# taz.de -- Exklave Ceuta: Spanische Regierung übernimmt Kontrolle über Hafen
> Die Regierung von Premierminister Sánchez setzt sich über die
> Regionalverwaltung hinweg – und errichtet nun ein Zeltlager für
> Geflüchtete an einer sensiblen Stelle.
(IMG) Bild: Im Stadtteil Los Rosales der spanischen Exklave Ceuta wird schon gegen örtlichen Widerstand ein Zeltlager errichtet, das zur Aufnahme von rund 900 Migranten dienen soll
dpa | Im Streit über die Unterbringung von Migranten in Spaniens
Nordafrika-Exklave Ceuta hat die linke Regierung in Madrid die Kontrolle
über den Hafen des Gebiets übernommen. Transportminister Óscar Puente
unterschrieb eine entsprechende Anordnung und erlaubte den Aufbau eines
provisorischen Zeltlagers für Migranten im Hafenbereich, wie der staatliche
TV-Sender RTVE und andere spanische Medien übereinstimmend berichteten.
Puente setzte sich damit über eine gegenteilige Entscheidung der lokalen
Behörden hinweg. Das Ministerium reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.
Die Regionalregierung unter Leitung des Präsidenten der an Marokko
grenzenden Exklave, Juan Jesús Vivas, hatte sich am Freitag gegen den
Aufbau eines solchen Zeltlagers im Hafenbereich ausgesprochen. Der Hafen
sei wichtig für die Versorgung der Exklave, in der Nähe befände sich zudem
ein großes Tanklager.
## Proteste von Anwohnern
Zuvor hatte sich die lokale Verwaltung schon gegen die vorübergehende
Unterbringung von Migranten in einer stillgelegten Fabrik, einem früheren
Militärkrankenhaus oder Sportzentren ausgesprochen. [1][Ein weiteres Lager
für rund 900 Menschen entsteht zurzeit im Stadtteil Los Rosales]. Auch dort
gibt es Proteste der Anwohner.
Am 30. und 31. Juli waren nach Regierungsangaben rund 72.000 Migranten von
Marokko nach Ceuta geschwommen oder über Grenzzäune geklettert. Die meisten
kehrten binnen Stunden zurück. Jedoch waren auch gut einen Monat später
noch etwa 5.000 Migranten in dem Gebiet, das nicht einmal so groß wie der
Frankfurter Flughafen ist. [2][Davon sind nach Regierungsangaben 1.200
Minderjährige].
## Demos und Übergriffe auf Migranten
Viele der mehr als 83.000 Einwohner Ceutas sind über die lange Anwesenheit
Tausender Migranten empört. Immer wieder kommt es [3][zu Demonstrationen
und manchmal auch zu gewalttätigen Übergriffen auf Migranten]. Wie die
Regionalverwaltung unter Vivas fordern viele, die Migranten einfach sofort
nach Marokko abzuschieben.
Spanien ist aber gesetzlich zu einer langwierigen Einzelfallprüfung
verpflichtet. Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez steht
deshalb unter starkem Druck. Zudem gibt es erhebliche Zweifel [4][an ihrer
Darstellung, Marokkos Regierung habe nichts mit dem Massenandrang von Ende
Juli zu tun gehabt].
5 Sep 2026
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