# taz.de -- Friedrich Merz zu Besuch im Hürtgenwald: Nach dem Feuer kommt Merz
       
       > Beim Besuch im Hürtgenwald wird Bundeskanzler Friedrich Merz mit Buhrufen
       > empfangen. Er verteidigt sein spätes Kommen und spricht über den
       > Klimawandel.
       
 (IMG) Bild: Zurück aus der Sommerpause: Friedrich Merz bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Hürtgenwald
       
       Ein herzliches Willkommen sieht anders aus: Schon am Ortseingang von Gey,
       einem Ortsteil der Gemeinde Hürtgenwald in NRW, steht auf einem Schild:
       „Kein Kanzler nötig für echte Hilfe“. Der Bundeskanzler Friedrich Merz
       kommt an diesem Samstag, um den Einsatzkräften für ihren Kampf gegen den
       verheerenden Waldbrand zu danken. Es ist sein erster öffentlicher Termin
       nach seiner [1][Sommerpause]. Für viele Anwohner:innen kommt er zu
       spät.
       
       Zahlreiche Menschen haben sich in Gey versammelt, um den Besuch des
       Kanzlers zu verfolgen. Unter ihnen ist auch Markus Clemsee. Ihn ärgert,
       dass bislang zu wenig über den Klimawandel gesprochen wurde. Vor allem
       findet er aber, dass der Kanzler früher hätte kommen müssen. „Als alle
       Helfer letzten Samstag hier waren und es gebrannt hat, war Merz immer noch
       in seinem Urlaub“, sagt er. Nun kommt Merz eine Woche später und [2][das
       Feuer im Hürtgenwald ist seit zwei Tagen gelöscht.]
       
       Der Waldbrand war am vergangenen Donnerstag ausgebrochen. Zeitweise waren
       rund 1.400 Menschen an den Löscharbeiten beteiligt. Zwischen 300 und 400
       Hektar Wald verbrannten oder wurden beschädigt. Weil die Flammen bis auf
       250 Meter an Grundstücke heranrückten, mussten die rund 1.800 Bewohner von
       Gey ihre Häuser für zwei Tage verlassen.
       
       ## Merz zeigt sich unbeeindruckt von den Zwischenrufen
       
       Als der Bundeskanzler am Nachmittag eintrifft, beginnen die Pfiffe und
       Buhrufe. „Fahr nach Hause“, ruft jemand. Eine andere Stimme fragt: „Wie war
       dein Urlaub?“
       
       Den Vorwurf, er hätte seinen Urlaub früher unterbrechen müssen, weist Merz
       zurück. Er habe sich mit den Verantwortlichen vor Ort abgestimmt und
       bewusst gewartet, bis der Brand gelöscht sei. Auch der Landrat des Kreises
       Düren, Ralf Nolten (CDU), sagt, ein Kanzlerbesuch während der Löscharbeiten
       hätte eher gestört als geholfen. Den Protestierenden ruft er zu: „Nehmen
       Sie die negative Energie und machen Sie eine positive Energie daraus.
       Treten Sie der Freiwilligen Feuerwehr oder dem THW bei.“ Auch Merz reagiert
       auf die Zwischenrufe: „Ich lasse mich von denen, die rumschreien, nicht
       beeindrucken.“ Er spreche lieber mit denen, „die arbeiten, die helfen“.
       
       Sein Dank gilt den zahlreichen Einsatzkräften, darunter auch viele
       Ehrenamtliche, von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr. Auch
       der Land- und Forstwirtschaft dankt Merz. „Ohne die Zusammenarbeit zwischen
       allen diesen Beteiligten wäre das nicht so glimpflich ausgegangen“, sagt
       er.
       
       ## „Das ist Klimawandel“
       
       Dass sich ein Brand wie der im Hürtgenwald wiederholen könnte, damit müsse
       man rechnen. „Das ist Klimawandel“, sagt Merz. Auch an diejenigen, die den
       Klimawandel leugnen, richtet er eine Botschaft: „Schauen Sie sich genau an,
       was hier passiert ist.“
       
       „Wir werden alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen, aber wir müssen
       auch mit dem Klimawandel leben“, sagt Merz. Sich auf dessen Folgen
       vorzubereiten, sei Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen. Was die
       Bundesregierung dafür konkret tun will, lässt der Kanzler an diesem
       Nachmittag allerdings offen. Auch das [3][Hitze-Aktionsprogramm der SPD]
       erwähnt er nicht. Maßnahmen zur Anpassung an Hitze, Trockenheit und andere
       Folgen der Erderwärmung sollen nach Angaben der Bundesregierung bei der
       Kabinettsklausur am kommenden Dienstag und Mittwoch beraten werden.
       
       Merz kündigt außerdem eine Auswertung des Einsatzes an. Bei den
       Kommunikationsverbindungen etwa gebe es noch Verbesserungsbedarf.
       
       Die Protestierenden besänftigen seine Worte nicht. Bis zum Schluss wird
       gepfiffen, gerufen und gebuht. Die letzten Worte des Kanzlers gehen im
       Hupkonzert von Traktoren unter, mit denen einige der Anwesenden
       davonfahren. Auch auf dem Weg zu seinem Auto begleiten Merz Buhrufe. Jemand
       ruft „[4][Mehrzweckeier]“. Merz schmunzelt und schüttelt den Kopf. Dann
       steigt er ein.
       
       Ob der Bundeskanzler den Tagen ohne öffentliche Auftritte schon
       hinterhertrauert? Tja, Herr Merz. [5][Der Urlaub ist vorbei.]
       
       23 Aug 2026
       
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 (DIR) Laura Verseck
       
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