# taz.de -- Trotz Dürre und Hitze: Ernte besser als vom Bauernverband suggeriert
> Der amtliche Erntebericht fällt weitgehend okay aus. Agrarminister Rainer
> sieht dennoch eine Krise und fordert mehr Subventionen für Bauern.
(IMG) Bild: Ein Traktor zieht einen Pflug über ein abgeerntetes Feld und bereitet den Acker für die Aussaat vor
Die Getreideernte fällt dieses Jahr nicht so schlecht aus wie [1][vom
Deutschen Bauernverband suggeriert]. Der Ertrag aller Getreidearten ohne
Körnermais liege im Schnitt bei 69,1 Dezitonnen pro Hektar und entspreche
„dem Mittel der Jahre 2020 bis 2025 (plus 0,4 Prozent)“, heißt es im am
Mittwoch veröffentlichten [2][Erntebericht] des Bundesagrarministeriums.
Dennoch rief Agrarminister Alois Rainer (CSU) eine „Krise nationaler
Tragweite“ in der Landwirtschaft aus – und versprach beziehungsweise
forderte mehr Subventionen.
Der Bauernverband rechnete in seiner Bilanz vor zwei Wochen wegen Hitze und
Trockenheit mit einer „unterdurchschnittlichen Getreideernte“. Der Verband
rechnete auch den Körnermais mit, obwohl hier dem Agrarministerium zufolge
„Ertragsschätzungen im August noch mit einer größeren Unsicherheit
behaftet“ sind, weil er „deutlich später“ als andere Getreidearten geerntet
wird. So konnten die Lobbyisten mitteilen, dass der Ertrag über alle
Getreidearten 3 Prozent unter dem langjährigen Mittel liege. Zudem stellten
sie den wegen der normalen Wetterschwankungen wenig aussagekräftigen
Vergleich mit dem Vorjahr in den Vordergrund.
Rainer sagte, die Erntezahlen „dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, wie
ernst die Lage auf vielen Höfen tatsächlich ist“. Das liege auch an den
wegen der Kriege in der Ukraine und im Iran gestiegenen Energie- und
Düngemittelpreisen. Auf Nachfrage der taz, wieviele Unternehmen tatsächlich
in der Substanz gefährdet seien, antwortete Rainer, das müsse „jemand
anders“ entscheiden, aber jeder dritte Betrieb habe „Liquiditätsprobleme“.
Deshalb werde ein Liquiditätshilfeprogramm mit zinsgünstigen Darlehen um
300 Millionen Euro aufgestockt – „ohne Nachweis von Notlage und
Verwendung“. Ein weiteres Kreditprogramm sei in Arbeit. Sogar ohne
zusätzlichen Antrag sollen Betriebe insgesamt 60 Millionen Euro als
Ausgleich für höhere Dünger- und Dieselkosten bekommen. Außerdem will sich
Rainer für weitere Steuervergünstigungen und Subventionen für
Versicherungen gegen Wetterextreme einsetzen.
## „Umweltschädliche Subventionen“
Agrarprofessor Sebastian Lakner von der Universität Rostock kritisierte,
die Zuschüsse für Dünger und Kraftstoff seien „umweltschädliche
Subventionen“, weil sie fossile Energien förderten. Rainer sollte lieber
stärker unterstützen, dass Landwirte mehr Fruchtarten anbauen, um die
Folgen von Ernteausfällen zu reduzieren. Alfons Balmann von der Universität
Halle-Wittenberg bezeichnete die geplanten Maßnahmen als „Vergeudung von
staatlichen Mitteln“. Sie würden auch das Problem übertünchen, dass manche
Betriebe schlecht geführt seien.
Beide Wissenschaftler erklärten aber ebenfalls, dass der Klimawandel die
Ernten belaste. „Wir haben seit 2000 keinen echten Ertragsanstieg gesehen –
trotz Züchtungsfortschritt“, sagte Balmann der taz. Lakner wies darauf hin,
dass die Ernte regional sehr unterschiedlich und in Süddeutschland
schlechter sei. Zudem seien die bundesweiten Zahlen bei Weizen und Raps
niedrig.
2 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ernteausfaelle-durch-Duerre/!6205227
(DIR) [2] https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/erntebericht-2026.html
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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