# taz.de -- AfD bei Berlin-Wahl: Hinter Linken, CDU und den eigenen Ansprüchen
       
       > Die AfD steht bei rund 14 Prozent und nur auf Platz 4 bei der Wahl zum
       > Berliner Abgeordnetenhaus. Rückenwind nach der Sachsen-Anhalt-Wahl blieb
       > offenbar aus.
       
 (IMG) Bild: Deutlich hinter den Umfragewerten: AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker (3. v. r.) schaut fern am Wahlabend
       
       Die AfD hat bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ihr Ergebnis
       verbessert, liegt aber klar hinter Linken und CDU – und wohl auch den
       eigenen Ansprüchen. Laut ersten Hochrechnungen kommt die extrem rechte
       Partei auf 13,9 Prozent und liefert sich mit den Grünen ein knappes Rennen
       um den dritten Platz.
       
       Bei der Wiederholungswahl 2023 hatte die AfD noch 9,1 Prozent erzielt. Die
       Zugewinne hatten sich jedoch abgezeichnet. Umfragen schätzten die Partei
       zuletzt sogar auf 17 bis 19 Prozent. Zudem war die AfD bereits bei der
       Bundestagswahl 2025 in Berlin auf 15,2 Prozent gekommen – und auch bei der
       Abgeordnetenhauswahl 2016 hatte die AfD mit 14,2 Prozent ein ähnlich hohes
       Ergebnis eingefahren. Mit Blick auf diese Zahlen fallen die aktuellen
       Stimmgewinne also bestenfalls niedrig aus.
       
       Es ist ohnehin ein deutlich schwächeres Ergebnis als in
       Mecklenburg-Vorpommern, wo am Sonntag ebenfalls gewählt wurde. Zudem wird
       die AfD in Berlin [1][bei der Regierungsbildung keine Rolle spielen].
       
       ## Radikal hinter bürgerlicher Fassade
       
       Trotzdem steht fest: Die Partei hat sich in Berlin etabliert. Die
       Hochburgen liegen vor allem außerhalb des S-Bahn-Rings und eher im Osten
       der Stadt, wo die AfD auch Direktmandate holen dürfte (aktuelle Zahlen auf
       [2][taz.de]). Die künftige Fraktion im Abgeordnetenhaus verfügt
       voraussichtlich über mindestens 20 Sitze.
       
       Selbst eine Zusammenarbeit mit dem BSW im Abgeordnetenhaus – sofern die
       Wagenknecht-Partei über die 5-Prozent-Hürde kommt – dürfte wirkungslos
       bleiben. Ersten Prognosen zufolge würden beide Parteien zusammen auf
       weniger als ein Viertel der Sitze kommen und damit auch das Quorum
       verfehlen, um einen Untersuchungsausschuss einzusetzen.
       
       Im Wahlkampf hatte die Berliner AfD vor allem Selbstverharmlosung
       betrieben. Das nach außen für AfD-Verhältnisse gemäßigte Auftreten von
       Spitzenkandidatin und Landeschefin Kristin Brinker soll dem Landesverband
       einen bürgerlichen Anstrich verleihen.
       
       Hinter dieser Fassade [3][dominiert aber auch in Berlin die
       völkisch-nationalistische Strömung]. Ihre Vertreter*innen finden sich
       auf vorderen Listenplätzen und somit auch im neuen Abgeordnetenhaus wieder.
       Dazu zählen etwa der Vize-Landeschef Alexander Bertram, der Chef der
       Berliner Parteijugend, Martin Kohler, sowie die ehemalige „Flügel“-Obfrau
       Jeannette Auricht.
       
       ## Razzia bei Brinker-Mitarbeiter
       
       Doch auch Landeschefin Kristin Brinker ist keineswegs gemäßigt. Nach dem
       Unterschied zwischen ihr und Thüringens AfD-Chef, dem Faschisten Björn
       Höcke, gefragt, antwortete sie: „Er ist ein Mann, ich bin eine Frau.“ Und:
       „Wir sind Mitglieder einer Partei.“
       
       Erst am Samstag war Brinker zudem in die Schlagzeilen geraten, weil die
       Polizei die Wohnung eines Mitarbeiters durchsucht und dabei
       Nazi-Devotionalien und Drogen gefunden hatte. Der Mann steht zudem im
       Verdacht, gegen das Sprengstoff- und Waffengesetz verstoßen zu haben.
       
       Brinker redete den Vorfall umgehend klein. Sie sagte über ihren
       Mitarbeiter: „Ich hatte niemals einen Anhaltspunkt dafür, dass er in einer
       solchen Richtung tickt. Er ist einfach ein Sammler.“
       
       ## Kein Rückenwind aus Sachsen-Anhalt
       
       Inhaltlich setzte die Partei im Wahlkampf auf das Thema Mieten – in ihrem
       eigenen Ton. Mit der rassistischen Kampagne „Wohnungen sind keine
       Asylheime“ versuchte man, auf dem Feld zu punkten. Daneben warb die AfD mit
       „Remigrations“-Forderungen, Law and Order und Disziplinierung an Schulen.
       
       Genutzt hat es der Partei offenbar kaum. Auch ein zusätzlicher
       Mobilisierungseffekt nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt ist wohl
       ausgeblieben, ebenso wie spürbare Stimmgewinne durch die höhere
       Wahlbeteiligung.
       
       Sobald die Regierungsbildung in Berlin abgeschlossen ist, droht der
       Berliner AfD zudem weiteres Ungemach: Dann will der Verfassungsschutz
       darüber informieren, ob der Landesverband als rechtsextremer Verdachtsfall
       beobachtet wird.
       
       20 Sep 2026
       
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