# taz.de -- Rückbau in Ungarn: Ungarn kappt rechtskonservativen Thinktank
       
       > Regierungschef Péter Magyar zieht das Vermögen mehrerer Stiftungen des
       > früheren Ministerpräsidenten Orbán ein. Ein Tätigkeitsverbot ist das
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Ein Bild aus besseren Zeiten: Orbán hält 2019 die Eröffnungsrede zum Thema Migration. Titel: „Die größte Herausforderung unserer Zeit?“
       
       Die [1][Rückabwicklung der Ära Orbán] in Ungarn geht weiter:
       Ministerpräsident Péter Magyar entzieht dem ungarischen Mathias Corvinus
       Collegium (MCC) die staatliche Unterstützung. Sein Vorgänger Viktor Orbán
       hatte den rechtskonservativen Thinktank zur Kaderschmiede ausgebaut und mit
       Milliardengeldern ausgestattet.
       
       Die Einrichtung mit Hauptsitz in Budapest begann 1996 als Stipendien- und
       Talentförderungsprogramm. Später kamen Forschungsinstitute, ein Buchverlag
       und mehrere eigene Medien hinzu. Im Lauf von Orbáns Regierungszeit bekam
       das Institut eine (neu-)rechte und illiberale Schlagseite und wurde zu
       einem wichtigen Sprachrohr der regierenden Fidesz, [2][auch im Ausland].
       Die jährliche Konferenz „MCC Feszt“ holte rechte Spitzenpolitiker wie
       [3][AfD-Chefin Alice Weidel] und Österreichs Ex-Regierungschef
       [4][Sebastian Kurz] nach Ungarn.
       
       Mit Ende August verlor das MCC seinen rechtlichen Sonderstatus und die
       staatlichen Vermögenswerte, sagte Magyar. Fortgeführt würden nur mehr jene
       Programme, die einen Mehrwert für Ungarn haben. Betroffen sind neben dem
       MCC auch die Lajos-Batthyány-Stiftung und die „Blauer
       Planet“-Klimaschutzstiftung, allesamt sogenannte „gemeinnützige
       Vermögensverwaltungsstiftungen“ aus der Regierungszeit Orbáns.
       
       Die MCC-Führung selbst hatte sich schon im Vorfeld zur bevorstehenden
       Umwandlung geäußert. Im Juli erklärte sie, die geplanten Änderungen seien
       keine überraschende Entwicklung. Man arbeite „konstruktiv“ mit der neuen
       Regierung zusammen. Ziel sei, die Talentförderprogramme in anderer
       Organisationsform reibungslos fortzuführen. Eine taz-Anfrage zu den
       nächsten Schritten ließ das MCC unbeantwortet.
       
       ## Kein Tätigkeitsverbot für die Stiftung
       
       Magyar betonte jedoch, dass die neue Regelung keinem Tätigkeitsverbot
       gleichkomme. Die Stiftungen könnten ihre Arbeit künftig in anderer Form
       fortführen, sofern sie eine alternative Finanzierung dafür finden.
       Zumindest bei „MCC Brussels“ ist das nicht der Fall: Am Dienstag wurde
       bekannt, dass der 2022 gegründete Brüssel-Ableger seine Arbeit einstellen
       wird. Es gibt keine Alternative zu den verlorenen Staatsgeldern, sagte der
       aus Protest zurückgetretene Direktor Frank Furedi. Er kündigte laut
       Euronews an, an einer neuen, kleineren Initiative zu arbeiten. In der
       jetzigen Form sei MCC Brussels aber „am Ende“.
       
       Auch wie es mit der Mutterorganisation in Budapest weitergeht, ist noch
       nicht ganz klar. Magyar warf der Regierung Orbán vor, aus öffentlichen
       Geldern aufgebaute Vermögenswerte in Stiftungen ausgelagert zu haben. Ziel
       sei gewesen, auch nach einem Regierungswechsel weiter über die Gelder und
       Immobilien verfügen zu können. Die Größenordnung ist nach wie vor
       erstaunlich: Das MCC bekam von Orbán 2020 je 10 Prozent vom staatseigenen
       Ölkonzern MOL und dem Pharmakonzern Richter Gedeon überschrieben, zudem
       mehrere staatliche Immobilien. Gesamtwert: mehr als eine Milliarde Euro.
       
       Außerdem gibt es personelle Verbindungen zu Orbáns Fidesz. Das
       MCC-Kuratorium leitete bis diesen Sommer Balázs Orbán, Viktor Orbáns
       früherer politischer Direktor und zuletzt Fidesz-Kampagnenleiter. Den
       Vorsitz im Kuratorium der Blauer-Planet-Stiftung hatte János Áder inne,
       ehemaliger Fraktionsvorsitzender der Fidesz und früherer Staatspräsident.
       
       Die Lajos-Batthyány-Stiftung wiederum hat mit Millionenbeträgen Akteure aus
       dem Fidesz-Umfeld finanziert. Dazu zählten das Zentrum für Grundrechte, das
       konservative Danube Institute und die „Budapester Werkstatt“ (Budapest
       Műhely). 2023 kaufte das MCC die „Modul University Vienna“, eine
       Privatuniversität mit Schwerpunkt Tourismus. Wie es mit der Einrichtung nun
       weitergeht, war zuletzt noch unklar.
       
       Magyar kündigte an, Inhalte mit einem Mehrwert für Ungarn wie Bildungs- und
       Forschungsaufgaben sowie Projekte zu Klimaschutz und Kultur zu bewahren.
       Die „für Korruption anfällige Struktur“ werde hingegen beendet. Das dort
       geparkte Geld solle wieder „unter die Kontrolle der Öffentlichkeit“ kommen.
       
       2 Sep 2026
       
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