# taz.de -- Hacker-Ultimatum abgelaufen: Berlin hat kein Lösegeld gezahlt
       
       > Der Senat bleibt beim Nein zu Lösegeld. Was bedeutet das für die
       > erbeuteten Daten nach dem Ablauf des Ultimatums der kriminellen
       > Hackergruppe Rhysida?
       
 (IMG) Bild: Unklar ist, ob die Daten veröffentlicht wurden
       
       dpa | Im Erpressungsfall nach dem massiven Datendiebstahl im Berliner
       Landesnetz ist das Ultimatum der kriminellen Hackergruppe Rhysida
       abgelaufen. Ob die Täter ihre Drohung wahr gemacht und das rund 5,8
       Terabyte große Datenpaket bereits im Darknet veröffentlicht haben, war
       unmittelbar nach Ablauf der Frist am Freitagmittag zunächst unklar.
       
       Die Erpresser hatten auf ihrer Leak-Site einen Countdown geschaltet, der am
       Freitag gegen 15.35 Uhr ablief. Gefordert wurde ein Lösegeld von 30 Bitcoin
       (umgerechnet rund 2 Millionen Euro). Der Berliner Senat hatte vorab
       bekräftigt, auf derartige Erpressungen grundsätzlich nicht einzugehen und
       kein Lösegeld zu zahlen.
       
       Nach dem Verstreichen der Frist wurde auf der Webseite der Erpresser im
       Darknet die „Auktion“ beendet. „Alle Dateien wurden im öffentlich
       zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!“,
       hieß es dort. Ein Link führte allerdings nicht zu den Daten, sondern zu
       einer Fehlermeldung.
       
       Die Weigerung des Senats, auf Erpressungsversuche der kriminellen Hacker
       einzugehen, stieß in der Fachwelt auf Zustimmung. Bianca Kastl vom Chaos
       Computer Club sagte im RBB Inforadio, die Entscheidung des Senats sei
       richtig. „Würde man diese Gruppen weiter unterstützen mit Geld oder anderen
       Dingen, dann würden die natürlich immer weitermachen“, sagte sie. „Man muss
       sie finanziell austrocknen.“
       
       Der renommierte IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies darauf, dass
       der Staat per Gesetz keine Zahlungen bei Erpressungen vornehmen dürfe. Die
       Situation bei Vorfällen wie in Berlin sei aber sehr schwierig: „Die Daten
       sind in den Händen von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen
       Fällen sehr schädliche Auswirkungen. Bislang ist mir kein Fall bekannt
       geworden, bei dem gezahlt wurde und trotzdem eine Veröffentlichung
       erfolgte.“ Allerdings sei anzunehmen, dass die Täter, die meist in
       osteuropäischen Ländern lebten, diese Daten den dortigen Behörden
       zugänglich machten, um sich Schutz vor Ermittlungen gegen sie selbst zu
       erkaufen, sagte Fischer der dpa.
       
       ## Brisante Details in den Ankündigungen
       
       Bei vergleichbaren Angriffen vergehen erfahrungsgemäß oft mehrere Stunden
       oder Tage, bis gestohlene Datensätze tatsächlich über Archivdateien oder
       sogenannte Peer-to-peer-Netzwerke zum Download bereitgestellt werden.
       IT-Sicherheitsexperten und die Berliner Ermittlungsbehörden beobachten die
       einschlägigen Foren und Leak-Seiten fortlaufend.
       
       Die von den Angreifern zuvor veröffentlichten Auflistungen und Screenshots
       deuten auf einen gravierenden Abfluss hochsensibler Daten hin. Demnach
       behauptet die Gruppierung, rund 1,44 Millionen Dateien erbeutet zu haben.
       Darunter sollen sich neben mehr als 5.000 Personalakten, Bußgeldvorgängen
       und Gehaltsabrechnungen auch vertrauliche Unterlagen aus
       Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner
       Trinkwasserversorgung befinden.
       
       Zudem brüsteten sich die Erpresser damit, Zugangsdaten und Passwörter im
       Klartext erlangt zu haben – unter anderem für Datenbanken der Verwaltung
       und Zahlungsdienstleister.
       
       Die Berliner Verwaltung hatte den am 14. August bekannt gewordenen
       Cyberangriff bestätigt. Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) sowie das
       Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind in die
       Analyse und Bewältigung des Vorfalls eingebunden. Sollte das Datenpaket
       vollständig publik werden, drohen den betroffenen Behörden und Tausenden
       Bürgern sowie Beschäftigten erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.
       
       Der grüne Spitzenkandidat Werner Graf lobte den Senat dafür, sich nicht
       erpressen lassen zu haben. „Die ehemalige Sicherheitspartei CDU wird aber
       zunehmend zum Unsicherheitsfaktor für Berlin“, sagt Graf weiter. „Die CDU
       muss jetzt aufwachen: Wir haben nach den Anschlägen auf unser Stromnetz und
       unseren CSD gerade den dritten massiven Angriff auf unsere Sicherheit.“
       Wichtig sei nun Opferschutz für die Betroffenen.
       
       Der Vorsitzende der Linksfaktion Tobias Schulze meinte ebenfalls, der Senat
       müsse die Betroffenen möglichst schnell ermitteln und unterstützen.
       
       4 Sep 2026
       
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