# taz.de -- Die Linkspartei und die Gewalt: Gehört das Thema Palästina in den Berliner Wahlkampf?
> Bei einem Wahlkampfevent der Linken in Berlin-Neukölln sorgt der Rapper
> Dahabflex mit „Yalla Yalla Intifada, Westbank, Palästina, Gaza“ für
> Aufsehen.
(IMG) Bild: Das Thema beschäftigt viele Menschen in Berlin, nicht nur auf dem Hermannplatz in Neukölln
Der [1][Auftritt ist stark umstritten]. Sollte der Nahost-Konflikt im
Wahlkampf thematiert werden?
Ja,
denn gerade die Berliner Linke und ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp wären
besser beraten, offensiv und selbstbewusst mit einer israel- und
staatsräsonkritischen Position anzutreten. Und sich nicht bei jeder kleinen
Kontroverse einschüchtern lassen.
Es stimmt schon, die Berliner Regierung hat auf die Außenpolitik
Deutschlands keinen Einfluss. Nur ist der Komplex Israel/Palästina in
Deutschland kein rein außen- oder bundespolitisches Thema. Im Namen der
Staatsräson wurden in Berlin Anti-Genozid-Proteste erst verboten, danach
wurde der Berliner Repressionsapparat in voller Härte auf sie losgelassen.
Wöchentliche Polizeigewalt, willkürliche Festnahmen, Strafanzeigen wegen
der banalsten (und völlig legalen) Demoplakate und Protestrufe wurden zur
Norm. Und im Namen der Staatsräson wurden unzähligen linken Kultur-,
Sozial- und Bildungsprojekten die Fördergelder gestrichen. Orte wie das
Oyoun, eins von wenigen queer-migrantischen Kulturräumen der Stadt, mussten
schließen, weil die israelkritischen Veranstaltungen dem [2][damaligen
CDU-Kultursenator Joe Chialo] ein Dorn im Auge waren.
Soll Berlin zu einer besseren, freieren, gerechteren Stadt werden, müssen
nicht nur die Mieten sinken, sondern auch die autoritäre Staatsräsonpolitik
der vergangenen Jahre muss beendet werden. Bei einer
Bürgermeisterkandidatin, die dafür antritt, würde es sich für viele
Menschen lohnen, zu wählen. Und sie würde klarmachen, wo sie sich von ihrer
linksliberalen Konkurrenz unterscheidet. Niedrigere Mieten fordern nämlich
sowieso alle.
Eine Bürgermeisterkandidatin, die sich von ihrem eigenen Bezirksverband
distanziert, weil irgendein Rapper auf irgendeiner Veranstaltung eine
verbalradikale Parole ruft, macht dagegen nicht den Eindruck, als würde sie
sich für diesen Wandel einsetzen. Und macht auch nicht den Eindruck, als
wäre sie in der Lage, der Art Gegenwind standzuhalten, der auf sie zukommt,
wenn sie als Bürgermeisterin tatsächlich Wohnkonzerne vergesellschaften
will.
Pauline Jäckels
Nein,
ein Konflikt in rund 3.000 Kilometer Entfernung ist kein gutes Thema für
einen Landtagswahlkampf. Auch abseits von den abstoßenden Lines des Rappers
Dahabflex sollte die Hauptstadt-Linke die Finger von dem Thema lassen.
Nichts sorgt so verlässlich für linke Uneinigkeit wie der Nahostkonflikt.
Und nichts wird von Wähler*innen so verlässlich bestraft wie
innerparteilicher Streit. Zudem ist das Thema eine Steilvorlage für
Konservative und Rechte, die jede noch so harmlose Palästinasolidarität als
Antisemitismus bezeichnen. Das ist verlogen, verfängt aber bei
Wähler*innen. Sich trotzdem sehenden Auges in die Diskussion zu stürzen,
ist selbstschädigendes Verhalten.
Nun kann man sagen: Manche Themen sind so wichtig, dass man internen
Streit, scharfen Gegenwind und Stimmenverlust in Kauf nehmen muss. Weil es
um etwas geht. Aber hier ist die entscheidende Frage: Worum geht es
wirklich? Der Berliner Senat kann weder etwas an den Waffenlieferungen nach
Israel ändern noch an der diplomatischen Rückendeckung, die Deutschland der
Regierung Netanjahu trotz aller Verbrechen in Gaza gibt. Das Thema
Nahostkonflikt schnurrt in der Berliner Landespolitik darauf zusammen, wie
die Polizei mit den zuletzt seltenen Palästina-Demos umgeht und welche
zivilgesellschaftlichen Organisationen und Einrichtungen finanziell
unterstützt werden. Mehr nicht. Etwas anderes zu suggerieren, garantiert
später enttäuschte Wähler*innen.
Statt also im Wahlkampf über einen Konflikt zu sprechen, auf den sie auch
beim besten Wahlausgang keinen Einfluss hat, sollte die Linke auf Themen
setzen, bei denen sie mehr zu bieten hat als Worte und Gesten. [3][Die
Mietenpolitik] ist eins dieser Gewinnerthemen, das viele Leute unmittelbar
betrifft und bei dem kluge Lokalpolitik einen großen Unterschied machen
kann.
[4][Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp] hat das glücklicherweise erkannt
und fährt bisher einen erfolgreichen Wahlkampf zu dem Thema. Der Neuköllner
Ortsverband täte gut daran, diesen klugen Kurs nicht weiter zu sabotieren.
Frederik Eikmanns
31 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-linke-spitzenkandidatin-eralp-fordert-konsequenzen-nach-umstrittenem-rapper-auftritt-100.html
(DIR) [2] /CDU-Foerderaffaere/!6180453
(DIR) [3] /Berlin-vor-der-Landtagswahl/!6200785
(DIR) [4] /Abgeordnetenhauswahl-in-Berlin/!6207293
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