# taz.de -- Rede zur Lage der Union: Von der Leyen überspannt den Bogen
       
       > In ihrer Rede zur Lage der Union lässt die EU-Kommissionspräsidentin
       > viele Fragen offen. Wohin Europa mit ihr steuert, bleibt unklar.
       
 (IMG) Bild: Kanadas Premierminister Mark Carney hört Ursula Von der Leyen aufmerksam zu. Straßburg 16.09.2026
       
       Große Worte, wenig Taten: Das war immer schon das Problem mit
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die [1][Rede zur Lage der
       Union], die von der Leyen im Europaparlament in Straßburg gehalten hat,
       machte da keine Ausnahme. Sie war ein Wünsch-dir-was, gab aber keine
       Orientierung.
       
       Wie ernst die Lage in der EU wirklich ist, verriet die CDU-Politikerin
       nicht. Europa sei stärker denn je, sagte sie, gleichzeitig sei die Lage
       aber auch verdammt gefährlich. Was denn nun? Sind wir im Krieg mit
       Russland, können wir uns gegen Donald Trump wehren? Unklar.
       
       Wohin die Reise geht, blieb auch offen. Man müsse der Ukraine über den
       Winter helfen, erklärte von der Leyen. Doch wie sie die Hilfe finanzieren
       will, sagte sie nicht. Kyjiw geht schon jetzt das Geld aus, trotz
       Milliardenkredit. Muss die EU noch mehr zahlen? Auch unklar.
       
       Kanada soll das erste assoziierte Mitglied der EU werden, hieß es in
       Straßburg. Klingt gut – aber Kanada ist kein europäisches Land und niemand
       weiß, was Assoziierung bedeuten soll. Wird von der Leyen [2][dem
       kanadischen Premier Carney im Handelsstreit mit Trump] helfen? Wieder
       unklar.
       
       Mit unklaren Aussagen kann man vielleicht Fantasien wecken, aber keine
       Geopolitik machen. Die EU ist jetzt schon überdehnt und unterfinanziert.
       Wenn jetzt auch noch Kanada und die Ukraine hinzukommen – Kyjiw wurde ja
       sogar die Mitgliedschaft versprochen – wird der Bogen überspannt.
       
       Von der Leyen will im Klub der Großen mitspielen, sagt aber nicht, wie das
       gehen soll. Sie führt sich auf wie die Präsidentin einer Großmacht,
       entwirft aber keine schlüssige Strategie. Sie will mehr Kompetenzen, legt
       aber keine Rechenschaft über ihre eigene Arbeit ab.
       
       Das ist mehr als ein Ärgernis, es ist ein riesiges Problem. Schließlich hat
       die Kommissionschefin bereits andere, unvollendete Baustellen aufgemacht.
       Im vorigen Jahr versprach sie, Europa unabhängig zu machen – stattdessen
       ist die EU noch abhängiger von den USA geworden. [3][Auch der „Green Deal“
       – von der Leyens erstes großes Versprechen – kommt kaum noch voran,
       teilweise wird er schon wieder abgewickelt.]
       
       Deshalb wirkt das Großmachtgehabe der EU-Präsidentin deplatziert. Von der
       Leyen fabuliert die EU in immer neue Abenteuer. Wohin das führen soll:
       unklar.
       
       16 Sep 2026
       
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