismusprojekte
ausgegeben wurde, soll schon bald von der Verwaltung geprüft werden. Zu
Rückzahlungsforderungen dürfte es dabei kaum kommen, da Kriterien für eine
erfolgreiche Verwendung nicht aufgestellt wurden. Im Abschlussbericht der
Koalitionsfraktionen wird derweil von CDU und SPD gefordert, die Verwaltung
solle bei der Prüfung „Nachsicht walten lassen“. Wesener sieht darin eine
weitere Anmaßung von Abgeordneten, die sich über die „Gewaltenteilung“
hinwegsetzen würden: „Das zeigt, die haben gar nichts verstanden.“
19 Aug 2026
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