# taz.de -- Bundeshaushalt für 2027: Kritik an Klingbeils Klima-Sparplänen
> Der Finanzminister will Geld aus dem Klima- und Transformationsfonds
> abziehen. Außerdem drohen internationale Hilfsgelder einzubrechen.
(IMG) Bild: Bauarbeiter werkeln am Schienennetz der Deutschen Bahn: Geld fürs Klima will die Bundesregierung teils einsparen
Die Bundesregierung will beim Klimaschutz sparen – und erntet dafür Kritik
von Grünen, Linken sowie Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. Die
Bundesregierung kürze die Mittel für den Kampf gegen die Erderwärmung,
kritisierte die Grünen-Abgeordnete Claudia Müller am Dienstag im Bundestag.
Hier hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) seinen
Haushaltsentwurf für 2027 und die Finanzplanung bis 2030 vorgestellt. „Die
Klimakrise kostet Menschenleben, und die Wirtschaft kostet sie Milliarden“,
so die Politikerin.
Besonders im Fokus der Grünen: Klingbeil will 2,7 Milliarden Euro aus dem
Klima- und Transformationsfonds, aus dem der Bund Klimaprogramme
finanziert, in den normalen Haushalt schieben. Der Sozialdemokrat
argumentiert, auch dort kämen sie teils klimafreundlichen Zwecken zugute.
Die Grünen hingegen sehen eine Zweckentfremdung.
Auch ein Bündnis von 13 Umwelt- und Sozialverbänden, Gewerkschaften,
Jugendverbänden und Entwicklungsorganisationen forderte die Regierung am
Dienstag [1][in einem gemeinsamen Appell auf], die Umschichtungen
zurückzunehmen.
Die Expert*innen des Thinktanks Zukunft Klimasozial haben die Pläne für
den KTF [2][analysiert]. Demnach besteht eine 7,8 Milliarden Euro große
Lücke zwischen geplanten Ausgaben und absehbar geringeren Einnahmen des
Fonds – unter anderem wegen der Umschichtung. Und: „Ein Großteil der
Ausgaben aus dem Fonds fließt in Energiekostenentlastungen für die
Industrie anstatt in dringend notwendige Investitionen für Unternehmen oder
Förderprogramme mit sozialem Fokus für private Haushalte“, sagt
Thinktank-Chefin Brigitte Knopf, die bis September 2025 noch die
Bundesregierung im Expertenrat für Klimafragen beriet.
## Klimahilfsgeld für arme Länder in Gefahr
Für Kritik sorgt auch der erneute Rückgang des Etats für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung. Das Ministerium soll im kommenden Jahr mit
9,47 Milliarden Euro knapp 6 Prozent weniger Geld zur Verfügung haben.
Auch das hat Auswirkungen auf den Klimaschutz. Aus dem Entwicklungshaushalt
kommt der Löwenanteil des Gelds, das Deutschland Ländern im Globalen Süden
für Klimaschutz und Klimaanpassung zahlt. [3][Angela Merkel (CDU) hatte als
Bundeskanzlerin auf einem G7-Gipfel im Jahr 2021 das Versprechen
abgegeben,] dass Deutschland die jährlichen Hilfsgelder von damals rund 4
Milliarden Euro bis 2025 auf 6 Milliarden Euro anheben werde. Im Jahr 2024
erreichte Deutschland das Ziel nach Regierungsangaben erstmals. Für das
vergangene Jahr gibt es noch keine offizielle Bilanz.
Die Antwort auf eine Anfrage von Linken-Abgeordneten an das
Entwicklungsministerium von Reem Alabali Radovan (SPD) legt nahe:
Ausdrücklich zu dem 6-Milliarden-Versprechen bekennen will sich Schwarz-Rot
offenbar nicht mehr. Das Dokument liegt der taz vor.
Auf die Frage, ob die Bundesregierung denn zuversichtlich sei, die Zusage
2026 und 2027 einzuhalten, antwortet der parlamentarische Staatssekretär
Johann Saathoff ausweichend. Der deutsche Beitrag zur internationalen
Klimafinanzierung werde jeweils erst im Folgejahr erhoben, „sodass zum
jetzigen Zeitpunkt noch keine verbindlichen Aussagen für die Jahre 2026 und
2027 getroffen werden können“. Aktuell würden Überlegungen dazu laufen, wie
der deutsche faire Anteil am internationalen Klimafinanzierungsziel in
Zukunft aussehen soll.
„Alle Zahlen deuten glasklar darauf hin, dass die Bundesregierung das
6-Milliarden-Versprechen bricht und damit national wie international
Wortbruch mit Ansage begeht“, sagt Charlotte Neuhäuser, Sprecherin für
globale Gerechtigkeit bei den Linken im Bundestag. „Weniger internationale
Klimafinanzierung lässt die Länder des Globalen Südens im Stich und wird zu
einem weiteren Vertrauensverlust auf internationaler Bühne führen.“
Auch Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam ist beunruhigt. Er
befürchtet, „dass die Regierung das international abgegebene Versprechen
herunterspielen will, weil sie weiß, dass sie das Ziel nicht erfüllen
wird“.
8 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.klima-allianz.de/presse/meldung/verbaendebuendnis-an-die-regierungsfraktionen-kuerzungen-bei-klimaschutz-und-sozialer-sicherheit-abwenden
(DIR) [2] https://zukunft-klimasozial.de/der-klima-und-transformationsfonds-2027-groesserer-fonds-weniger-investitionen-und-kaum-sozialer-fokus/
(DIR) [3] /G7-Treffen-und-Klimaschutz/!5774780
## AUTOREN
(DIR) Susanne Schwarz
## TAGS
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(DIR) klimataz
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