# taz.de -- Katherina Reiche bekämpft EU-Verordnung: Wirtschaftsministerin als Gaslobbyistin
       
       > Katherina Reiche traf in den USA BP und Exxonmobil – und unterstützte
       > danach den Feldzug der fossilen Industrie gegen die EU-Methanverordnung.
       
 (IMG) Bild: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche auf der Konferenz CERAWeek by S&P Global 2026 in Houston
       
       Umweltorganisationen kritisieren erneut die Nähe von
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zur Gasindustrie. Die
       CDU-Politikerin und ihr Staatssekretär Frank Wetzel hätten sich nach
       Treffen mit Vertreter*innen von BP, Exxonmobil und der fossilen
       Lobbyvereinigung American Petroleum Institute in den USA für eine
       „pragmatische“ Umsetzung der EU-Methanverordnung eingesetzt und deren
       Durchsetzung behindern wollen, kritisieren Greenpeace und die [1][Deutsche
       Umwelthilfe (DUH)].
       
       Dies gehe aus dem Terminplan der Ministerin sowie aus Dokumenten zur
       Vorbereitung der Reise hervor, zu denen DUH, Greenpeace und das
       Rechercheportal FragDenStaat nach mehrmaligem Pochen auf das
       Umweltinformationsgesetz (UIG) und Informationsfreiheitsgesetz (IFG) Zugang
       erhalten haben. Weil weiter viele Informationen geschwärzt sind, haben die
       Organisationen bereits Widerspruch gegen die Bescheide eingelegt. Außerdem
       forscht die Grünen-Bundestagsfraktion in einer kleinen parlamentarischen
       Anfrage nach den Gründen für die Schwärzungen.
       
       Es geht um einen Besuch der Deutschen auf der Cera-Week, der zentralen
       Branchenveranstaltung der US-Gaswirtschaft in Houston Ende März 2026.
       Reiche setzte ihre Teilnahme laut Greenpeace gegen den Rat der eigenen
       Fachleute durch – und nutzte die Konferenz, um neue US-Gaslieferungen und
       eine Rückkehr der Atomkraft in Deutschland vorzubereiten. Unter anderem
       habe sie sich auch für die SMR genannten kleinen Atomreaktoren
       starkgemacht.
       
       Vor allem unterstützte die Ministerin aber kurze Zeit später öffentlich den
       Feldzug der Fossilen-Lobby gegen die EU-Methanverordnung. Nach dieser
       Regelung müssen Öl- und Gaskonzerne in Europa dafür sorgen, dass entlang
       ihrer Lieferkette weniger Methan austritt. Gemäß der Verordnung müssen
       Unternehmen seit August 2024 auf die Methanemissionen achten, die häufig
       unbeabsichtigt bei der Öl- und Gasförderung auftreten. Methan gilt als
       80-mal so klimaschädigend wie Kohlendioxid, die Vermeidung der Emissionen
       als vergleichsweise leicht. Dennoch laufen Lobbyvereinigungen seit Jahren
       Sturm gegen die EU-Regelung, denn die darin enthaltenen Mess- und
       Berichtspflichten kosten Geld.
       
       ## Reiche düpierte Umweltminister Schneider
       
       „Das EU-Recht, wie zum Beispiel die Methanverordnung, dürfen verlässliche
       Energielieferungen nach Deutschland nicht behindern“, sagte Reiche wenige
       Tage nach ihrer Rückkehr aus den USA. Die Verordnung führe „zu erheblicher
       Rechtsunsicherheit“ und könne „die Versorgungssicherheit beeinträchtigen“.
       
       Ende Juni sprach sie sich dann im Gegensatz zur bisherigen deutschen
       Position in Brüssel sogar für eine Verschiebung der Richtlinie aus – und
       düpierte damit den eigentlich zuständigen SPD-Umweltminister Carsten
       Schneider. Der hält die Methanverordnung für ein „wichtiges
       Klimaschutzinstrument im Energiesektor“.
       
       Auch nachdem die EU im Juli mit Schneiders Zustimmung beschlossen hatte,
       [2][Verstöße bis 2029] nicht zu sanktionieren, blieb Reiche bei ihrer
       Kritik. Die Forderung der Ministerin, „die Verordnung um drei Jahre zu
       verschieben, ist schlichtweg der Versuch, eine komplette Neuverhandlung mit
       unklarem Ausgang auszulösen“, kritisierte die DUH damals. Denn: Ein solches
       Aufschieben sieht das EU-Recht nicht vor, die Rechtsunsicherheit werde so
       nur noch vergrößert.
       
       Die Ministerin war bis zu ihrem Amtsantritt im Mai 2025 Chefin des
       Energieversorgers [3][Westenergie], der unter anderem mit Gasnetzen Geld
       verdient. Der Vorwurf, sie agiere als [4][Gaslobbyistin] und hintertreibe
       die Energiewende, ist nicht neu. Eine gängige Kritik lautet: Die
       Ausschreibung von Gaskraftwerken, die der Bund mit 35 Milliarden Euro
       fördern darf, sei schädlich fürs Klima, energiewirtschaftlich unnötig und
       diene allein den Interessen der Fossilen-Industrie.
       
       „Die brisanten Dokumente belegen schwarz auf weiß: Katherina Reiche agiert
       als Cheflobbyistin der Gas- und Atomwirtschaft“, sagte Sascha
       Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. Reiches Position spiegele
       „eins zu eins die Meinung der US-Gasindustrie wider“, kritisierte
       Greenpeace. Das Ministerium erklärte, „zu spekulativen Vorwürfen“ werde es
       sich nicht äußern.
       
       8 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/auswertung-interner-dokumente-so-unverbluemt-warb-katherina-reiche-in-den-usa-fuer-interessen-der-gas/
 (DIR) [2] /EU-Methanverordnung/!6197822
 (DIR) [3] https://www.n-tv.de/politik/Wirtschaftsministerin-War-nie-in-der-Gaslobby-taetig-id30750881.html
 (DIR) [4] /Lobbyisten-im-Wirtschaftsministerium/!6201363
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
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