# taz.de -- Ansturm auf Ceuta: Spaniens Regierungschef Sánchez bleibt Antworten schuldig
       
       > Der spanische Ministerpräsident hat sich den Fragen der Opposition zum
       > Ansturm auf Ceuta im Juli gestellt. Die rechten Parteien trieben den
       > Sozialisten dabei vor sich her.
       
 (IMG) Bild: Migranten in der Warteschlange: Im spanischen Gebiet Ceuta in Nordafrika am 30. Juli 2026
       
       Es sei absurd anzunehmen, seine Regierung sei gewarnt worden und habe
       absichtlich nichts unternommen, erklärte Spaniens Ministerpräsident Pedro
       Sánchez am Donnerstag. Und bot damit der Opposition aus rechter Partido
       Popular (PP) und rechtsextremer Vox die Stirn. Der Sozialist stand auf
       eigenen Wunsch vor dem Parlament Rede und Antwort zum Massenandrang auf die
       spanische Exklave Ceuta in Nordafrika. Am 30. und 31. Juli hatten über
       70.000 Menschen von Marokko aus die Grenze überschwommen. Viele verließen
       die Stadt später wieder, [1][mehrere Tausend blieben und harren weiter dort
       aus.]
       
       Die PP und Vox nutzen das Thema, um auf einen Sieg bei den Wahlen 2027
       hinzuarbeiten. Dass die Sánchez-Regierung vor dem Massenandrang „keine
       außerordentlichen Hinweise oder Warnungen“ erhalten habe, wie dieser
       betonte, will die Opposition nicht glauben. Ebenso die rechte Regierung der
       Exklave Ceuta. Die Regierung habe gewusst, was passieren würde, und nichts
       getan, immer wieder fällt das Wort „Verrat“. PP-Chef Alberto Núñez Feijóo
       forderte den Rücktritt von Sánchez „wegen Unfähigkeit oder
       Mitwisserschaft“.
       
       Die Opposition warf der Regierung außerdem „Untätigkeit“ vor – und das
       trotz Millioneninvestitionen, Verstärkung der Polizei und Armee vor Ort und
       der Besuche von acht Ministern und Sánchez selbst den August über. PP und
       Vox fordern die sofortige Abschiebung derer, die bislang geblieben sind –
       und treffen damit die Stimmung vor Ort. „Dies braucht, mehr Zeit, als uns
       lieb ist“, entgegnete Sánchez. Vor der Abschiebung von illegal Eingereisten
       müsse Fall für Fall überprüft werden.
       
       Minderjährige – rund 1.200 sind an diesen beiden Tagen im Juli nach Ceuta
       gekommen – dürfen nach internationalem Recht nicht abgeschoben werden.
       [2][Wer einen Asylantrag stellt, ebenfalls] nicht. Sánchez gab zu bedenken,
       dass eine Demokratie nicht stärker werde, indem sie das Gesetz breche.
       
       Bei seinem Auftritt vor dem Parlament bleibt Sánchez allerdings eine
       schlüssige Antwort auf die Urheber und Mitwisser des Massenandrangs
       schuldig. Vor einigen Tagen hatte er [3][„Netzwerke aus Israel und
       Russland“, sowie eine „rechtsextreme Internationale“] für
       Falschinformationen über eine angebliche offene Grenze verantwortlich
       gemacht. Diese wurden online verbreitet und feuerten den Massenansturm an.
       
       ## Wofür Spanien Marokko braucht
       
       Einmal mehr nahm Sánchez hingegen [4][Marokko aus der Schusslinie]. Nach
       bisherigen Untersuchungen könne „nicht der Schluss gezogen werden“, dass
       die Vorfälle „von Marokko geplant“ worden seien. PP und Vox nehmen dies
       einmal mehr zum Anlass, um an einer Verschwörungstheorie zu stricken: Der
       zufolge habe Marokkos König Mohamed VI. geheime Informationen gegen Sánchez
       in der Hand.
       
       Der Grund für die Zurückhaltung von Sánchez dürfte jedoch viel einfacher
       sein. Spanien braucht Marokko. Sollte Spanien das Nachbarland endgültig
       verärgern, können die verbleibenden Migranten nicht abgeschoben werden.
       
       Sánchez will nun alle Polizeiinformationen rund um Ceuta öffentlich machen.
       Diese Ankündigung kommt nach der Veröffentlichung eines Dossiers der
       Einwanderungspolizei, das am Tag vor dem Parlamentsauftritt der Presse
       zugespielt wurde. Dort ist sehr wohl davon die Rede, dass marokkanische
       Polizisten nicht nur wegschauten, sondern die Grenzstürmer aktiv
       unterstützten.
       
       ## Mobilisierung von rechts
       
       [5][Das Thema Ceuta bestimmte in Spanien den ganzen Sommer über die
       politische Debatte] – und bringt Sánchez zusehends unter Druck. Am
       Mittwoch, dem Vortag der Parlamentsdebatte, feierte Ceuta seinen
       Regionalfeiertag. Aus diesem Anlass hatte die spanische Vereinigung der
       Gemeinden und Städte zu Kundgebungen vor den Rathäusern überall im Land
       gerufen. Die sind mehrheitlich in der Hand der konservative Partido Popular
       (PP). Bis auf wenige Ausnahmen beteiligten sich Bürgermeister und
       Gemeinderäte der Linken nicht an den Kundgebungen.
       
       Die Mobilisierung wirkte: In ganz Spanien gingen über 100.000 Menschen auf
       die Straße. Während in Ceuta – wo laut Veranstalter rund 20.000 Menschen
       auf die Straße gingen – vor allem „Ceuta steht nicht zum Verkauf, es wird
       verteidigt“ zu hören war, rief die Menge in Madrid immer wieder: „[6][Pedro
       Sánchez], Hurensohn!“
       
       Die Beteiligung fiel ungleich aus. In den Hochburgen der spanischen Rechten
       waren die Veranstaltungen gut besucht. In Madrid kamen hingegen laut
       Polizei nur 50.000 Teilnehmer zusammen. In Barcelona waren es gerade einmal
       300.
       
       3 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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