# taz.de -- Berlin-Wahl am 20. September: Krach zeigt Linksbündnis die Rote Karte
> In der Hauptstadt liegt die CDU wieder knapp vor der Linken. Die SPD
> rutscht weiter ab, aber bei zwei Themen punktet ihr Kandidat Steffen
> Krach.
(IMG) Bild: Alle fünf Spitzenkandidaten (links, auch die AfD) bei der Berliner IHK
Es ist 17.30 Uhr, als der entscheidende Moment da ist. Die
Spitzenkandidatenrunde bei der Berliner Wirtschaft in Charlottenburg wird
zwar noch fast eineinhalb Stunden weiter gehen. Aber genau jetzt legt
SPD-Frontmann Steffen Krach sich fest, dass es unter jetzigen Umständen
nach der Abgeordnetenhauswahl am 20. September kein Linksbündnis gibt –
zumindest nicht mit ihm.
Die fünf Kandidatinnen und Kandidaten der derzeit im Abgeordnetenhaus
vertretenen Parteien sollen in diesem Moment mit einer grünen oder roten
Karte anzeigen, wie sie zu folgendem Satz stehen: „Treten Sie einem Senat
bei, der Enteignung anstrebt?“ Elif Eralp (Linkspartei) und Werner Graf
(Grüne) zeigen die grüne Seite der Karte, Stefan Evers (CDU und Kristin
Brinker (AfD) hingegen die rote – und das macht auch Krach. Er bleibt damit
bei seiner ablehnenden Haltung zur Enteignung großer Immobilienbesitzer,
die er seit seiner Nominierung im vergangenen Jahr vertritt.
Es ist die einzige Ausschlussfrage dieser Art an diesem frühen
Mittwochabend. Es gibt zahlreiche Gegensätze, aber auch viele Punkte von
Übereinstimmung aller fünf auf dem Podium. Von Eralp bis Brinker wollen
etwa alle mehr direkte Langstreckenverbindungen am Flughafen BER. Graf und
Eralp rechtfertigen das damit, dass das ökologischer sei, als in Frankfurt
oder anderswo umsteigen zu müssen.
Bis auf Eralp, die sich nicht festlegen mag, wollen auch alle die
Weltaustellung Expo 2035 nach Berlin holen. Vier der fünf sprechen sich
zudem gegen eine Bebauung am Tempelhofer Feld aus – nur CDU-Mann Evers
bejaht die Frage danach. Bei seinem Wunsch nach dem [1][Weiterbau der
Autobahn 100] hat er immerhin die Unterstützung der AfD.
## Auch Applaus für AfD-Spitzenkandidatin
Für Linkspartei-Spitzenkandidatin Eralp ist es das denkbar kritischste
Publikum in einer der aktuell vielen Kandidatenrunden. Eingeladen hat die
geballte Wirtschaftsmacht Berlins: neben der Industrie- und Handelskammer
der Unternehmensverband UVB, die Handwerkskammer und der Verein Berliner
Kaufleute und Industrieller. Und als Eralp davon spricht, dass eine
Enteignung „deutlich unter Verkehrswert“ von Vorteil sein könne, gibt es
Gelächter und eben keinen Applaus, den hier AfD-Kandidatin Brinker bei
ihrer Haltung zu Enteignung bekommt.
Äußerlich scheint das an Eralp abzuperlen, sie kontert Kritik daran, dass
Enteignung keine einzige neue Wohnung schaffe, gelassen damit, dass die
„nur eine Maßnahme von vielen“ sei. Sie wirkt in der Runde deutlich anders
als noch zwei Tage zuvor bei einer Diskussionsrunde auf Einladung der
Gewerkschaft Verdi. Da kam Eralp sichtlich angeschlagen zum Termin oben im
RBB-Hochhaus: Seit Sonntag hatte sie sich [2][mit der Kritik an als
antisemitisch eingestuften Texten] bei einer Veranstaltung des Neuköllner
Linken-Kreisverbands beschäftigen müssen.
Fragen, inwieweit auch Antisemitismus ein Hindernis für
Wirtschaftsansiedlung und Fachkräfteanwerbung sein könnte, bleiben in der
Kandidatenrunde am Mittwochabend aus. Außen vor bleibt auch, ob Grüne und
SPD vor diesem Hintergrund nach der Wahl über ein Linksbündnis mit Eralps
Partei reden wollen.
So ist es Krachs Haltung zu Enteignung, um die es in vielen anschließenden
Unterhaltungen geht. Er will nicht, doch Eralps Linkspartei ist darauf
festgelegt. Der Grüne Werner Graf wiederum unterstützt Enteignung, sagt
aber klar, dass die in der neuen fünfjährigen Wahlperiode nicht kommen
werde.
## CDU in neuer Umfrage vorne
Jenseits eines Linksbündnisses gibt es [3][nach der jüngsten Wahlumfrage]
nur eine Koalitionsoption ohne AfD-Beteiligung: ein schwarz-grün-rotes
Bündnis, angeführt von Evers, dessen CDU nun mit 21 Prozent wieder vorne
liegt, vor Linkspartei (19) und Grünen (18). Die SPD ist dabei auf 11
Prozent abgerutscht – ihr schlechtester jemals in Berlin gemessener Wert.
Klassischerweise lasten Parteien eine solche Entwicklung ihren
Spitzenkandidaten an – in diesem Fall Krach. Das ließ auch am Mittwochabend
offen, wie viel Einfluss er nach dem Wahltag noch habe, sollte es bei
diesem Ergebnis bleiben.
Ohne Krach und seine rote Karte vom Abend bei der IHK wäre für die SPD der
Weg frei zu einem Linksbündnis: Denn seine ablehnende Haltung zu Enteignung
oder Vergesellschaftung ist [4][in ihrem Wahlprogramm] nicht
festgeschrieben – beide Begriffe tauchen noch nicht mal auf. Zu finden ist
auf Seite 21 allein der Satz „Die Zustimmung zur Initiative des
Volksentscheids ‚Deutsche Wohnen und Co. Enteignen‘ zeigt für uns deutlich,
dass eine Mehrheit der Berliner*innen die zügellose Abzocke großer,
insbesondere börsennotierter Wohnungsunternehmen ablehnt.“
Als Krach [5][den Programmentwurf im Februar vorstellte], sagte er auf die
taz-Frage zur fehlenden Festlegung: Wenn man alles reingeschrieben hätte,
was man nicht wolle, wäre das Programm über 200 Seiten lang – und das habe
nichts mit möglichen Koalitionen zu tun.
Für die Kandidaten gilt nach dem IHK-Abend: Nach dem Spiel ist vor dem
Spiel – man wird sich am Donnerstagabend bei der Herrnhuter Brüdergemeine
fast in gleicher Besetzung schon wiedersehen.
3 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wahlkampf-um-die-A100/!6207317
(DIR) [2] /Nahostkonflikt-und-Linke-in-Berlin/!6208815
(DIR) [3] https://www.rbb24.de/politik/berlin-wahl-2026/beitraege/berlin-trend-abgeordnetenhaus-wahl-september.html
(DIR) [4] https://spd.berlin/wahlprogramm/
(DIR) [5] /SPD-stellt-Wahlprogramm-vor/!6153316
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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