# taz.de -- Hackerangriff in Berlin: So kurz vor der Wahl darf man sich schon Sorgen machen
       
       > Ein Hackerangriff hat Teile der Berliner Verwaltung lahmgelegt. So eine
       > Attacke ist immer besorgniserregend. Und vor einer Wahl noch ein wenig
       > mehr.
       
 (IMG) Bild: Nach dem Hackerangriff zwischendurch nur schwer erreichbar
       
       Sogar Innensenatorin Iris Spranger (SPD) ist gekommen zur Pressekonferenz
       nach einer außerordentlichen Krisensitzung des Berliners Senats. In
       Sprangers Zuständigkeit liegt die reibungslose Umsetzung von Wahlen. In
       Berlin wird am 20. September ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. So heißt
       der Landtag im Stadtstaat Berlin.
       
       Einberufen wurde die Krisensitzung am Mittwoch nach [1][einem massiven
       Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz], der zentralen Datenleitung der
       Berliner Verwaltung. Kurz nach Bekanntwerden des Angriffs am Montag
       verbreitete sich die Meldung, dass es nicht mehr möglich sei,
       Briefwahlunterlagen online zu beantragen.
       
       Auf seiner Krisensitzung hatte der schwarz-rote Senat in Berlin also zwei
       brisante Themen auf dem Tisch. Wie kann es sein, dass jemand von außen in
       das Berliner Landesnetz eindringt und die Senatsverwaltungen für
       Stadtentwicklung und Verkehr vom Netz genommen werden müssen und seitdem
       arbeitsunfähig sind? Selbst das Wohngeld konnte nicht mehr ausgezahlt
       werden.
       
       Und: Sind die Wahlen am 20. September in Gefahr? Es wäre nicht das erste
       Mal in Berlin. Wegen massiver Unregelmäßigkeiten in den Wahllokalen und bei
       der Auszählung musste die Abgeordnetenhauswahl 2021 wiederholt werden.
       Statt Rot-Grün-Rot regiert seit der Wiederholungswahl 2023 nun Schwarz-Rot
       [2][mit Kai Wegner als Regierendem Bürgermeister] der CDU.
       
       Wegner war es auch, der auf der Pressekonferenz nach der Krisensitzung
       deutliche Worte gefunden hat. „Das ist ein Angriff auf Berlin“, betonte er.
       Gleichzeitig versicherte Wegner, dass bei dem Angriff keine sensible Daten
       abgeflossen seien. Die Geodaten, auf die es der oder die Angreifer
       abgesehen hätten, seien auch öffentlich zugänglich gewesen.
       
       Wer für den Hack verantwortlich ist, konnten weder Wegner noch die
       Innensenatorin oder die IT-Spezialisten der Berliner Senatskanzlei sagen.
       Noch liefen die Ermittlungen.
       
       Auch die Frage, ob die Berliner Verwaltung mit ihren zahlreichen
       Insellösungen Angreifer nicht geradezu einlade, wurde nicht beantwortet. In
       Berlin sind nicht alle Behörden an das vom IT-Dienstleistungszentrum
       [3][ITDZ betriebene Landesnetz] angeschlossen. Das gilt nicht nur für die
       meisten Bezirke, sondern auch für die beiden vom Hack betroffenen
       Senatsverwaltungen.
       
       Was Innensenatorin Spranger aber sagen konnte: „Nach jetzigem Stand sind
       die IT-Systeme, die für die Wahlen benötigt werden, nicht betroffen.“ Das
       gelte sowohl für die IT-Systeme zur Wahlvorbereitung als auch für die
       Systeme für die Wahlauswertung.
       
       Auch sei es wieder möglich, online Briefwahlunterlagen anzufordern,
       beruhigte Spranger. Die Innensenatorin versicherte, das kurzfristige
       Problem sei kein Grund, um die Wahl später anfechten zu können. Denn
       Bürgerinnen und Bürger könnten auch auf andere Weise Briefwahl beantragen,
       etwa per Mail, postalisch oder im Bezirkswahlamt. Laut Landeswahlamt ist
       offen, ob die Panne überhaupt mit der Cyberattacke zu tun hat.
       
       Beruhigend sind diese Aussagen aber nur mäßig. Denn das Grundproblem der
       Berliner Datensicherheit bleibt bestehen. Alle Bemühungen, die
       Kleinstaaterei in der Berliner Verwaltung zumindest sicherheitstechnisch zu
       beenden und alle Behörden an das ITDZ anzuschließen, sind bislang
       gescheitert.
       
       Dass der Hack in Berlin nur durch Zufall durch einen aufmerksamen
       Mitarbeiter entdeckt und womöglich Schlimmeres verhindert werden konnte,
       macht die Sache nicht besser.
       
       Die Wahlen sind sicher? Sprangers Beschwichtigung gilt nur bis zum Beweis
       des Gegenteils.
       
       22 Aug 2026
       
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