# taz.de -- Ernteausfälle durch Dürre: Bauern pochen auf Staatshilfe
       
       > Die Hitze belastet die deutsche Landwirtschaft, die Ernte fällt bei
       > Getreide und Äpfeln niedrig aus. Aber wie sollte man den Betrieben
       > helfen?
       
 (IMG) Bild: Sorge um die Ernte: Landwirte rechnen mit einem mäßigen Ertrag
       
       Die Landwirtschaft leidet [1][unter dem vielerorts fehlenden
       Niederschlägen]. In der Folge fiel insbesondere die Getreideernte in diesem
       Jahr mickrig aus. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands (DBV) holten
       die Landwirte mit knapp 42 Millionen Tonnen Weizen, Roggen, Gerste oder
       Hafer 7 Prozent weniger Getreide von den Feldern als im vergangenen Jahr.
       „Prägend waren ein zu trockenes Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten
       Junihälfte während der Kornfüllungsphase, die vielerorts zu Notreife
       führte“, teilte der Verband mit.
       
       Dabei waren die einzelnen Landesteile unterschiedlich stark betroffen. „Im
       Süden ist es nach wie vor viel zu trocken“, sagt DBV-Chef Joachim Rukwied.
       Im Norden, wo es häufiger regnete, seien der Erträge etwas besser
       ausgefallen. Auch bei Zuckerrüben oder beim Raps sind die Ernten nicht gut.
       Das gilt bei gleichbleibender Witterung wohl auch für die noch anstehenden
       Ernten, etwa bei Kartoffeln oder Kohl.
       
       Auch bei den Biohöfen sieht es wenig besser aus. Nach Angaben des Bunds
       ökologische Lebensmittelwirtschaft (Bölw) fuhren die Betriebe bei
       Winterweizen, Roggen und Gerste zwar durchschnittliche Ernten ein. Schlecht
       sehe es aber beim Hafer aus. „Hitze und Trockenheit haben die Körner
       teilweise verkümmern lassen“, heißt es in einer Mitteilung. Ebenso wie
       konventionelle Landwirte sind die Ökobauern von Hitze und Trockenheit
       betroffen. Kartoffeln werden nicht sehr groß. Insgesamt sieht der Bölw die
       Bioerzeuger an der Belastungsgrenze. „Der Klimawandel macht vor Bio nicht
       halt“, betont die Bölw-Vorsitzende Tina Andres.
       
       Auch die Apfelernte fällt in diesem Jahr nach Berechnungen des
       Statistischen Bundesamts schwach aus. Die Früchte leiden an Sonnenbrand,
       werden nicht sehr groß und fallen frühzeitig vom Baum. Mit 934.0000 Tonnen
       Äpfeln liegt der Ertrag gut 5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ein Mangel
       ist trotzdem nicht zu befürchten. Die Lager sind noch gut gefüllt.
       
       ## Viele Betriebe unter Druck
       
       Der Bölw hofft auf treue Verbraucher angesichts der klimatischen
       Herausforderungen. So ist die Direktvermarktung der Biohöfe mit einem
       Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro eine wichtige Stütze der
       Ökolandwirtschaft. Diese Leistung sei nur zu halten, wenn Verbraucherinnen
       und Verbraucher die Lebensmittel ihrer regionalen Höfe weiterhin
       wertschätzten, sagt Andres. „Jeder Cent für ein Biolebensmittel ist eine
       Investition in Artenvielfalt, in sauberes Wasser und in eine resiliente
       Landwirtschaft“, betont sie.
       
       Die wirtschaftlichen Folgen sind für viele Betriebe gravierend. Als
       Beispiel nennt DBV-Präsident Rukwied jene Höfe, die Futterpflanzen für ihre
       Viehhaltung anbauen. Durch die Dürre wachsen die Pflanzen nicht
       ausreichend. In der Folge müssten die Viehhalter im Winter entweder Futter
       zukaufen oder die Zahl der Tiere reduzieren. Zudem plagen die Landwirte
       generell seit drei Jahren anhaltend unterdurchschnittliche Erzeugerpreise.
       
       „Es ist zwingend notwendig, dass die Bundesregierung ein Sofortprogramm auf
       den Weg bringt“, sagt der Bauernpräsident. Der Verband fordert eine
       Verdreifachung der EU-Düngemittelhilfe auf 180 Millionen Euro. Zudem
       sollten die Direktzahlungen auf den Oktober vorgezogen und die
       [2][Dieselsteuer] gesenkt werden. „Die wirtschaftliche Lage ist in manchen
       Betrieben toxisch“, begründet Rukwied den Hilfebedarf.
       
       Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) fordert hingegen,
       Zahlungen der Agrarpolitik der EU sollten „vorrangig in qualifizierende
       Maßnahmen fließen, die Klimaresilienz und konkrete Leistungen der Höfe
       honorieren“, wie Lucia Heigl der taz sagte, die selber Milchbäuerin im
       Allgäu ist.
       
       Olaf Bandt, Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland
       (BUND), sieht die Forderungen von Bauernpräsident Rukwied ebenfalls
       kritisch: „Statt Geld in Risikoversicherungen oder kurzfristige Nothilfen
       zu stecken, die bald keiner mehr zahlen kann, müssen unsere Landwirtinnen
       und Landwirte bei den dringend nötigen Anpassungsmaßnahmen unterstützt
       werden.“ Um die Ernährungssicherheit zu gewähren, brauche es „keine
       Kurzfristmaßnahmen und keine technologischen Versprechen, sondern
       engagierter Klimaschutz und eine Wiederherstellung zerstörter Natur“.
       
       Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) signalisiert die
       Bereitschaft zu Hilfen für die Bauern, will jedoch erst einmal profunde
       Daten zur Ernte abwarten. Mit Versorgungsengpässen oder stark steigenden
       Preisen für die Verbraucher rechnet der DBV angesichts der weltweiten
       Ernteerträge nicht. Auch Rainer verweist darauf, dass die Erzeugerpreise
       nur einen kleinen Teil der Kosten für Lebensmittel ausmachen.
       
       Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft dem Bauernverband dagegen eine
       falsche Strategie vor. Statt den Landwirten immer nur mehr Geld zu geben,
       müsse die Landwirtschaft klimasicher umgebaut werden, fordert der Verband.
       „Noch mehr Subventionen für Kunstdünger und Diesel erhalten das
       zerstörerische Agrarsystem am Leben und führen nur zu immer weiteren
       Ernteausfällen“, warnt Sprecher Andreas Winkler.
       
       18 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Experte-ueber-Duerre/!6204956
 (DIR) [2] /Forderung-von-Bundesagrarminister-Rainer/!6176083
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolfgang Mulke
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Dürre
 (DIR) Erderwärmung
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Bauernverband
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Dürre
 (DIR) Lüneburg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Studie: UV-Strahlung in Europa nimmt deutlich zu
       
       Örtliche Messungen zeigten bereits den Trend auf. Jetzt gibt es europaweite
       Daten. Bundesamt für Strahlenschutz fordert Investitionen in
       Klimaanpassung.
       
 (DIR) Experte über Dürre: „Das Ausmaß der Schäden wird sich im Frühjahr zeigen“
       
       Süddeutschland ist von extremer Dürre betroffen, die zunehmend den Wäldern
       zusetzt. Fortwissenschaftler Ulrich Schraml warnt vor häufigeren
       Waldbränden.
       
 (DIR) Waldwanderer über Forstarbeit und Klima: „Mir ging es vor allem darum, Hoffnung zu geben“
       
       2021 kündigte Gerald Klamer Job und Wohnung und wanderte los. Sein Ziel:
       herausfinden, wie es dem Wald geht. Und zu seiner Rettung beitragen.