# taz.de -- AfD-Vetternwirtschaft in Niedersachsen: Wird AfD-Chef Schledde bald angeklagt?
> Seit mehr als zwei Jahren laufen Ermittlungen gegen Niedersachsens
> AfD-Chef Ansgar Schledde. Laut Medien steht jetzt die Anklageerhebung
> bevor.
(IMG) Bild: Zumindest in seinem Landesverband fester im Sattel denn je: Ansgar Schledde
Es ist schon mehr als zwei Jahre her, dass die Ermittler die AfD-Zentrale
[1][in Hannover und in Ansgar Schleddes Heimat-Kreisverband Ems-Vechte
durchsuchten] und Karton um Karton mit potenziellen Beweismitteln
heraustrugen.
Nun – so berichten die Hannoversche Allgemeine Zeitung und der NDR – könnte
die Anklageerhebung unmittelbar bevorstehen. Die Staatsanwaltschaft
Hannover will das bisher nicht offiziell bestätigen. Die Ermittlungen seien
nicht abgeschlossen, heißt es dort.
Allerdings soll im Landtag ein erneuter Antrag auf Aufhebung der Immunität
Schleddes eingegangen sein. Das ist notwendig, wenn ein neuer
Verfahrensschritt bevorsteht wie etwa die Anklageerhebung oder auch eine
deutliche Ausweitung des Verfahrens. Entscheiden kann der Landtag darüber
aber erst im September in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause.
In dem aktuellen Ermittlungsverfahren geht es vor allem um Verstöße gegen
das Parteiengesetz. Es besteht der Verdacht, dass Schledde eine schwarze
Kasse geführt hat. Die soll durch Barspenden und Überweisungen gefüllt
worden sein, die in den Rechenschaftsberichten der Partei nicht
ordnungsgemäß deklariert wurden. Die AfD Niedersachsen bestreitet das,
genauso wie Schledde selbst.
## Schleddes Name fällt immer wieder
Zum ersten Mal öffentlich wurde dieser Vorwurf durch den
Ex-AfD-Landtagsabgeordneten Christopher Emden, der behauptete, von ihm
seien Zahlungen gefordert worden, um einen aussichtsreichen Listenplatz
abzusichern. Die daraus folgenden [2][gerichtlichen Auseinandersetzungen
gingen über mehrere Instanzen] und führten sogar zu [3][einer Anfechtung
der niedersächsischen Landtagswahl]. Letztlich konnte Emden seine Vorwürfe
aber nicht hinreichend belegen.
Ein weiteres Ermittlungsverfahren soll den Vorwurf betreffen, Schledde habe
Personalaufwendungen, die eigentlich für die Abgeordnetenbüros eingesetzt
werden sollten, für Parteizwecke eingesetzt. Interne Kritikerinnen
Schleddes sprechen von einem 65/35-System.
Auch in den großen Debatten um Überkreuzbeschäftigungen, bekannt geworden
als Vetternwirtschaftsaffäre, fiel Schleddes Name immer wieder. So sollen
unter anderem seine Ex-Frau und seine Ehefrau mit Posten in
Abgeordnetenbüros versorgt worden sein.
Bei den [4][großen Auseinandersetzungen, mit denen sich die NRW-AfD gerade
zerlegt hat,] wurde Schledde überdies immer wieder als
Abschreckungsbeispiel beschworen. Dem nordrhein-westfälischen
Landesvorsitzenden Martin Vincentz wird vorgeworfen, in seinem
Landesverband ein ähnliches Machtsystem aus Günstlings- und
Vetternwirtschaft etabliert zu haben.
Bisher ist es Ansgar Schledde, dem großen Strippenzieher in der
niedersächsischen AfD, allerdings immer gelungen, seine parteiinternen
Widersacher und Kritiker kaltzustellen. Das betrifft sowohl den
[5][Ex-Fraktionschef Stefan Marzischewski-Drewes als auch] die
Europaabgeordnete Anja Arndt und die Bundestagsabgeordnete Martina Uhr.
Sie hatten im Februar Brandbriefe und Dossiers an den Bundesvorstand der
AfD geschickt, in denen sie Parallelstrukturen und Demokratiedefizite im
niedersächsischen Landesverband beklagten und die Bundespartei baten,
einzugreifen.
Daraufhin wurde als Erste die Bundestagsabgeordnete Martina Uhr aus der
Landesgruppe geworfen. Man wirft ihr vor, ihrerseits Vetternwirtschaft zu
betreiben, weil sie ihren Lebensgefährten und ihre Tochter im Büro
beschäftigt haben soll.
Kurz darauf wird gegen die Europaabgeordnete Anja Arndt ein
Parteiausschlussverfahren angestrengt. Der von ihr mitgegründete „Verein
zur Förderung der innerparteilichen Demokratie“ wird auf dem
Landesparteitag in Dötlingen auf die Unvereinbarkeitsliste gesetzt. Alle
ihre Rechte als Parteimitglied ruhen bis zum Ende des Verfahrens. Ihr Sohn
und ihr Mann machen allerdings weiter.
Auch gegen Stefan Marzischewski-Drewes, der bei der Landtagswahl 2022
immerhin noch Spitzenkandidat der AfD in Niedersachsen war und danach zwei
Jahre lang die Fraktion anführte, strengte der Landesverband ein
Parteiausschlussverfahren an und warf ihn aus der Fraktion.
## Die Partei wählt ihn brav wieder
In der [6][Landespartei] kursiert die Erzählung, bei all diesen Kritikern
handele es sich ja bloß um Enttäuschte, deren Karrieren nicht so verlaufen
seien, wie sie sich das vorgestellt haben. Oder sie seien eben selbst
machtgierig. Tatsächlich lassen sich inhaltliche Unterschiede oder
Konfliktlinien zwischen den streitenden Teilen der Partei kaum ausmachen.
Der amtierende Landeschef Ansgar Schledde wurde auf besagtem Parteitag im
April 2026 mit 95 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Das ist noch einmal
deutlich mehr, als er auf dem Parteitag 2024 in Unterlüß erhalten hatte –
kurz nachdem die Polizisten all die Kartons aus seinen Büros getragen
hatten, erhielt er immerhin 79,75 Prozent der Stimmen.
Möglicherweise ist die Justiz also die einzige Instanz, die Schledde etwas
anhaben kann. Bei dieser Art von Verstößen gegen das Parteiengesetz –
Verschweigen von Spenden, Betreiben schwarzer Kassen – reicht der
Strafrahmen von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von bis zu
drei Jahren. Aber dazu müsste man ihm das natürlich erst einmal nachweisen.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
30 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Nadine Conti
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