# taz.de -- Berliner CDU-Wahlkampfabschluss: Geschichtsunterricht bei Papa Merz
       
       > Während über sein Kanzleramt diskutiert wird, besuchte Merz den Berliner
       > Wahlkampfabschluss. Und verglich sich indirekt mit Adenauer.
       
 (IMG) Bild: Stefan Evers und Friedrich Merz: Der Kanzler durfte – anders als bei der Wahl in Sachsen-Anhalt – in Berlin vorbeikommen
       
       Wie lange hält sich Merz noch im Kanzleramt? Nachdem viele in seiner Partei
       unzufrieden mit ihm sind, versucht er nun auf allen Ebenen, seine
       Parteikolleg*innen milde zu stimmen. Dafür kam er auch zum
       Wahlkampfabschluss nach Berlin. Denn während die CDU in
       Mecklenburg-Vorpommern an der Fünf-Prozent-Hürde kratzt, gilt auch das
       Ergebnis bei der Berliner Wahl [1][als bedrohlich für Merz' Kanzlerschaft].
       
       „Gemeinsam“: Dieses Wort verwendeten CDU-Generalsekretärin Franziska
       Hoppermann und der Berliner Spitzenkandidat Stefan Evers in ihren Reden am
       Donnerstagabend im Konrad-Adenauer-Haus besonders häufig. Hoppermann
       betonte nach den vergangenen Diskussionen um ihren Parteivorsitzenden, dass
       der Berliner Wahlkampf zeige, was „an einem Strang ziehen“ bedeute.
       
       ## Evers Wahlargument: Antisemitismus verhindern
       
       Stefan Evers nutzte auch zu seinem Wahlkampfabschluss eine seiner zentralen
       Strategien der vergangenen zehn Wochen: Die CDU verhindere den Einzug der
       Linken ins Rote Rathaus und somit eine von „Extremisten“ und
       „Israelhassern“ geführte Regierung. Die Debatten innerhalb der Berliner
       Linken über die Solidarität mit Palästinenser*innen und
       antisemitische Aussagen benutzte die CDU bereits während des Wahlkampfes
       als Argument für sich. Antisemitismus setzte Evers dann gleich mit dem
       größten Thema im Berliner Wahlkampf: die Frage um die Enteignung großer
       Wohnkonzerne. Die CDU unterscheide sich von „denen, die nichts kennen als
       Spaltung: Sei es Vermieterfeindlichkeit oder Judenfeindlichkeit“, so der
       Spitzenkandidat.
       
       Außerdem versprach Evers Zuversicht und Optimismus und dass Berlin „auch in
       schwierigen Zeiten besser werden kann“. Berlin sieht er zukünftig mit
       Bayern auf einer Stufe: bei Raumfahrt und Start-ups.
       
       ## Geschichtsunterricht bei Merz
       
       Friedrich Merz hingegen benutzte seine Rede vor den Berliner
       Wahlkämpfer*innen als Geschichtsunterricht. Er erinnerte sich an Berlin
       als geteilte Stadt und gedachte auch der Wiedervereinigung. Dazu zog er
       eine Parallele zu heutiger Spaltung durch extremistische Kräfte. Zudem
       verwies er mit Hinblick auf die anstehenden Sozialreformen auf Ludwig
       Erhards Verdienste für die Marktwirtschaft. Auch hagelte es Büchertipps vom
       Kanzler, zuletzt Stefan Kolevs „Wohlstand für Junge“: einer von mehreren
       unbeholfenen Versuchen, auch junge Menschen anzusprechen, eine der
       wichtigsten Wählergruppen in Berlin.
       
       Dann zog er Parallelen zwischen seiner Regierungszeit und dem Amtsantritt
       von Konrad Adenauer. Dieser jährte sich vor einigen Tagen zum 77. Mal. In
       der CDU-Bundeszentrale, die Adenauers Namen trägt, verglich sich Merz
       indirekt mit dem ersten Bundeskanzler: „Auch damals war die Zeit nicht
       einfach. Es gab erhebliche Widerstände.“ Adenauer habe einen Kompass
       geführt, um sich trotz des Vorwurfes, „Kanzler der Alliierten“ zu sein, dem
       sogenannten Westen zu verpflichten. „Ich wähle die Freiheit“, zitierte ihn
       Merz, weil auch er heute die Freiheit wählen möchte.
       
       ## „Transatlantische Freundschaft wahrscheinlich vorbei“
       
       Auch auf die Solidarität mit [2][Kanada, für das seine Parteikollegin
       Ursula von der Leyen eine „assoziierte EU-Mitgliedschaft“ vorgeschlagen
       hatte,] kam der Bundeskanzler indirekt zu sprechen: „Die Zeit der
       unbedingten transatlantischen Freundschaft ist wahrscheinlich vorbei“,
       sagte er. Laut dem Bundeskanzler habe man lange auf die „Arbeitsteilung“
       vertraut: „Billige Produkte kommen aus China, Öl und Gas aus Russland, die
       Sicherheit aus den USA.“
       
       Damit rechtfertigte er auch die Erhöhung der Militärausgaben. „Die
       Zeitenwende ist nun Realität geworden“, bezog sich Merz auf den Begriff,
       den sein Vorgänger Olaf Scholz (SPD) im Zuge des russischen Angriffskrieges
       auf die Ukraine geprägt hatte. Für Merz sei diese Zeitenwende „schon fast
       ein Epochenbruch“. „Wahrscheinlich verstehen wir erst in einigen Jahren,
       was wir gerade erleben“, sagte der Kanzler. Auch wie groß die Gefährdungen
       innen- und außenpolitisch seien, könne erst dann richtig eingeordnet
       werden. Damit appellierte Merz auch an die jungen Generationen. Laut Merz
       sagen zwei Drittel der jungen Menschen Ja zu Bundeswehr und einem
       freiwilligen Pflichtjahr. „Also tut auch was dafür. Macht mit!“, ermunterte
       Merz großväterlich.
       
       „Deutschland ist ein Einwanderungsland“, betonte Merz. Die Worte, die aus
       dem Mund des Kanzlers radikal anmuten, grenzte er jedoch wieder schnell
       ein: Um Krankenhäuser, Baustellen, Gaststätten und Hotels am Laufen halten,
       tue Migration gut. Deshalb habe Ausländerfeindlichkeit hierzulande keinen
       Platz. Die schlimmste Form der Ausländerfeindlichkeit sei für Merz wiederum
       Antisemitismus. Und um die jüdischen Mitmenschen zu schützen, sei es auch
       nötig, diejenigen abzuschieben, „die sich nicht an die Regeln halten“.
       
       ## Veranstaltung spontan doch auf Youtube übertragen
       
       Die Veranstaltung zum Berliner CDU-Wahlkampfabschluss war zunächst
       ausschließlich als internes Event geplant. Es schien also, als würde Merz
       noch vor der eigenen Partei Wahlkampf machen müssen. Im Laufe des Tages
       wurde aber doch noch ein öffentlich einsehbarer Youtube-Stream generiert,
       dem rund 175 Zuschauer*innen folgten. Zuletzt hatten sich auch die
       CDU-Länderchefs zusammengerissen [3][und sich hinter den Kanzler gestellt].
       
       Merz durfte also – anders als bei der Wahl in Sachsen-Anhalt –
       vorbeikommen. Auch für den Wahlabend am kommenden Sonntag lädt er das
       CDU-Präsidium zu einer formellen Sitzung ein. Dort sollen die
       Wahlergebnisse der Landtagswahlen und ihre [4][Folgen für die CDU]
       besprochen werden.
       
       17 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Adam Schwedhelm
       
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