# taz.de -- Schilf gegen Phosphat im Dümmer geplant: Naturschützer und Bauern gegen Umweltschutzprojekt
> Der Dümmer, Niedersachsens zweitgrößter See, ist durch Dünger belastet.
> Eine Umweltmaßnahme soll helfen. Naturschützer und Landwirte sind
> dagegen.
(IMG) Bild: Massiv mit Phosphat überlastet: Der Dümmer See ist in keinem guten ökologischen Zustand
Röhrichte, Graugänse, Silberweiden: Auf den ersten Blick ist der Dümmer,
mit 16 Quadratkilometern Niedersachsens zweitgrößter Binnensee, eine
Idylle. Doch der extrem flache See im Landkreis Diepholz ist durch
Nährstoffeinträge belastet: Phosphatdünger aus der Landwirtschaft gelangt
durch Abschwemmung in den See. Und da der Dümmer auch noch eingedeicht ist,
fällt die Filterwirkung der umliegenden Moore und Auen weg – [1][Algen und
Sauerstoffmangel sind die Folge, Verschlammung, sterbende
Unterwasserpflanzen und Fische.]
Seit Jahrzehnten ist der Dümmer deshalb schon ein ungelöster
Sanierungsfall. Jetzt plant die Landesregierung den Bau eines vorgelagerten
Schilfpolders, rund 220 Hektar groß, als Überflutungsfläche zur
biologischen Vorreinigung.
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) lobt das Projekt als
„großen Schritt“, mit dem der Phosphateintrag in den Dümmer auf
durchschnittlich nur noch vier Tonnen pro Jahr begrenzt werden kann.
Endlich würde man damit [2][der EU-Wasserrahmenrichtlinie entsprechen, die
einen guten ökologischen Zustand aller Gewässer vorschreibt.] Rund 65
Millionen Euro stehen für den Polder zur Verfügung.
Das Problem: Der Polder hätte negative Auswirkungen auf die Natur. „Die
Polderlösung sehen wir äußerst kritisch“, sagt Matthias Schreiber vom
Umweltforum Osnabrücker Land. „Diese Kombination aus Kläranlage und
Hochwasserrückhaltebecken soll teilweise im EU-Vogelschutzgebiet Dümmer
errichtet werden.“
## Umweltschutz versus Artenschutz
Tatsächlich sollen rund 35 Hektar des Vogelschutzgebietes dem Polder zum
Opfer fallen. Zudem ein nach Bundesnaturschutzgesetz geschütztes Biotop.
„Es werden hierdurch auch Lebensräume geschützter Arten wie Fledermäuse und
Vögel betroffen sein“, hat Meyers Ministerium im Herbst 2024 auf eine
Landtagsanfrage der CDU-Fraktion eingeräumt. Es werde Ausgleichsflächen
geben.
Die Landesregierung habe hier womöglich „am geltenden Recht vorbei“ eine
„Abkürzung“ im Sinn, kritisiert das Umweltforum. Es verfahre nach dem
Motto: „Wir beeinträchtigen ein europäisches Schutzgebiet zwar erheblich,
aber wir werden ja kompensieren und alles ist gut!“ Seit Mitte Juni liegen
die Planungen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft,
Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beim Landkreis Osnabrück, der
Genehmigungsbehörde.
„Im anstehenden Genehmigungsverfahren werden wir jedenfalls als Alternative
dezentrale Lösungen einfordern“, sagt Schreiber. Der Vorschlag des Forums:
„Mit der Fläche für den Polder könnte man beispielsweise 110 Kilometer
Fließgewässer beidseits mit zehn Meter breiten Randstreifen ausstatten. Die
würden nicht nur Nährstoffe puffern und reinigen, sondern wären
gleichzeitig auch ein wertvoller Biotopverbund. Und die bisher eingeplanten
65 Millionen sollten dafür ebenfalls ausreichen.“
Die Ablehnung des Projekts kommt auch von anderer Seite: „Wir würden uns
für eine Alternativlösung aussprechen“, sagt Friedrich Brinkmann,
Geschäftsführer des Landvolks Osnabrück. „Vor allem wünschen wir uns, dass
wir Landwirte proaktiv in die Planungen eingebunden und nicht nur mit ihren
Beschlüssen konfrontiert werden.“
Minister Meyer behaupte, alle Flächen für den Polder stünden bereits zur
Verfügung. „Aber das stimmt nur für rund 50 Hektar, der Rest ist weiterhin
in Privateigentum“, sagt Brinkmann. „Da stellt man die Interessen der
Betroffenen zurück, und das stört uns.“
Dem Landvolk gehe es „nicht um Verhinderung, sondern um
Interessensausgleich“. Und es gebe andere Wege, zum Ziel zu kommen. „Die
Landwirtschaft hat bereits freiwillig viel dafür getan, den Phosphoreintrag
zu reduzieren. Und im Dümmereinzugsgebiet haben wir mit dem Ausbau von
Gewässerandstreifen schon viel Erfahrung.“ Ein Polder diene vor allem
[3][dem Tourismus am See:] „Je weniger Phosphor, desto weniger Algen. Je
weniger Algen, desto weniger Badeverbote.“
Die Landwirte sieht Brinkmann dabei planerisch marginalisiert: „Dabei
würden bei manchen Betrieben bis zu 30 Prozent der bisherigen
Betriebsfläche wegfallen.“ Brinkmann prognostiziert zudem, dass der
65-Millionen-Euro-Etat nicht reicht: „Angesichts der hohen Baupreise wird
das vermutlich dreistellig.“
Fast 300 Vogelarten sind für den Dümmer nachgewiesen, vom Austernfischer
bis zum Silberreiher, vom Kiebitz bis zur Lachmöwe. Er ist ein
[4][„international herausragendes“ Rastgebiet für zahlreiche Wat- und
Wasservögel,] so der NLWKN. Hier den Vogelschutz zu beeinträchtigen, kann
schwere Folgen haben.
23 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Seen-in-der-Klimakrise/!5859243
(DIR) [2] /Urteil-des-Bundesverwaltungsgerichts/!6074029
(DIR) [3] /Privatisierung-am-Zwischenahner-Meer/!5891022
(DIR) [4] https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutzgebietenaturschutzgebiet-dummer-hohe-sieben-und-ochsenmoor-181674.html
## AUTOREN
(DIR) Harff-Peter Schönherr
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