# taz.de -- LGBTIQ-Razzien in der Türkei: Repressionen als Gradmesser des Demokratieabbaus
       
       > Präsident Recep Tayyip Erdoğan geht mit aller Härte gegen Minderheiten
       > und politische Gegner vor. Sein Ziel: das Ende der säkularen Republik.
       
 (IMG) Bild: Eine Gruppe nach der anderen wird verfolgt, illegalisiert und zum Schweigen gebracht in der Türkei, jüngst nun die Regenbogengang
       
       Homosexualität wird in den meisten islamisch geprägten Staaten mehr oder
       weniger drastisch strafrechtlich verfolgt. Im Iran etwa droht Schwulen die
       Todesstrafe. So weit ist es in der säkularen Türkei noch nicht. Doch die
       Säkularität erodiert im gleichen Maße wie die Demokratie, die den
       pluralistischen Staat erst ermöglichte. Noch ist Homosexualität nicht
       verboten, doch die heutige Türkei nimmt der LGBTIQ+-Community gezielt die
       Luft zum Atmen. Die [1][massenhaften Verhaftungen in der queeren Community]
       sind Strategie.
       
       Fast 25 Jahre ist Recep Tayyip Erdoğan an der Macht. In dieser Zeit hat die
       Türkei sich dramatisch verändert. Noch vor gut zehn Jahren gab es in
       [2][Istanbul Pride-Paraden] mit mehreren Zehntausend Teilnehmer*innen. Und
       noch 2019 gelang es dem Oppositionspolitiker Ekrem İmamoğlu bei
       demokratischen Wahlen, Erdoğan und seiner AKP die wichtigste Metropole
       Istanbul abzunehmen. Beides ist heute nicht mehr denkbar. Pride-Paraden
       sind verboten und İmamoğlu [3][sitzt seit über einem Jahr in Haft] und muss
       ein absurdes Urteil nach dem anderen ohnmächtig hinnehmen.
       
       Wenn die Toleranz gegenüber Minderheiten ein Gradmesser für die
       demokratische Gesinnung einer Regierung ist, kann man an der sich ständig
       verschärfenden Repression gegen die queere Community in der Türkei sehen,
       wie wenig davon in der Regierung Erdoğan übriggeblieben ist. Die säkulare
       Opposition versucht sich zwar zu wehren und kommt sogar zeitweilig in die
       Offensive, doch Erdoğans Machtstrukturen sind so massiv, dass sie bis jetzt
       noch jeden Widerstand niedergemacht haben. Demokratie, Minderheitenschutz
       und rechtsstaatliche Verfahren verkommen in der Türkei zur Farce. Die
       Hoffnung, Erdoğans Regime durch Wahlen beenden zu können, ist verschwindend
       gering.
       
       Als Krönung seiner Regierungszeit will Erdoğan eine neue Verfassung
       durchsetzen. Aus der säkularen Republik soll ein autoritärer islamischer
       Staat werden. Der jüngst geschlossene Militärpakt mit Saudi-Arabien und
       Pakistan zeigt, wohin die Reise gehen soll.
       
       14 Sep 2026
       
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