# taz.de -- 75 Jahre Goethe-Institut: Das Institut der Vielen
> Das Goethe-Institut wird 75. Gegründet sechs Jahre nach Ende des Zweiten
> Weltkrieges, steht es heute für die offene Kultur der Bundesrepublik.
(IMG) Bild: In Afrika gab es Anfang der 1960er noch keine Goethe-Institute, wie Wulf Köpke, rechte Hand des damaligen Präsidenten, zeigt
Nichts ist selbstverständlich. Als 1952 das erste Auslandsinstitut des
Goethe-Instituts in Athen eröffnete, war die Bundesrepublik gerade mal drei
Jahre jung. Fast zeitgleich hatte sich etwas weiter östlich die DDR als
Staat konstituiert. In Konkurrenz zu Goethe als dem kulturellen
Markenbotschafter Westdeutschlands zog das „bessere Deutschland“ in Gestalt
der DDR nach. 1956 eröffnete sie ihr erstes Kultur- und
Informationszentrum, kurz KIZ, im sozialistischen Bruderstaat
Tschechoslowakei in Prag. Weitere sollten folgen.
Heute denkt man bei K.I.Z eher an eine Berliner HipHop-Gruppe denn an DDR
und KIZ. Das 1951 gegründete Goethe-Institut repräsentiert seit den 1990ern
als Kulturinstitut die gesamtdeutsche Bundesrepublik. Es ist in 100 Ländern
mit 154 Instituten aktiv. Jüngst eröffneten Filialen in Chişinău, Republik
Moldau, sowie Houston, Texas.
Man könnte denken, die auswärtige Kulturpolitik der Bundesrepublik wäre
weiterhin auf Wachstumskurs. Doch ganz so ist es nicht. Das hat neben
Gründen politisch krisenhafter Entwicklungen (Kriege, Scheitern von
Demokratiebewegungen) auch monetäre Ursachen. Die institutionelle Förderung
durch das Auswärtige Amt im Jahr 2026 liegt zwar bei stattlichen 232
Millionen Euro.
Doch ist sie im Vergleich, wie der Generalsekretär des Goethe-Instituts,
Johannes Ebert, in einem Pressegespräch zu Jahresbeginn erläuterte, damit
noch unter dem Niveau von 2018. Ebert, der nach drei Amtszeiten [1][als
Generalsekretär im Juli an seine Nachfolgerin Gitte Zschoch übergibt],
sagte, dass die steigenden Umsatzerlöse aus den weltweiten Deutschkursen
(2025 auf Rekordniveau: 156 Millionen Euro) und die eingeworbenen
Drittmittel die Löcher nicht stopfen könnten.
## Zu wenig Mittel für freie Kreative
Die Folge: Um strategisch wichtige Standorte wie in Moldau neu eröffnen zu
können, müssen andere geschlossen werden. Zudem schrumpfte der Etat
beweglicher Budgets. Institutsleiter beklagen, dass ihnen zu wenig Mittel
für eigene Initiativen, die freien Kreativen und den internationalen
Kulturaustausch zur Verfügung stünden. Fraglich scheint, ob die Politik
immer versteht, welch große Bedeutung die Infrastruktur des
Goethe-Instituts nicht nur für die Gewinnung und Ausbildung neuer
Fachkräfte hat.
In vielen Metropolen der Welt bietet es durch seine lokale Präsenz – mit
Bibliotheken, Makerspaces und Begegnungsräumen, Lesungen, Konzerten,
Ausstellungen – einen barrierefreien Zugang für Jugendliche und für eine
oft unter Druck stehenden Zivilgesellschaft. [2][Die Rede von „Kultur als
Soft Power“] kann mehr als eine Floskel sein.
Das haben allerdings auch die Autokratien erkannt. Während sie Kunst- und
Meinungsfreiheit einschränken, nutzen sie die Arenen der offenen
Gesellschaften, um den Westen und seine Demokratien kulturkämpferisch zu
diskreditieren. In Staaten wie Iran oder Belarus kann das Goethe-Institut
nicht mehr arbeiten, in anderen oft nur eingeschränkt. Zum 75. Jubiläum des
Goethe-Instituts werden dies am 23. Juni im Haus der Berliner Festspiele
[3][Maria Kalesnikava] (Musikerin und Bürgerrechtlerin aus Belarus) mit
Jagoda Marinić und Generalsekretär Ebert diskutieren.
Und dann ist da noch etwas, das auf die Anfänge in der Bundesrepublik und
vor Athen 1952 zurückreicht. Historiker Nils Havemann soll im Auftrag des
Instituts bis 2027 erforschen, wie stark Namenspatron Goethe, das deutsche
Dichterdenkmal, dafür herhalten musste, gewisse personale Kontinuitäten
über das „Dritte Reich“ hinweg ins frisch gegründete Kulturinstitut der
demokratischen Bundesrepublik zu überstrahlen.
23 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Fanizadeh
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