# taz.de -- Abgeordnetenhauswahl am Sonntag: Die tragische Gestalt des Wahlkampfs
> Steffen Krach hat nicht bloß möglicherweise unschuldig mit der Justiz zu
> tun. Auch seine eigene Partei hat ihm das jüngste Jahr nicht leicht
> gemacht.
(IMG) Bild: In seiner Partei könnte es Versuche geben, ihm eine absehbare Wahlniederlage komplett anzulasten: SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach
Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) will nicht gewusst
haben, dass sich die Razzien der Hannoveraner Staatsanwaltschaft gegen
ihren Parteifreund Steffen Krach richteten, den SPD-Spitzenkandidaten bei
der Abgeordnetenhauswahl. Am Vorabend der Durchsuchungen in der vorigen
Woche habe man ihr nur gesagt, es handle sich um einen „Bewerber der SPD“
bei den anstehenden Wahlen.
Da fünf Tage später in Niedersachsen Kommunalwahlen anstanden, will die
Ministerin davon ausgegangen sein, dass es sich um einen dortigen Bewerber
handelte. „Ich habe an die Wahl in Berlin überhaupt gar nicht gedacht“,
sagte Wahlmann am Mittwoch im Rechtsausschuss des niedersächsischen
Landtags. Zum Zeitpunkt der Durchsuchungen, wenige Tage vor der Wahl, sagte
die Ministerin, es sei ein „erstaunlicher Termin“. Dass es sich um Krach
handelte, soll sie erst erfahren haben, als die Durchsuchungen schon
liefen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Krach [1][wegen eines Verdachts der
Vorteilsnahme]. Dabei geht es um eine 9.900-Euro-Spende Ende 2025 an die
Berliner SPD. Hintergrund ist die Entscheidung über die neue Nutzung eines
Klinikgeländes im knapp 20 Kilometer östlich von Hannover gelegenen Lehrte.
Krach war als dortiger Regionspräsident eingebunden.
## Widerstand gegen Krach-Standpunkte
Die Zeitung Die Welt berichtete jüngst von einem 24-seitigen
Aufsichtsratsprotokoll, das Krachs Darstellung stützen würde, die er bei
einer Pressekonferenz am Tag nach den Durchsuchungen gab. Demnach hatte
Krach in einer Sitzung des Gremiums nicht Einfluss genommen, sondern sich
der Stimme enthalten. So hatte es Krach auch selbst dargestellt. In der
Pressekonferenz konnte er [2][zudem belegen], dass die Berliner SPD die
Parteispende zeitnah zurücküberwiesen hatte.
Stellen sich die Vorwürfe als unberechtigt heraus, so würde Krach endgültig
zur tragischen Figur der Berlin-Wahl. Denn vor der Justiz hat ihm schon
seine eigene Partei den Wahlkampf erschwert. Es fing damit an, dass die
Sozialdemokraten auf unterschiedliche Weise das Vorstands-Duo, das Krach
wieder nach Berlin geholt hatte, [3][zum Rücktritt brachte]n – Martin Hikel
und Nicola Böcker-Giannini spielen keine Rolle mehr in der Berliner SPD.
Und noch beim Landesparteitag im Mai gab es lange Diskussionen um zwei
zentrale Forderungen Krachs, etwa ein Handyverbot an Grundschulen. Noch
stärker war der innerparteiliche Widerstand bei der von Krach unterstützten
Olympia-Bewerbung: Rund jeder dritte Delegierte stimmte dafür, [4][das
Thema Olympia aus dem Entwurf des Wahlprogramms zu streichen].
Nicht auszuschließen ist, dass maßgebliche Kräfte in der Partei sich schon
auf Krach als Sündenbock festgelegt haben, falls die SPD am Sonntag [5][so
schlecht wie noch nie in Berlin bei einer Abgeordnetenhauswahl]
abschneidet. Wobei es keine klassische Niederlage oder Abwahl wäre, die in
die Opposition führt: Egal, ob die Linkspartei oder die CDU künftig im
Roten Rathaus das Sagen hat, die SPD wird wie bisher als Juniorpartner
mitregieren. Ohne sie reicht es weder zum Linksbündnis noch zur
Kenia-Koalition.
16 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ermittlungen-wegen-Bestechlichkeit/!6212050
(DIR) [2] /Abgeordnetenhauswahl-am-20-September/!6211308
(DIR) [3] /SPD-Desaster/!6124445&s=martin+hikel+krach+alberti/
(DIR) [4] /SPD-Landesparteitag/!6177542
(DIR) [5] https://www.wahlrecht.de/ergebnisse/berlin.htm
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
(DIR) SPD Berlin
(DIR) SPD
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Berliner CDU-Wahlkampfabschluss: Geschichtsunterricht bei Papa Merz
Während über sein Kanzleramt diskutiert wird, besuchte Merz den Berliner
Wahlkampfabschluss. Und verglich sich indirekt mit Adenauer.