# taz.de -- Repression in der Türkei: Festnahmen bei Demos gegen LGBTIQ-Repression
       
       > In der Türkei kam es nach landesweiten Razzien gegen queere Institutionen
       > zu Protesten. Dabei wurden erneut Menschen festgenommen.
       
 (IMG) Bild: Solidarität mit Personen aus der LGBTIQ-Community in Izmir am 14. September 2026
       
       Mit grober Polizeigewalt und etlichen Festnahmen reagierte die türkische
       Regierung in den letzten Tagen auf Protestaktionen gegen die [1][Razzien
       und Verhaftungen innerhalb der LGBTIQ-Community]. Zunächst in Izmir, dann
       auch in Istanbul demonstrierten Menschen vor Gerichtsgebäuden, in denen
       verhaftete Mitglieder von LGBTIQ-Vereinen dem Haftrichter vorgeführt
       wurden. In Sprechchören forderten sie die Freilassung der festgenommenen
       AktivistInnen.
       
       Die Polizei ging in beiden Städten massiv gegen die Demonstrierenden vor.
       Die Proteste wurden sofort für illegal erklärt, die Demonstrierenden
       eingekesselt und etliche von ihnen vorübergehend festgenommen. Unter den
       Festgenommenen sind auch ein Reporter der linken Zeitung Birgün, Sarya
       Toprak, und ein Kameramann des Istanbuler ARD-Büros, Şener Azak.
       
       Zumindest Azak war am Mittwoch wieder auf freiem Fuß. Schon in der Nacht
       von Sonntag auf Montag war die Journalistin Tugba Tekerek festgenommen
       worden. Sie hatte einen Dokumentarfilm über die LGBTIQ-Szene in Georgien
       gemacht. Tugba Tekerek sitzt mittlerweile in U-Haft.
       
       Die insgesamt rund 100 Personen, die in Izmir und Istanbul während der
       Demonstrationen festgenommen wurden, sollen nach 24 Stunden, also noch am
       Mittwoch oder Donnerstag wieder freigelassen werden. Das gilt jedoch nicht
       für die Festnahmen und Verhaftungen von AktivistInnen aus der
       LGBTIQ-Community am Samstag und Sonntag.
       
       ## Homosexualität ist in der Türkei legal
       
       Insgesamt wurden 71 Personen festgenommen, 26 in Istanbul, 21 in Ankara, 18
       in Izmir und 6 in Kuşadası. Davon wurden nach Informationen aus
       Anwaltskreisen bis jetzt 29 von einem Haftrichter in U-Haft genommen.
       Offiziell gab die Justiz bekannt, es würden Ermittlungen gegen 162
       Personen, 9 Vereine und 13 Unternehmen, also Klubs und Bars, stattfinden.
       
       Die Vorwürfe lauten „Verbreitung von obszönen Inhalten“ und „Beihilfe zu
       Prostitution“. Da Homosexualität selbst nach wie vor nicht verboten ist,
       versuchen Regierung und Justiz die LGBTIQ-[2][Community über diesen Umweg
       zu treffen]. Angeblich geht es der Regierung vor allem um Jugendschutz.
       Jugendliche und Kinder sollen nicht mit der Community in Berührung kommen,
       heißt es.
       
       Deshalb läuft die gesamte Repressionskampagne auch unter dem absurden Namen
       „Sicherheit für meine Familie“. Seit Jahren wird gegen die LGBTIQ-Community
       in der Türkei immer repressiver vorgegangen. Pride-Paraden sind seit über
       zehn Jahren komplett verboten, die Menschen sollen aus der Öffentlichkeit
       völlig verschwinden.
       
       Die EU hat am Montag angemahnt, die Türkei solle doch bitte auch die
       Menschenrechte der Gemeinschaft respektieren. Der Abgeordnete der Linken im
       Bundestag Maik Brückner hat das Schweigen der Bundesregierung beklagt und
       gefordert, in der Türkei verfolgte Schwule, Lesben und queere Menschen
       sollten in Deutschland Asyl erhalten.
       
       16 Sep 2026
       
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