# taz.de -- Kunstfestival Hallen 07: Der Weg muss sich schließlich lohnen
       
       > Etwas abseits, aber dafür mit viel Platz für große Kunst richtet sich
       > Hallen 07 in den Wilhelm-Hallen in Berlin-Reinickendorf an ein breites
       > Publikum.
       
 (IMG) Bild: Mittendrin ein paar „Luftschlösser“ von Christian Jankowski, Installationsansicht, Hallen 07, 2026
       
       In der größten der Hallen schweben sie im Raum, quasi da, wo sie
       hingehören: die aus leuchtenden Neonröhren geformten „Luftschlösser“ des
       [1][Berliners Christian Jankowski]. Putzige kleine Türmchen mit spitzen
       Dächern, die sich windschief nach außen biegen, langgezogene Bogenfenster,
       krakelige Zinnen. Gefertigt hat Jankowski sie nach Zeichnungen von
       Beschäftigten unterschiedlicher Gewerke an Berliner Großbaustellen, nach
       schnell dahingekritzelten Skizzen auf zerknitterten Plänen oder Zetteln.
       
       Nicht nur als Gegenmodelle zu den Entwürfen sogenannter Prestigegebäude
       Berlins, auch als Sinnbilder für die Kunst an sich könnte man sie
       verstehen, wo ja auch jemand seine eigenen Ideen, so abwegig sie vielleicht
       auch erscheinen mögen, einfach umsetzt. Und so hängen die kleinen
       Schlösschen ziemlich gut in den Wilhelm-Hallen in Berlin-Reinickendorf
       inmitten des Kunstfestivals Hallen 07. Es ist Teil der Berlin Art Week, hat
       aber bereits am vergangenen Wochenende begonnen.
       
       Das „07“ im Titel steht dafür, dass [2][das Festival] bereits zum siebten
       Mal stattfindet. Anfangs hieß es noch K60, initiiert unter anderem vom
       Unternehmer und Hallenbesitzer Philipp Solf, gemeinsam mit einer guten
       Handvoll Galerien wie Alexander Levy oder ChertLüdde. Ordentlich
       angewachsen ist es seitdem, seinem Konzept aber auch treu geblieben, Kunst
       niedrigschwellig für ein breites Publikum zu präsentieren.
       
       ## Workshops und Wurst
       
       Darauf angelegt ist es, dass man dort ein bisschen Zeit verbringt, Kunst
       schaut, vielleicht an einem Workshop teilnimmt – am vergangenen Sonntag
       konnte man zum Beispiel mit Künstlerin Sonja Sofia Yakovleva von der
       Galerie Robert Grunenberg Scherenschnitte basteln –, zwischendurch eine
       Wurst isst und einen Kaffee trinkt. Der Weg nach Reinickendorf muss sich
       schließlich lohnen und 15 Euro Eintritt auch. Am kommenden Wochenende steht
       unter anderem eine Performance mit Arbeiten von Charlotte Posenenske
       (Galerie Mehdi Chouakri) auf dem Programm und man kann sich von
       [3][Franziska Nast] (Galerie Mathias Güntner) tätowieren lassen.
       
       Neben dem als Einzelkünstler eingeladenen Christian Jankowski stellen bei
       Hallen 07 vor allem Galerien aus. Mit einer Messe lässt es sich dennoch
       kaum vergleichen. Das Verkaufen steht hier nicht im Vordergrund, eher das
       Präsentieren. Das Format funktioniert wie ein Schaufenster, das Interesse
       wecken soll für das, was in den Haupträumen stattfindet.
       
       Oder dort schon zu sehen war: Für Kunstinstitutionen wie das Kunstmuseum
       Wolfsburg, die Schirn oder die Esslinger Villa Merkel haben sich die
       Wilhelm-Hallen offenbar als Ort zur Zweitverwertung etabliert. Zeit nehmen
       sollte man sich da unbedingt für die Videoarbeit „Future of Yesterday“ von
       Bárbara Wagner & Benjamin de Burca zur Straight-Edge-Szene im Raum der
       [4][Schirn] und die multimediale Präsentation der chilenisch-peruanischen
       Künstlerin Ivana de Vivanco zum Lithiumabbau in der Atacama-Wüste der Villa
       Merkel. Die Berlinische Galerie wiederum verweist auf das, was gerade
       läuft: [5][Sandskulpturen von Jeewi Lee] sind zu sehen, deren
       Einzelausstellung zum GASAG Kunstpreis 2026 dort am Mittwoch eröffnet.
       
       9 Sep 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Beate Scheder
       
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