# taz.de -- Nach Massenansturm auf Ceuta: Spanien beschuldigt „rechtsextreme Internationale“
       
       > Spaniens Regierungschef Sánchez wirft Israel und Russland vor, den
       > Ansturm auf Ceuta befeuert zu haben. Was steckt dahinter?
       
 (IMG) Bild: Die Bilder vom Massensansturm in Ceuta wurden direkt zum Angriff auf Regierungschef Sanchez genutzt
       
       Die Grenze zu Spanien sei offen, verbreiteten zahlreiche User in den Tagen
       vor dem Massenansturm [1][auf die spanische Exklave] in Netzwerken und
       Messenger- und Facebookgruppen in Marokko. Die Folge: Am 30. und 31. Juli
       umschwammen rund 72.000 Migranten aus Marokko den Grenzzaun zur spanischen
       Exklave. Die meisten gingen anschließend wieder zurück. 5.000 Immigranten –
       darunter 1.200 Minderjährige – sind noch immer in Ceuta, was dort für
       Spannung sorgt.
       
       Spaniens Regierungspräsident Pedro Sánchez ist sich sicher, dass hinter der
       Falschmeldung, die alles auslöste, „Netze mit Verbindungen zu Russland und
       Israel“ und „eine rechtsextreme Internationale“ steckten. Das erklärte der
       Chef der Linkskoalition Montagfrüh in einem Interview in Spaniens
       meistgehörtem Radio, der Cadena Ser.
       
       „Sie griffen Spaniens Regierung und [2][die Regierungen Europas mit einem
       zersetzenden Thema] wie der illegalen Immigration an, das viele europäische
       Gesellschaften spaltet und polarisiert“, fügte er hinzu. Weitere
       Einzelheiten gab er nicht preis. Alle warten jetzt auf seinen Auftritt vor
       dem spanischen Parlament am kommenden Mittwoch.
       
       Israel, Russland, Marokko, rechtsextreme Internationale – was wie eine
       Verschwörungstheorie klingt, ist nicht so weit hergeholt. Denn gleich
       nachdem die ersten [3][Bilder vom Massenansturm] die Runde machten, griffen
       neben russischen und israelischen Politikern auch US-Präsident Donald Trump
       und Elon Musk in den sozialen Netzwerken Sánchez ganz offen an. Seine
       liberale Ausländerpolitik würde Europa zerstören.
       
       ## Auf Sánchez nicht gut zu sprechen
       
       Sowohl die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu als auch
       US-Präsident Donald Trump sind auf Sánchez nicht gut zu sprechen. Der
       Spanier verurteilte den Gaza-Feldzug offen als Völkermord und weigerte sich
       immer wieder, die von Trump geforderten Erhöhungen des Rüstungshaushaltes
       im Rahmen der Nato zu akzeptieren. Außerdem untersagte er der US-Armee, die
       Basen in Spanien im Irankrieg zu nutzen.
       
       Bereits in den Monaten vor dem Massenansturm waren Ceuta und die zweite
       Exklave, Melilla, in den Kreisen um Netanjahu und Trump ein Thema.
       Tatsächlich forderte Netanjahus Sohn Yair schon im Jahr 2019 in einem Post
       auf X (damals noch Twitter) die arabischen Nationen dazu auf, Ceuta und
       Melilla „zu befreien“, damit meinte er wohl: an Marokko zu geben. Das
       Trump-nahe American Enterprise Institute (AEI) Marokko empfahl ganz offen,
       einen „Grünen Marsch“ auf die beiden Exklaven Ceuta und Melilla zu
       organisieren.
       
       Beim „Grünen Marsch“ zogen 1975 über 350.000 Marokkaner vom Königshaus und
       den US-amerikanischen Geheimdiensten organisiert in die damalige spanische
       Kolonie Westsahara südlich Marokkos. Die Armee folgte. Seither ist die
       Westsahara von Marokko besetzt.
       
       Genau das ist ein weiteres Element im internationalen Puzzle um den
       Massenansturm auf Ceuta. Bereits in der ersten Amtszeit erreichte Trump,
       dass sich Marokko Israel annäherte und den sogenannten Abraham-Abkommen
       beitrat. Im Gegenzug erklärte Trump, dass für die USA Marokko die
       Souveränität über die Westsahara habe. Eine Position, die der der Vereinten
       Nationen widerspricht, für die der Landstrich völkerrechtswidrig besetzt
       ist. Der Kreis schließt sich.
       
       31 Aug 2026
       
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