# taz.de -- Landtagsneubau in Sachsen: Protzbauten am Elbufer
> Der Sächsische Landtag startet für 450 Millionen Euro den Um- und Neubau
> seiner Gebäude. „Gigantisch“ sei das in Zeiten des Spardiktats, sagt der
> Steuerbund.
(IMG) Bild: Dresden, Sachsen, 9. September: Spatenstich für den Erweiterungsbau des Sächsischen Landtags
Die Demokratie ist eine Baustelle, weiß man spätestens seit der
[1][Sachsen-Anhalt-Wahl]. [2][Nebenan in Sachsen], wo erst 2029 gewählt
wird, sogar eine besonders teure. Am Mittwoch der vorigen Woche griff
Politprominenz des Freistaates auf dem Landtagsvorplatz zum Spaten und
feierte die Demokratie mit dem Baustart für einen weiteren ihrer Tempel.
Ein Kubus im Innenhof des Landtages und ein angesetzter Block sollen das
bisherige Gebäude am Elbufer unweit der Semperoper entlasten, damit es ab
2030 generalsaniert werden kann. Bis 2037 werden Kosten von 450 Millionen
Euro veranschlagt, eine Reserve von 130 Millionen für steigende Baukosten
inclusive.
Der Landtags-Altbau mit Verwaltung, Abgeordnetenbüros und Kantine ist schon
vor etwa hundert Jahren als Finanzamt errichtet worden. In der DDR saßen
hier die Stadt- und Bezirksleitung Dresden der SED-Staatspartei. Nach 1990
tagte der Landtag provisorisch zunächst in der Dreikönigskirche, bevor er
1994 endgültig in dieses Gebäude umzog. Dafür wurde es durch einen
vielbeachteten und prämierten Anbau mit Plenarsaal des Architekten Peter
Kulka ergänzt, der tatsächlich die Anmutung einer „Halle des Volkes“
verströmt.
Einen Sanierungsbedarf behauptet nicht nur die Landtagsverwaltung. Auch
Kritiker bestreiten ihn nicht grundsätzlich. Medien und
Kommunikationsleitungen sind verschlissen, es gibt Wassereinbrüche,
Barrierefreiheit ist nur bedingt gegeben, und die Klimatisierung lässt zu
wünschen übrig. Die Besucherzahlen sind gestiegen, [3][der Landtag auf
sechs Fraktionen angewachsen]. Nach Angaben von Landtagspräsident Alexander
Dierks (CDU) müssen inzwischen für zwei Drittel der Verwaltungsmitarbeiter
externe Flächen von 4.000 Quadratmetern angemietet werden. Er spricht
deshalb von einer „komplexen Operation am arbeitenden Herz der Demokratie“.
## Der gesamte Landtag stimmte dafür
Den Beschluss für eine umfassende Sanierung mit zwei Neubauten fassten
schon 2022 keine Landtagsausschüsse und kein Plenum, sondern einstimmig das
Landtagspräsidium, in dem alle Fraktionen vertreten waren. Also neben der
Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen auch die AfD und die Linke. Ein
Jahr nach dem Beschluss fiel das Projekt des Landes im Bauausschuss der
Landeshauptstadt Dresden allerdings durch. Mit dem Entwurf für die beiden
Neubauten wurde erneut der 2024 dann verstorbene Architekt Peter Kulka
betraut. Ästhetische Kritik ist seither allerdings nicht verstummt. Denn
der Kubus im Innenhof stört dessen Charakter als Ruhe- und Feierort, und
der 84 Meter lange Klotz am Elbufer nebenan stört die gerühmte optische
Wirkung des Plenarsaales und den Blick auf den ehemaligen
Erlwein-Stadtspeicher, heute Maritim-Hotel.
Kritisiert wird zudem Aufwand und Ausmaß des Neubaus. Sachsens
Finanzminister Christian Piwarz (CDU) hatte in Krisenzeiten eigentlich den
Grundsatz „Kein Neubeginn von Bauten, Sanierung geht vor Neubau“ verkündet.
Anfang September brachte er den Rekord-Doppelhaushalt 2027/28 in den
Landtag ein, für den erstmals das stolze Sachsengelöbnis der
Schuldenfreiheit gebrochen und 1,5 Milliarden Euro Kredite aufgenommen
werden müssen. Über die für den Landtagsneubau erforderlichen Mittel muss
der Landtag stets aufs Neue beschließen. Gespart wird dort aber auch, wie
die Sächsische Zeitung erfuhr. Für die von Abgeordneten und Mitarbeitern
gewünschten Aktenhalter auf den Toiletten gibt es kein Geld.
Der Bund der Steuerzahler Sachsen spricht dennoch von „Gigantismus“. „Dass
sich die Politik ausgerechnet beim eigenen Parlamentssitz ein monumentales
Sonderrecht herausnimmt, ist ein fatales Signal an die Bevölkerung“,
kritisiert Präsident Dirk Mohr. Dort gelte das sonst verkündete Prinzip des
Zusammenrückens offenbar nicht. Auch der Radfahrerclub ADFC empört sich.
„Für das Geld kann man über tausend Kilometer Radwege bauen“, erregt sich
Landesvorsitzender Konrad Krause. Die Mittel dafür kürzt der
Haushaltsentwurf um 85 Prozent.
Der erste Spatenstich verlief dennoch geräuschlos und ohne Proteste. Es sei
denn, man wertet den Beitrag des Landespolizeiorchesters als Satire. Es
intonierte passend zum Vorhaben die Melodie der Kultfernsehserie vom
Außerirdischen Alf.
14 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Michael Bartsch
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