# taz.de -- Wohnungsbau und Migration: Wohnungsnot bedroht die Wirtschaft
> Ohne Neubau fehlt Platz für Migrant:innen. So wird der Wohnungsmangel
> laut einer Branchen-Studie zu einem doppelten Negativfaktor für die
> Konjunktur.
(IMG) Bild: Neubau, Altbau, Hauptsache vier Wände und ein Dach drüber
Manchmal entpuppen sich zunächst recht staubig klingende Themen als
Grundlage für eine scharfe Analyse der gesamtgesellschaftlichen Lage. So
zum Beispiel beim „Baumonitor 2026“, den der Bundesverband Deutscher
Baustoff-Fachhandel am Mittwoch vorgestellt hat. Statt der erwartbaren
Klage einer darbenden Branche – die natürlich nicht ausblieb – gab es einen
starken Appell für eine neue Migrationspolitik. Mit einer klaren These:
Deutschland braucht mindestens 350.000 Zuwander:innen pro Jahr, sonst
geht die Wirtschaft bald baden. Und für die Sozialsysteme reicht es auch
nicht.
Die [1][Studie für den Bundesverband] hat das Pestel-Institut erstellt, das
sich schon [2][seit langem mit der Lage auf dem Wohnungsmarkt befasst].
Dessen Leiter Matthias Günther beklagte, dass sich die Bauwirtschaft in
einer dramatischen Lage befinde. Der Wohnungsmarkt habe zwar auf die vor
allem durch die Kriege in Syrien und der Ukraine gestiegene Zuwanderung
reagiert, aber nicht im angemessenen Maße. Insgesamt fehlten in Deutschland
aktuell 1,35 Millionen Wohnungen, so Günther. Und ein Ende der
Wohnungsknappheit sei „überhaupt nicht in Sicht“.
Dennoch, betonte Günther, sei die Migration nicht das Problem. „Diese
Migration haben wir auch gebraucht“, sagte der Wissenschaftler. Ohne die
Zuwander:innen läge zum Beispiel der Rentenbeitrag schon heute deutlich
höher, so Günther. Denn Deutschland befinde sich seit Jahren im
demografischen Umbruch. Nicht nur, dass die Boomergeneration massenhaft in
Rente geht, auch der Nachwuchs fehlt, weil [3][die Geburtenrate zuletzt
dramatisch gesunken] ist.
„Die harten demografischen Fakten zeigen ohne Zuwanderung einen
dramatischen Rückgang der Erwerbsfähigen“, sagte Günther. Und der „damit
verbundene Rückgang der Beitragszahler sprengt das System der
Sozialversicherungen deutlich stärker als der Anstieg der Rentenzahler“.
## Wohnungsbau als Wirtschaftsfaktor
Doch wenn Menschen in großen Zahlen nach Deutschland einwandern wollen
würden, müssten sie auch irgendwo wohnen. Und das sei mittlerweile das
größte Problem. „Bereits heute können in vielen Regionen Arbeitsplätze
nicht mehr besetzt werden, weil für die potenziellen Mitarbeiter kein
bezahlbarer Wohnraum verfügbar ist“, sagte Günther. Und das treffe
keineswegs nur Großstädte wie Berlin, wo die Mieten vor allem im untersten
Marktsegment gestiegen seien.
Das führt statt der dringend benötigten Zuwanderung schon zu Abwanderung.
In den letzten beiden Jahren habe es Wanderungsverluste nach Polen,
Rumänien und Bulgarien gegeben, betonte Günther. „Dies sollte uns als
Warnhinweis für den Zustand unserer Standortqualität zu denken geben.“
Mit dem Wohnungsmangel ist der Wohnungsbau somit zu einem Wirtschaftsfaktor
mit doppelter Wirkung geworden, heißt es in der Studie. Denn ohne Bauten
leidet auch die Bauwirtschaft. „Der Absturz beim Wohnungsbau ist fatal“,
sagte Katharina Metzger, Präsidentin des Baustoff-Fachhandel-Verbands. Für
2026 erwarte sie noch mal einen enormen Schlag nach unten: nur 185.000
Neubauwohnungen, so die Prognose. Das eigentliche Ziel von 400.000 neuen
Wohnungen pro Jahr wird seit langem nicht erreicht.
Zwar ist die Zahl der Baugenehmigungen zuletzt wieder gestiegen. „Aber in
einer Baugenehmigung können Sie nicht wohnen“, so Metzger. Bis ein Haus
fertig werde, dauere es oft Jahre, wenn es denn überhaupt gebaut wird.
Metzger kritisierte daher scharf die Bundesregierung. Von dem angekündigten
Bauturbo bleibe nur wenig, wenn gleichzeitig die Förderprogramme von 3,4
Milliarden auf 2 Milliarden Euro zusammengestrichen werden.
Auch das im Koalitionsvertrag vereinbarte [4][Gesetz für den sogenannten
Gebäudetyp E] müsse endlich kommen, dass einfacheres Bauen erlaube. Durch
„Bauen ohne Schnickschnack“ ließen sich die Kosten um 30 Prozent senken,
das habe ein ähnliches Programm in Schleswig-Holstein gezeigt.
## Rechte Stimmung und Leerstand
Allein mit einer gut laufenden Bauwirtschaft lasse sich das
Wirtschaftswachstum um 0,6 Prozentpunkte steigern, hat Studien-Leiter
Günther errechnet. Zwei anderen Hoffnungen erteilte er aber eine Absage.
Zwar würden langfristig Wohnungen frei, wenn die vielen in den 1960er
Jahren Geborenen sterben. Aber das dauere noch: „Es ist niemandem geholfen,
wenn wir den Leuten sagen, in 25 Jahren hat sich das Problem demografisch
gelöst.“
Und auch leerstehende Wohnungen in östliche Bundesländern wie
Sachsen-Anhalt seien keine Lösung. Dort sei zwar die Wohnungslage nicht das
Problem, aber die von den Rechten erzeugte Stimmung, so Günther. Dort
könnten Arbeitsplätze nicht besetzt werden, „weil dort keiner hinwill“.
26 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://bauen-und-wohnen-in-deutschland.de/wp-content/uploads/2026/08/BAU-MONITOR-Kurzstudie-zur-PK-August-2026.pdf
(DIR) [2] /Studie-zu-Wohnungsmangel/!6145930
(DIR) [3] /Geburtenzahl-in-Deutschland/!6174625
(DIR) [4] /Fragen-und-Antworten-zur-Wohnkrise/!6095514
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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