# taz.de -- BSW nach Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Wagenknecht-Partei im Liebestaumel mit Rechtsextremen
       
       > Dem BSW gelingt der Einzug in den Landtag. Die Wagenknecht-Partei würde
       > der AfD ins Amt verhelfen, sonst aber nicht wirklich mitmachen.
       
 (IMG) Bild: Traute Einheit: BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig (links) und AfD-Chefin Alice Weidel am Sonntagabend im ARD-Wahlstudio
       
       Lange musste das Bündnis Sahra Wagenknecht am Sonntagabend zittern. Erst
       nach 21 Uhr zeichnete sich ab, dass es für einen Einzug in den Landtag von
       Sachsen-Anhalt reichen wird. Zuletzt lag die antiwestlich und inzwischen
       auch dezidiert antiisraelisch agitierende Protestpartei bei 5,3 Prozent.
       Sie wird mit fünf Abgeordneten ins Magdeburger Parlament einziehen.
       
       „Das Comeback des BSW hat begonnen“, erklärte Parteigründerin Sahra
       Wagenknecht am Montagmorgen. Unbestreitbar ist der Sprung über die
       5-Prozent-Hürde ein großer Erfolg für das BSW, das in den vergangenen
       Wochen vor allem mit Zank und Streit, [1][Gesprächsangeboten an die AfD]
       und [2][Parteiaustritten] von sich reden gemacht hat. Es ist aber auch in
       anderer Hinsicht ein Triumph für die Bundesspitze: Mit dem Einzug des BSW
       in den Landtag steht Sachsen-Anhalt vor der Unregierbarkeit.
       
       Die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat die absolute Mehrheit der
       Sitze ebenso verfehlt wie ein Bündnis der CDU von Ministerpräsident Sven
       Schulze mit SPD, Grünen und Linken. Die Wagenknecht-Partei selbst will
       bislang überhaupt nicht regieren, sondern setzt – Stand jetzt – weiter auf
       ihre [3][fixe Idee von einem überparteilichen Ministerpräsidenten], der
       sich seine Mehrheiten von Fall zu Fall organisieren soll.
       
       „Wir möchten einen überparteilichen Ministerpräsidenten“, betete
       BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig noch am Wahlabend das Mantra von
       Parteigründerin Sahra Wagenknecht herunter. Und fügte dann hinzu: „Ich
       möchte Herrn Siegmund nicht wählen und ich möchte genauso wenig oder
       vielleicht noch weniger Herrn Schulze wählen.“
       
       ## Wagenknecht gibt die Linie vor
       
       Nun geht es nicht danach, was die Spitzenkandidatin und die anderen vier
       Abgeordneten des BSW in Sachsen-Anhalt so möchten, wenn der Tag lang ist.
       Es geht danach, was die Bundesspitze in Berlin und Sahra Wagenknecht nebst
       Ehemann Oskar Lafontaine im fernen Saarland möchten.
       
       Wagenknecht hat die Linie jüngst immer wieder vorgegeben. Erstens: Die
       Beteiligung an einer Anti-AfD-Koalition wird kategorisch ausgeschlossen.
       Zweitens: Man will einen Überparteilichen. Drittens: Wenn es keinen
       Überparteilichen gibt und die AfD – wie jetzt geschehen – die absolute
       Mehrheit verfehlt, werden sich die BSW-Abgeordneten im Landtag bei der Wahl
       von Ulrich Siegmund zum Regierungschef [4][im dritten Wahlgang enthalten]
       und dem Rechtsextremisten damit ins Amt verhelfen.
       
       „Jetzt gibt es hoffentlich Mehrheiten im Magdeburger Landtag für einen
       Kurswechsel in der Energiepolitik, ein Ende der Russland-Sanktionen,
       bessere Bildung und eine grundlegende Reform des Öffentlich-Rechtlichen
       Rundfunks“, zwinkerte Wagenknecht am Tag nach der Wahl Richtung AfD, die
       genau das auch fordert. Das BSW, so viel sei klar, wolle diese neuen
       Mehrheiten mit der gesichert rechtsextremen Partei „nutzen“.
       
       Es geht dem BSW dabei offenkundig nur um die Duldung einer
       AfD-Minderheitsregierung: reinregieren, ohne Verantwortung tragen zu
       müssen. Spitzenkandidatin Claudia Wittig machte nun noch mal deutlich, dass
       sie nicht gedenkt, aus der Wagenknecht-Reihe zu tanzen. „Wenn es nicht
       anders geht, dann werden wir uns enthalten und dann haben die Wählerinnen
       und Wähler entschieden, wer der Ministerpräsident sein soll.“
       
       ## Loyale Gefolgsleute im Landtag
       
       Die Treue zur Generallinie der Partei kommt nicht von ungefähr. Nicht nur
       hatten vor der Wahl alle BSW-Bewerber:innen für einen Sitz im Landtag
       [5][eine Verpflichtungserklärung unterzeichnet], sich im Parlament „loyal
       für die konkrete politische Ausrichtung und die zentralen politischen
       Vorhaben unserer Partei“ einzusetzen. Andernfalls werde man das Mandat
       sofort niederlegen.
       
       Auch sitzen mit Wittig und dem BSW-Landesvorsitzenden John Lucas Dittrich
       gleich zwei Sachsen-Anhalter:innen als Beisitzer:innen im Wagenknecht
       loyal ergebenen BSW-Bundesvorstand. Ohnehin ist der Landesvorstand auf
       Linie, seit im vergangenen Jahr eine [6][Säuberung in den eigenen Reihen]
       durchgeführt wurde. Die Kritiker:innen von Dittrich und dem aufbrausend
       agierenden Co-Landeschef Thomas Schulze wurden aus dem Vorstand entfernt.
       Vor ein paar Wochen verließen sie das BSW.
       
       Wittig, Dittrich und Schulze werden Wagenknechts bisweilen etwas
       schwankende Generallinie nun im Landtag vertreten. Nichts anderes ist
       aufgrund der Verpflichtungserklärung von den anderen beiden Abgeordneten zu
       erwarten, einer unbekannten Diplom-Forstingenieurin aus der Börde und einem
       ebenso unbekannten IT-Fachmann aus dem Harz.
       
       Die entscheidende Frage in Sachsen-Anhalt ist, ob sich die AfD auf das
       Angebot des BSW einlässt. Ulrich Siegmund hatte das am Wahlabend noch von
       sich gewiesen. „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir
       halt 50 oder 55 Prozent“, sagte er im ZDF. „Weil, die Zukunft ist die
       Alternative für Deutschland.“
       
       Am Montag hörte sich das bei der extremen Rechten schon anders an. „Wir
       reden immer mit Demokraten“, behauptete Siegmund. Zuvor hatte schon
       AfD-Bundeschef Tino Chrupalla den Wahlsieger von Magdeburg zurückgepfiffen.
       „Man sollte nicht gleich am ersten Tag auf Neuwahlen setzen“, sagte
       Chrupalla. „Experimente“ wie eine Minderheitsregierung will er gleichwohl
       auch nicht. Was als Absage an Wagenknechts überparteilichen
       Ministerpräsidenten, zugleich aber als Koalitionsangebot an das BSW zu
       verstehen ist.
       
       7 Sep 2026
       
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