# taz.de -- Generaldebatte im Bundestag: Lernfähiger Nachhilfeschüler
       
       > Kanzler Merz zielt darauf ab, die demokratischen Reihen zusammenzuhalten.
       > Klimaschutz ist plötzlich wichtig. Doch der Rückhalt für ihn bröckelt.
       
 (IMG) Bild: Bemüht um eine vereinte Front gegen die AfD: Bundeskanzler Merz im Bundestag
       
       Die AfD hat eine Wahl gewonnen und sieht sich auf der Siegerstraße – aber
       der Kanzler zeigt immerhin Wehrhaftigkeit. Friedrich Merz’ Auftritt in der
       Bundestagsgeneraldebatte war nicht schlecht. Er musste – protokollgemäß –
       auf AfD-Chefin Alice Weidel reagieren, blieb aber nicht defensiv, sondern
       konnte deutlich machen, dass er für etwas steht.
       
       Bei Ukraine (stehen wir dazu), Sicherheit (brauchen wir mehr, wird teuer),
       Wachstum und Sozialreformen (beides auf dem Weg) setzte Merz die Pointen
       so, dass ihm andere Parteien grundsätzlich zustimmen konnten, wenn sich
       auch nicht alle zu Applaus hinreißen ließen. So nannte Merz Klimaschutz in
       einem Atemzug mit Zivilschutz und griff die AfD dafür an, dass sie den
       Klimawandel leugnet. [1][Remigration], sagte er, sei ein Synonym für
       „ethnische Säuberung“; die AfD-Fantasien würden in Handwerk, Pflege,
       Gesundheit und Gastronomie die Betriebe lahmlegen.
       
       Nun macht eine gelungene Rede keine verstolperte Regierungszeit wieder gut.
       Merz’ Bekenntnis, Fehler gemacht zu haben, entschädigt nicht für eineinhalb
       Jahre herablassende Besserwisserkommunikation. Alle links vom Kanzler
       dürfen feststellen, dass einem [2][Sozialkürzungsprogramm] keine
       gesellschaftliche Wärme entsteigen wird – egal, wie viele Emotionen Merz
       noch zu zeigen verspricht.
       
       Doch formuliert Merz in seinen Auftritten seit der Sachsen-Anhalt-Wahl mehr
       Willen als bisher, den bundesrepublikanischen Laden zusammenzuhalten. Er
       sucht Zustimmung auch jenseits seiner Rotary-Club- und Unternehmerzirkel,
       die ohnehin sauer sind, weil sie zu wenig Steuer- und andere Geschenke
       bekommen. Gut möglich, dass Merz mit einer Brandmauerrede für die
       Brandmauerparteien die Unterstützung sucht, die ihm innerhalb der eigenen
       Reihen abhandengekommen ist.
       
       ## Unmut in den eigenen Reihen
       
       Längst wird bei der CDU offen über ihn gelästert. Die kursierenden
       Absetzungspläne sind kein Artefakt der Medien. Dass NRW-Ministerpräsident
       Hendrik Wüst jetzt konträr zum Kanzler über ein AfD-Verbot spricht – wenn
       auch denkbar ungeschickt –, darf so verstanden werden, dass Wüst sich
       sicherlich gern bald noch viel mehr auf Bundesebene einbringen will.
       
       Wahrscheinlich ist es deshalb für die große kanzlerische demokratische
       Integrationsgeste jetzt zu spät. Die ersten bornierten Reaktionen der
       Koalitionsparteien am Abend der [3][Sachsen-Anhalt-Wahl] sprachen ja Bände:
       Bei Union wie SPD schaut weiterhin jeder nur auf sich selbst, niemand auf
       ein Ganzes. Was auch immer Merz macht – die Regierungsparteien sind der
       Herausforderung durch den Aufstieg einer faschistischen Partei bisher nicht
       gewachsen.
       
       9 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ulrike Winkelmann
       
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